Paula - es kommt immer alles anders

Carolin Buchheim

Wir waren ganz schön gespannt wie sie denn sein würden, Paula, die 'Grande Band' dieser bestimmten Art des Berliner Wohnzimmerelektorfluffs, auf der ersten Tour zum Album Ruhig Blut, dem erste Album nach dem so halben Abgang von Berend Intelmann, auf der ersten Tour mit mehr Gitarren und weniger Elektro. Deswegen haben wir sie uns angeguckt, gestern Abend im Waldsee, und die Jungs von FOTOS waren auch da. Mit Video!



FOTOS, das sind 4 junge Herren aus Hamburg mit zwei Gitarren, einem Bass, Drums und einem Sänger, dessen Stimme dem Trend entspricht. IndieNewWavePopRock mit Punkelement. Oder so. Tom Hessler singt so zwischen Trend, eben, und NMFarner und Hund am Strand, und das kommt ja überall ganz gut an, dieser Tage. Wir könnten uns mit Leichtigkeit noch ein paar mehr Vergleiche abringen, einmal quer durch das gesammelte NewWavesonstwas, aber das sparen wir uns lieber, genau wie die Nennung der üblichen Verdächtigen, die EchteJournalisten?, (die wir ja erwiesenermaßennicht sind) immer erwähnen, nur weil mal jemand Deutsch singt, zur Gitarre. Wir mögen das auf jeden Fall, was die machen, die Jungs.


Vor ein paar Monaten, an einem Oktoberfreitag, da haben wir sie schon mal gesehen, im Kunstwerk in Köln, wo sie auf einer Veranstaltung von Kölner Campusradio mit lauter Dänen auftraten und schon damals mochten wir sie sofort, auf den ersten Ton, quasi. Gestern konnten wir deswegen feststellen: seitdem haben sich die jungen Herren angemessen und ansprechend weiterentwickelt. Liegt wohl nicht nur daran, dass sie im Januar ihre erste Platte aufgenommen haben, die ausgerechnet vom Paula-Halb-Aussteiger Berend Intelmann produziert wurde, sondern auch daran, dass sie viel live gespielt haben, in den vergangenen 5 Monaten. Die jungen Herren in ihren engen T-Shirts standen professionell und gut gelaunt und locker auf der Bühne im Waldsee und rocken ihre Songs mit den rockigen Gitarren und den schnuckigen Melodien und den Emo-Texten so runter, und das ist schon alles ganz richtig so. Macht Spass beim zugucken und -hören, und wir freuen uns mal einfach so auf die Platte, die dann im August auch endlich rauskommen wird.

Besonders 'Komm zurück' hat Hit-Potential, finden wir. Aber wir singen das ja auch schon den ganzen Tag vor uns hin, denn wir haben ja auch die selbstgebrannte CD mit zwei Titeln für 3? gekauft, getreu des Mottos 'give money to those who make the music that you love'. Unser itunes behauptet, wir hätten 'Komm zurück' seit gestern Abend 15 Mal gehört. Das kann doch gar nicht sein... Oder doch? Ahem. "Komm zurück, komm zurück, komm zurück, komm zurück, komm zurück zu mir! Ich denk an Dich, immer wieder, Ich denk an Dich, immer wieder, Ich denk an Dich, immer wieder...." Wir hören ja schon auf mit dem Singen. Sorry. Kann man übrigens auf der MySpace Site der Band runterladen, für umsonst, den Song.



Und dann spielten Paula. Wir erinnern uns ja noch gerne an das Konzert im Jazzhaus vor ein paar Jahren. Das war damals, als 'Als es passierte' auf MTV lief, und heute ist Paula anders, und daran müssen wir uns einfach erst gewöhnen, und das fällt uns ein wenig schwer, und irgendwie passierte das den ganzen Abend auch eigentlich nicht. Leider. Vielleicht liegt es nur daran, dass viel von dem Vertrauten weg ist, das Gefrickel eben, auf dem die Fluffigkeit basierte, und über dem Elke Brauweilers Stimme immer so hübsch naiv drüber herflog. Da sind jetzt überall Gitarren, und irgendwie will das in unseren Ohren einfach nicht so im Einklang gehen. Mangelnde Gewöhnung, wahrscheinlich, das neue Album nicht oft genug gehört, vielleicht, denn außer uns schien es niemandem so zu gehen, Pärchen knutschten bei den vielen Beziehungssongs, Mädchen schwangen lächelnd ihre Hüften im Takt.

Es ging einmal quer übers neue Album, es gab die neue Single 'Ich vermisse dich', und sogar 'Als es passierte', was sicher nach all den Jahren ein echtes Opfer ist. Zwei Cover gab es dann auch noch; zum einen 'Mitten in der Nacht' von Rio Reiser, zu dem Elke Brauweiler Bratsche spielte, und das bizarrerweise halt am meisten 'wie Paula früher war' war, und zum anderen 'Ca plane pour moi', den alten Electropop-Klassiker von Plastic Bertrand, über dreissig Jahre alt , und das war nett, aber lang nicht so gut wie das unterhaltsamste 'Ca plane pour moi' Cover, dass wir je gehört haben. Das kam im übrigen von den ElektroPunkIndiePoppern Les Mercredis.

Es war ein netter Abend, insgesamt, wir sollten vielleicht einfach nicht so sehr an der Vergangenheit hängen. Und wie hieß die erste Single des neues Paula Albums 'Ruhig Blut'? noch mal?

'Es kommt immer alles anders.'

Eben.