Patriotismus? Nein Danke! - Warum die Jungen Grünen keinen Bock auf Deutschlandfahnen haben

Marius Buhl

"Patriotismus? Nein Danke!" Mit dieser Aussage auf einem Sticker protestieren die "Jungen Grünen" gerade wieder gegen den schwarzrotgoldnen Patriotismus während der Fußball-WM. fudder-Redakteur Marius Buhl hat den Bundessprecher der Jungen Grünen Felix Banaszak gefragt, ob die Grünen bloß Spaßverderber sind und was der Unterschied zwischen Patriotismus und Nationalismus ist:



Felix, euer Sticker suggeriert Ablehnung gegenüber vielen Deutschen, die sich auf Fanfesten, in Kneipen und beim Public Viewing zum gemeinsamen Deutschland-Schauen treffen. Seid ihr Spaßverderber?

Unser Sticker soll zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem vermeintlich "unverkrampften Party-Patriotismus" anregen. Wir stellen uns gegen die Normalisierung des Gebrauchs nationaler Symbole, weil wir glauben, dass sich so mancher Krampf vielleicht besser nicht lösen würde. Wir wollen niemandem die Freude am Fußball nehmen. Aber wir glauben, dass der Spaß am Spiel auch ohne den demonstrativ positiven Bezug auf die eigene Nation auskommt.

Was sagen die Fans denn aus, die sich in Deutschland-Flaggen hüllen, sich mit Schminke die deutschen Farben auf die Wange malen, und Fähnchen ans Auto stecken?

Das lässt sich so allgemein natürlich nicht sagen, weil es da sehr unterschiedliche Motivationen gibt. Uns wird ja immer wieder unterstellt, wir würden damit alle zu Nazis machen. Das hat niemand behauptet. Was wir aber meinen, ist: Sie vermitteln damit in jedem Fall einen positiven Bezug zur Nation und zu nationalen Symbolen, der aus unserer Sicht eben nicht immer unkritisch ist.

Viele finden Patriotismus okay, erst Nationalismus finden sie gefährlich.

Viele soziologische Untersuchungen legen nahe, dass der Unterschied zwischen Patriotismus, also dem positiven Bezug zur eigenen Nation, und Nationalismus, also der Abwertung anderer Nationen, zumindest weniger groß ist als allgemein behauptet.

Viele Aussagen und Ereignisse, die im Rahmen der WM geschehen, haben einen klar nationalistischen Charakter. Wenn man sich so die Kommentare anschaut, die es beispielsweile zum Spiel gegen Ghana gab, wird klar: Es ist zumindest ein schmaler Grat.

Steigt die Fremdenfeindlichkeit während einer WM?

Das ist statistisch hinreichend belegt. Während der WM und in den Wochen danach steigen nicht nur die Zustimmung zu nationalistischen und rassistischen Positionen, sondern auch die Zahl der rassistisch motivierten Gewalttaten. Das Argument, die deutsche Mannschaft bestehe ja auch aus so vielen Migranten, zieht einfach nicht, wenn nach dem Spiel in der U-Bahn Menschen rassistisch angegangen und bedroht werden.

Ist nur deutscher Patriotismus inakzeptabel oder auch chilenischer, brasilianischer und französischer?

Jeder Patriotismus muss in seinem historischen Kontext betrachtet werden. In der Tendenz, und wenn man sich das mal historisch anschaut, lässt sich aber schon sagen, dass das emanzipatorische Potential von Patriotismus und Nationalismus eher gering ist.

Zur Person

Felix Banaszak ist 1989 in Duisburg geboren. Heute ist er der Bundessprecher der Jungen Grünen, zusätzlich studiert er Sozial- und Kulturanthropologie in Berlin. Zur Grünen Jugend kam er nach Zwischenstationen bei amnesty international und attac. Seit eineinhalb Jahren vertritt Felix die Grüne Jugend in der Grünen Rechtsextremismus-Kommission. An der Universität forscht Felix auch zu den Themen Rassismus und institutionelle Diskriminierung.