Interview

Pater Markus Fischer über Piusbrüder: "In Freiburg gibt es keinerlei Berührungspunkte"

Manuel Fritsch

Am Freitagnachmittag ziehen die Piusbrüder wieder durch die Stadt, um für den Schutz des Lebens, will heißen: gegen Abtreibung zu demonstrieren. Die Antifa ruft wie jedes Jahr zur Gegendemo auf.

Manuel Fritsch hat vor der Demonstration Pater Markus Fischer gefragt, wie der Priester der Altstadtkirche St. Martin den Pius-Orden einschätzt.

BZ: Auf welcher Seite stehen Sie heute Nachmittag? Bei den Piusbrüdern oder bei ihren Gegnern?
Fischer: Auf keiner. Die Piusbrüder gehören ja nicht zur römisch-katholischen Kirche, da sie sich nach dem zweiten Vatikanum auf einen eigenen Weg begeben haben. Zwar stehe ich als Katholik für den Schutz des menschlichen Lebens vom Anfang bis zum Ende, bin inhaltlich in diesem Punkt also sehr ähnlich. Das Recht auf menschliches Leben steht für uns Katholiken höher als die menschliche Selbstbestimmung, wenn ein Leben entsteht. Allerdings pflege ich das grundsätzlich im Dialog mit der Gesellschaft zu diskutieren und nicht in der Form der Demonstration. Und die Idee, eine Demonstration durch eine Gegendemonstration zu stören, halte ich auch nicht für gut. Man kann durchaus in einer Gegendemonstration eine andere Meinung kundtun, aber ich denke nicht, dass man gegenseitig versuchen sollte, die Versammlung der jeweils anderen Seite zu verhindern. Daher ist auch die Gegendemonstration keine Veranstaltung, an der ich heute teilnehmen werde.

"Manche dort wollen nur einen sehr traditionellen katholischen Glauben leben, manchen gefällt es nicht, wie die Gesellschaft sich verändert und wieder andere sind etwas schärfer in den Ansichten."

BZ: Die Piusbrüder sind durch Aussagen, die den Holocaust leugnen und durch Kontakte mit Rechtsextremen aufgefallen. Ist die Gruppe rechtsextrem oder einfach konservativ katholisch?
Fischer: Ich habe keinen Kontakt zu jemandem aus dieser Gruppe. Aber soweit ich das von außen betrachten kann, ist die Gruppe sehr heterogen. Manche dort wollen nur einen sehr traditionellen katholischen Glauben leben, manchen gefällt es nicht, wie die Gesellschaft sich verändert und wieder andere sind etwas schärfer in den Ansichten. Man hört immer nur die lauten Stimmen und die anderen aus der Gruppe hört man kaum. Ich glaube also, dass es eine sehr differenzierte Geschichte ist. Aber es gibt dort welche, die sehr scharf schießen.

BZ: Unter Papst Benedikt kam es zu einer Annäherung. War das gut und gab es die in Freiburg auch?
Fischer: Eine Trennung in der christlichen Gemeinschaft ist nie gut. Die Ökumene ist grundsätzlich notwendig. Die Frage ist aber, ob man auf einen inhaltlich gemeinsamen Konsens kommt und das halte ich für schwierig. Wenn der oberste Piusbruder sagt, dass die katholische Kirche das Dekret zur Religionsfreiheit aufheben solle, dann ist das für uns keine Option. In Freiburg gibt es – zumindest von Seiten der Gemeinde her – keinerlei Berührungspunkte mit den Piusbrüdern.
Pater Markus Fischer (35) ist Dominikaner und Priester in der Kirche St. Martin.