Passage 46: Theater Freiburg kauft sich frei - für eine Viertelmillion

Joachim Röderer

Das Freiburger Theater zahlt für die Aufhebung des Pachtvertrages, die bisherigen Betreiber sind damit raus. Jetzt soll es einen Neustart geben. Doch wie der aussehen wird, weiß noch niemand:



Das Theater Freiburg und die Theaterpassagen GmbH haben sich auf die Aufhebung der bestehenden Pachtverträge für die Passage 46 geeinigt. Das Theater muss die erhaltene Pachtvorauszahlung von 150 000 Euro zurückzahlen und für eine weitere niedrige sechsstellige Summe beim Pächter das Inventar ablösen. Für den Gastrobetrieb wird nun ein neues Konzept gesucht. Die Passage 46 soll enger mit dem Theater verzahnt werden. Und: Alle künftigen Entscheidungen würden eng mit dem Theaterausschuss abgestimmt, verspricht die Theaterleitung.


Tessa Beecken, seit knapp einem Jahr neue Kaufmännische Direktorin des Theaters, hat gemeinsam mit dem städtischen Rechtsamt ein für das Theater unrühmliche Kapitel abgeschlossen. Pächter Wulf Piazolo zieht sich zurück. Der Eigenbetrieb Theater bekommt ab sofort die Passage 46 wieder, so wie sie das Publikum seit der Neueröffnung im Herbst 2014 kannte.

Das Inventar wird beim Pächter abgelöst und auch die vorab gezahlte Pacht wird erstattet – das Theater muss also zusammen mehr als 250 000 Euro bezahlen. "Dass alles suboptimal gelaufen ist, muss man konstatieren, aber wir kommen jetzt gut raus", kommentiert Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach die nun erzielte Einigung. Von einem "sinnvollen und guten Ergebnis" spricht auch Sabine Recker, stellvertretende Leiterin des Rechtsamtes der Stadt.

Damit ist der Weg frei für eine Neuausrichtung. Ein Konzept liegt noch nicht vor. "Wir wollen die Passage 46 enger mit dem Theater verschränken", sagt Direktorin Beecken. Sie kann sich kleinere Formate wie Jazzabende oder Nachtlesungen vorstellen.

Eine endgültige Entscheidung über die genaue künftige Ausrichtung der schicken Gastroeinheit soll aber wohl erst fallen, wenn 2017 der neue Intendant Peter Carp antritt. Eine schnellere Möglichkeit, einen Gastrobetreiber zu finden, könnte sich aber schon diesen Sommer bieten, wenn die Gastronomie für Theaterkantine und Foyer neu vergeben wird.

Von Kirchbach: "Der zweite Schuss muss sitzen"

Das Theater verspricht für die Zukunft mehr Transparenz. "Für mich ist selbstverständlich, dass alle weiteren Schritte eng mit der Stadtverwaltung und dem Theaterausschuss abgesprochen werden", erklärt Tessa Beecken, die das Problem sozusagen von ihrem Vorgänger Klaus Engert geerbt hat. Bei der Neuausrichtung der Passage 46 gehe nun Qualität vor Schnelligkeit, sagt Kulturbürgermeister von Kirchbach: "Aber klar ist auch: Der zweite Schuss muss sitzen."

Die peinlich schnelle Insolvenz der mit hochfliegenden Plänen gestarteten Passage 46 und der folgende Ärger resultierten auch aus fürs Theater nachteiligen Verträgen, die von Intendantin Barbara Mundel und dem Galeristen Henrik Springmann unterzeichnet worden waren. Das städtische Rechtsamt war vor Vertragsabschluss nicht konsultiert worden. Den Inhalt der Verträge, welche die drei Passage-GmbHs untereinander geschlossen hatten, kannte das Theater gar nicht.

Stadtspitze nicht eingeweiht

400 000 Euro hatte die Stadtverwaltung im Zuge des Bühnenumbaus in die Räume der ehemaligen Jackson Pollock Bar investiert. Zusätzliche 150 000 Euro für Investitionen sicherte sich das Theater am Theaterausschuss vorbei durch eine Pachtvorauszahlung. Ein Kredit in dieser Höhe hätte vom Gemeinderat abgesegnet werden müssen.

Auch die Stadtspitze war offenbar nicht eingeweiht. Der Bühnenumbau sei ein Großprojekt gewesen, das viele Entscheidungen erfordert habe. "Aber wer die Cocktails ausschenkt, das hatte für mich nicht oberste Priorität", sagte Bürgermeister von Kirchbach dazu auf BZ-Nachfrage.

Im Zuge der Passage-Turbulenzen war auch bekannt geworden, dass die Bar keine Konzession als Vergnügungsstätte für die veranstalteten Diskoabende besitzt. Dafür müsste nun der Bebauungsplan geändert werden – der Bürgermeister sieht jedoch mittelfristig keine Chance. Im Theaterausschuss diskutiert werden soll über eine Außensitzfläche für die Bar – die war den einstigen Pächtern im Vertrag schon voreilig zugestanden worden.

Ob gegen den früheren Kaufmännischen Direktor des Theaters Regressansprüche erhoben werden, müsse noch "abschließend geprüft" werden, sagt Bürgermeister von Kirchbach. Der scheidende Passagen-Pächter Wulf Piazolo mochte sich am Montag zur Vertragsauflösung nicht äußern. Denn noch seien nicht alle Vereinbarungen unterzeichnet, betonte er auf BZ-Nachfrage.

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[Archivfoto: Simon Roser]