Passage 46 in Freiburg: Galerist Springmann steigt aus

Joachim Röderer & Bernhard Amelung

Nächster Paukenschlag im Fall Passage 46: Jetzt verkündet Galerist Henrik Springmann, bislang Kopf des Projekts, seinen Ausstieg aus der Gastronomie- und Kultureinrichtung im Freiburger Theater. Das Theater erfuhr von diesem Schritt durch die Presse:



In die Verantwortung rückt nun wieder Wulf Piazolo, Geschäftspartner von Springmann, der als Chef die Gastro-GmbH der Passage 46 in die Insolvenz führte. Die Springmann-Anteile übernimmt nun ein nicht näher benannter Geschäftspartner von Piazolo. Stadtverwaltung und Theater reagierten überrascht auf den plötzlichen Wechsel.


Um 16.29 Uhr am Montagnachmittag vermeldete Galerist Henrik Springmann den Absprung aus der so ambitioniert gestarteten Passage 46. Kurios: Weder Barbara Mundel, die Intendantin des Theaters, noch Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach waren vorab über den Schritt informiert worden und reagierten entsprechend überrascht.

Die Dachgesellschaft Theaterpassagen GmbH, bei der Springmann die Hauptanteile hielt, stand ohne Gastronomie da, nachdem die dafür zuständige Passage 46 GmbH Insolvenz anmelden musste. Sämtliche Beschäftigten wurden vergangene Woche arbeitslos, nachdem die Haupt-GmbH der vom Insolvenzverwalter geführten Gastronomiegesellschaft gekündigt hatte. Springmann hielt bei dieser Haupt-GmbH 75 Prozent der Anteile, Piazolo 25 Prozent.

Geschäftspartner und alter Schulfreund?

Jetzt kommt die nächste Volte: Da die Theaterpassagen GmbH ohne Gastronomie dastehe und er selbst über keine gastronomischen Ambitionen verfüge, sei der Rückzug aus der Gesellschaft die logische Konsequenzgewesen. Das schreibt der Galerist in seiner Pressemitteilung. Seinem bisherigen Kompagnon Wulf Piazolo stehe vertraglich ein Vorkaufsrecht der Anteile zu. "Im gemeinsamen Einvernehmen und seinem Wunsch entsprechend habe ich daher meine Geschäftsanteile an seinen Geschäftspartner veräußert", so Springmann.

Bei diesem Geschäftspartner soll es sich dem Vernehmen nach um einen Schulfreund von Piazolo handeln. "Nun sind wieder alle Optionen offen", sagt Gastronom Piazolo. Es müsse erst einmal Ruhe in der Passage einkehren. Er wolle mit dem Theater, der Stadtverwaltung und auch den früheren Passage-Mitarbeitern reden.

Gesprächsbereit zeigt sich auch Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach. Qualität gehe jetzt vor Schnelligkeit, sagt er. Nun müsse man erst einmal die Verträge "sauber prüfen". Stadt und Theater dürften sich auch nicht dem Vorwurf aussetzen, vertragsbrüchig zu werden, so der Bürgermeister.

Verwirrung um die Bewirtung

Die Passage 46 hatte eigentlich seit dem vergangenen Montag geschlossen. Doch am zurückliegenden Wochenende wurden die Räume bewirtet – von Wulf Piazolo und Mitarbeitern aus früheren Betrieben. Piazolo hatte lange für das Freiburger Gastro-Unternehmen Bellini gearbeitet. Die Wiederöffnung der Passage 46 diente ausschließlich der Bewirtung der Besucher des Kleinen Hauses und der Kammerbühne – eine vertragliche Verpflichtung, an welche die Stadtverwaltung die Passagen-Betreiber mit der Spielzeit-Eröffnung des Theaters noch einmal erinnert hatte, wie Bürgermeister von Kirchbach betonte.

Wäre nicht bewirtet worden, wäre dies ein Kündigungsgrund für die bestehenden Verträge gewesen. Da die eigentliche Gastro-GmbH der Passage nicht mehr existiert, bedurfte es einer Sondergenehmigung, die aber am Mittwoch, 30. September, schon wieder ausläuft.

Es gibt derweil noch offene Fragen zur Zukunftsplanung für die Passage 46: So ist immer noch offen, ob es die geforderte und vom Theater schon einmal voreilig versprochene Außenbestuhlung auf dem Theatervorplatz geben wird. Darüber wird der städtische Theaterausschuss Ende Oktober abstimmen.

Passage 46 ohne Lizenz für regelmäßige Club-Abende

Bürgermeister Ulrich von Kirchbach bestätigte auch baurechtliche Vorgaben, welche das künftige Konzept beeinflussen werden: So sind laut Bebauungsplan an der Stelle des Theaters keine Vergnügungsstätten erlaubt – sprich: Die Passage 46 hat, genau wie der QU-Club in Unterlinden, keine Lizenz für regelmäßige Disko-Veranstaltungen, obwohl dies seit Jahren anders gehandhabt worden war.

Henrik Springmann kündigte am Montag übrigens noch an, sein kulturelles Engagement in der Passage 46 fortsetzen zu wollen. Am 23. Oktober soll eine Ausstellungseröffnung stattfinden. Auch Verhandlungen über weitere Kulturveranstaltungen liefen bereits.

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[Foto: Thomas Kunz]