Pascal Krauss: Der Triumph des Panzers

David Weigend

Es ist eine Sensation für die lokale Kampfsportszene: Die UFC, also die amerikanische Champions League der Disziplin Mixed Martial Arts, hat den 23-jährigen Pascal Krauss aus Freiburg als neuen Kämpfer verpflichtet. Wir haben uns mit dem "Panzer" getroffen, bevor er die Stadt verlassen wird.



Er hatte sich schon seinen Teil gedacht, aber dass es so dick kommen würde, hatte er sich dann doch nicht vorstellen können.

Vor zwei Wochen ruft Pascals Manager Willy Steinky an: „Junge, wir haben dir einen Flieger nach Berlin gebucht. Wir brauchen dich dort für eine Sponseringgeschichte.“ Pascal fliegt nach Berlin. Am Freitag, den 13. August sitzt er im Mövenpick-Restaurant, Blick auf die Gedächtniskirche. Steinky legt seinem Schützling einen mehrseitigen Vertrag vor. Es ist ein Angebot von Joe Silva, dem Chef der UFC (Ultimate Fighting Championship). Die UFC ist die Königsklasse des Kampfsports Mixed Martial Arts (MMA).


Silva bietet Pascal einen Kontrakt über vier Kämpfe in der UFC, verteilt über 18 Monate. Pascal liest sich das Ganze in Ruhe durch und meint dann: „Hm. Ich glaube, das kann ich nicht unterschreiben.“ Steinky bekommt Herzrasen. „Bist du verrückt? Das ist die Chance deines Lebens!“ Pascal grinst. Es ist das Lächeln eines Spitzbuben, der in der March groß wurde. „War nur ein Scherz“, sagt Pascal, nimmt den Füller und unterschreibt.



Freitag, der 13. August 2010 – dieser Tag wird Pascals Leben verändern. Wenn er die ersten Kämpfe im Käfig gewinnt, wenn er eine gute Show liefert vor 40.000 Zuschauern, dann könnte er bald Freiburgs bekanntester Sportler sein – in den USA, wo Mixed Martial Arts sehr populär ist. Eine Mischung aus Kickboxen, Boxen und Ringen.

Dass es ein martialischer Sport ist, vielleicht der härteste Kampfsport überhaupt, das steht hier nicht zur Debatte. Pascal kann die Einwände der Kritiker nachvollziehen. „Auch meine Mutter kann mit diesem Sport nicht viel anfangen. Sie hält natürlich wenig davon, wenn sich ihr Sohn für Geld prügelt.“ Immerhin, von nun an wird es gutes Geld sein. Die besseren Athleten in der UFC streichen Gagen um die 50.000 Dollar pro Kampf ein.



Joe Silva war auf Pascal aufmerksam geworden, nachdem er am 22. Mai 2010 in Birmingham den Titel bei der renommierten Organisation Cage Warriors im Weltergewicht gewonnen hatte. Pascal Krauss, der Panzer. Neun Kämpfe, neun Siege. Ein Athlet, der sowohl im Stand als auch am Boden überzeugt. Aber was vielleicht noch wichtiger ist: Keine stumpfe Kampfmaschine, sondern ein Junge mit Köpfchen, der den Großteil seiner Jugend in der Wiehre aufwuchs und derzeit an der Freiburger Uni Sportwissenschaften auf Bachelor studiert und nebenher im Jazzhaus als Türsteher jobbt.

In den nächsten Monaten wird er dafür weder Zeit haben noch Bedarf. „Am 6. September fliege ich nach San Diego. Dort werde ich mich gezielt auf meinen ersten UFC-Kampf am 13. November vorbereiten.“

Diese Vorbereitung läuft sehr professionell ab: Dreimal täglich Training, für jeden Bereich ein Spezialist als Trainer. Ein Ringer, ein Boxer, ein Bodencoach. „Ich brauche jetzt Gegner, die mich zwei Monate verhauen und mich aufs nächste Level bringen.“ Pascals Sparringpartner ist der Balinger Peter Sobotta. Die beiden kennen sich, auch Sobotta ist UFC-Profi. „Wir werden auch viel Kraft-Ausdauer machen, also Übungen, die dich zum Kotzen bringen.“

Er wird beides brauchen, Kraft und Ausdauer. Schaut man sich die grimmigen Gesellen auf der UFC-Website an, wird einem Angst und Bange. Die schlimmsten Schläger aus aller Welt auf einem Haufen, dürfte der Schnellschuss-Kritiker denken.



Böse in die Kamera gucken ist eine Sache, ehrgeizige Arbeit an seiner Sportlerkarriere die andere. Das wird auch an Pascals Kampfsportvita deutlich. Sein Vater war Bundesligaringer, der das Ringen wegen Knieproblemen jedoch aufgab, als Pascal noch ein Kind war. Als Jugendlicher begann Pascal beim BSV Freiburg mit dem Boxen. Fünf Jahre lang boxte er. Mit 19 wurde ihm das langweilig.

Er wechselte in die RKG Freiburg, rang in der Staudingerhalle. 2006 nahm ihn sein Kumpel Daniel Mattuschek mit ins Training der Brazilian Jiu-Jitsu Schule in Littenweiler. Gregor Herb wurde Pascals Mentor in Sachen Grappling Arts. Pascal zeigte außergewöhnliches Talent.

Es ist schwer vorstellbar, dass Pascal vergangenen November noch bei einer Veranstaltung wie der Freiburger Fight Night im Ring stand und ein Jahr später in Oberhausen seinen ersten UFC-Kampf im Käfig bestreiten wird. Das ist in etwa so, als würde der Bahlinger SC innerhalb einer Saison von der Oberliga in die Champions League aufsteigen. Pascal winkt ab. „Der Kampf bei der Fight Night war eher eine Vorbereitung auf meinen Kampf in Slowenien. Aber es ist schon Wahnsinn, wie schnell das jetzt alles geht.“

Für Pascal erfüllt sich ein Traum. Aber seine Träume sind ziemlich realistisch. Er weiß, dass eine Verletzung, auch im Training, das jähe Ende seiner Sportlerkarriere bedeuten könnte. Und gesetzt den Fall, Pascal verliert seine ersten beiden Kämpfe und gibt keine gute Figur ab, kann ihm die UFC den Vertrag auch kündigen. „Es ist nicht so, dass ich jetzt finanziell ausgesorgt habe. Deswegen will ich mein Studium auch beenden, wenn es irgendwie geht.“



Heute früh war er Joggen, jetzt setzt er sich an seine Hausarbeit, später geht er trainieren mit seinen Kollegen vom Team Herb. Sie dürften auf ihn mächtig stolz sein: vom Bad Boy des Freiburger Schulhofs zum Herausforderer der Weltklassefighter. Aber Abheben wird Pascal nicht.

Wenn er heimkehren wird, im November, nach seinem ersten UFC-Kampf, wird er wieder ein wenig an der Tür stehen im Jazzhaus und mit dem Fahrrad zum Fitnessstudio California fahren. Dort haben ihm zwar „ein paar Vögel“ neulich das Rad geklaut. Aber er wird in Kalifornien dafür arbeiten, sich bald ein neues leisten zu können.

[Fotos: Ground and Pound, Weigend, Krauss]

Pascal Krauss: Highlights

Quelle: YouTube

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