Party-Check: Eine Nacht in Basel

Bernhard Amelung & Dominic Rock

Was hat das Basler Nachtleben zu bieten? Wie groß ist dort die Club-Vielfalt und wieviel kostet sie? Fragen, die sich zwei Fudder-Reporter gestellt haben, als sie in Freiburg den Bummelzug bestiegen, um eine Freitagnacht hinter der Schweizer Grenze zu verbringen. Was sie erlebt haben, steht im folgenden Protokoll.



22 Uhr: Les Garecons

„Herzlich Willkommen auf Wolke 7.“ Von weitem leuchtet uns Neuankömmlingen eine weiße Kreideschrift auf schwarzer Schiefertafel entgegen. Willkommensworte, die sich nicht an uns richten. Eine Hochzeitsgesellschaft hat die mitten im Badischen Bahnhof gelegene Café-Bar für ihre Feier reserviert. Auf der kleinen Terrasse zwischen den Säulen startet sie mit einem rotschimmernden Aperitif, vermutlich auf Campari-Basis, in diesen Freitagabend. Leider ohne uns.



22.30 Uhr: Lily’s

„Jungs, die Innenstadt ist nicht weit, dort gibt es viele Bars und Kneipen“, sagt ein knorriger, aber freundlicher Endsechziger. Wir machen uns auf den Weg, passieren das Basler Messezentrum und den geschäftigen Claraplatz. Da uns eine lange Nacht bevorsteht, wollen wir uns stärken. Das Lily’s an der Rebgasse 1 kommt uns da gerade recht. Die Betreiber bieten Gerichte aus dem Wok, Curries und Suppen an. Ein Blick auf die Preistafel lässt uns aber den Hunger verdrängen. Zwanzig Schweizer Franken, rund dreizehn Euro, kostet ein Tellergericht. Ohne Getränke. Wir wundern uns, dass trotzdem viele Studenten unter den Gästen sind. Aber „s’ Priis-Leischtigs-Verhältnis stimmt“, der Preis sei angemessen für die Menge und Qualität der Speisen, erklärt uns Shawn, ein junger Schweiz-Amerikaner.

23.30 Uhr: Cargo Bar

Wir lassen das Lily’s hinter uns und überqueren den Rhein auf der Mittleren Rheinbrücke, blicken auf die Schifflände und das erste Haus am Platz, das Hotel Les Trois Rois. Wir gehen dem Geräusch von Absatzschuhen auf Kopfsteinpflaster nach. Wenige Schritte später stehen wir auf dem Barfüsserplatz, Barfi genannt. Er ist die zentrale Anlaufstelle aller Nachtschwärmer. Mit Bierdosen in der Hand und selbstgedrehte Zigaretten rauchend belagern junge Menschen die wenigen Stufen, die zum Historischen Museum hinaufführen. Es geht auf halb zwölf Uhr nachts zu. Unsere Frage, ob auch hier ein Info-Team vorbeikomme und zur Ruhe gemahne, wie es auf Freiburgs Augustinerplatz der Fall sei, wird mit Kopfschütteln und Gelächter beantwortet.



Wir ziehen weiter und schlendern entlang des Rheins in Richtung Cargo Bar. Straßenlaternen mit weißem Licht weisen den Weg zu dieser in unmittelbarer Nähe der Johanniterbrücke gelegenen Bar. Ein süßlich-schwerer Duft und ausgelassenes Gelächter wehen uns vom Flussufer entgegen. Schwer ist die Luft auch in der Cargo Bar, einem kleinen, unprätentiös eingerichteten Raum mit wenigen Tischen. Die Bar ist gut besucht. Wir finden kaum Platz zum Stehen. Im Hintergrund läuft Jazzrock. Die Gespräche drehen sich um verlorene Liebschaften, Affären sowie Kunstausstellungen in Berlin, Kopenhagen und London.

0 Uhr: Atlantis

Wir überwinden die Treppenstufen hinauf zu Jean Tinguely’s Fasnachtsbrunnen und stehen am Fuße der Elisabethenkirche. Mitternacht. Wir sind umgeben von Jugendlichen, deren aufgekratztes Treiben einen Hauch südländischer Leichtigkeit versprüht. Das Atlantis ist nicht mehr weit. Das ehemals legendäre Jazz- und Rocklokal am Klosterberg beherbergt heute eine Mischung aus Bar und Club. Kaum betreten wir die historische Räumlichkeit, vernehmen wir Barbara Tuckers Soul-Stimme. „Beautiful People“ singt sie in die Nacht. Heute steht Cedric „Le Roi“ Eichenberger am Mischpult. Er ist Booker und Resident-DJ dieses Clubs und spielt „Soulful House“. DJ „Le Roi“ holt sich zu seinen Parties regelmäßig Gast-DJs aus den USA ins Haus. Dicht an dicht gedrängt stehen die Gäste beisammen. Der Flirtfaktor ist hoch, die Hemmschwelle zum lasziven Paartanz niedrig.

1 Uhr: Acqua

Wir überlassen das Flirten den anderen, denn der Sinn steht uns nach einer kleinen Auszeit im Acqua. „Chly chic, aber vou schön“, hat uns Valérie, eine in Basel studierende Bernerin auf den Weg gegeben. Und einen „huere gmüetleche Gartä“ habe dasAcqua obendrein. Schick, schön und ein gemütlicher Garten, genau das Richtige für uns. Die Osteria Acqua liegt ein wenig außerhalb des Stadtkerns, in der Binningerstraße. Der Eingang ist leicht zu übersehen. Die Osteria befindet sich hinter den alten Mauern eines Wasserwerks. Demzufolge riecht es leicht nach feuchten Steinen, aber nicht unangenehm modrig. Gedimmtes Licht und Kerzenschein sorgen für eine gediegene Atmosphäre. Das Publikum hat feine Garderobe ausgesucht und führt Gespräche in gedämpfter Lautstärke. Noch weit nach Mitternacht werden Süßspeisen serviert, beispielsweise Panna Cotta mit Zartbitter-Schokoladensauce. Schmeckt lecker.



1.30 Uhr: Das Schiff

Ein Blick auf die Uhr. Es ist nach eins. Höchste Zeit, noch ein paar Clubs zu testen. Wir fahren zunächst stadtauswärts, nach Kleinhüningen an den Rhein. Dort, wo Deutschland, Frankreich und die Schweiz aneinandergrenzen, liegt „Das Schiff“. Dieser auf einem ehemaligen Rheinschiff untergebrachte Club genießt seit seiner Eröffnung Mitte 2005 auch über die Landesgrenzen hinaus einen ausgezeichneten Ruf für sein Programm, das nah am Puls der Zeit liegt. Musikalisch liegt der Schwerpunkt klar im elektronischen Bereich, doch ohne Scheuklappen und Stilgrenzen. Drum’n’Bass-Heads werden genauso bedient wie Liebhaber von Techno und House, oft werden gleich ganze Label zu den Parties eingeladen.

Heute Abend ist jedoch alles ein wenig anders. Eine „Gymi-Party“ steht an. Ein bis zwei Mal im Jahr wird die Tanzfläche des Schiffs auch für Jungs und Mädels jüngeren Alters freigegeben, um sie in die Clubkultur einzuführen. So stehen wir am Rande der Tanzfläche, schauen ein wenig zu, wie Aimée und Loredana ihre ersten Schritte zu Tech-House tanzen und steigen über die steile Treppe wieder nach draußen. Doch wir werden wiederkommen, und dann wird im Schiffsbauch getanzt, als ob’s kein Morgen gebe.



2 Uhr: NT-Areal

Es ist kurz vor zwei Uhr. Doch die Sorge, wegen strenger Sperrzeiten bald nach Hause zu müssen, ist unbegründet. „Auf dem NT-Areal geht’s doch erst ab drei Uhr so richtig los“, sagt Reto, ein freischaffender Grafikdesigner, den wir auf dem Weg zum NT-Areal kennenlernen. Es liegt in unmittelbarer Nähe des Badischen Bahnhofs. Seit der Jahrtausendwende wird das NT-Areal für Jugend-, Club- und Subkulturprojekte zwischengenutzt. Es bietet vom Skatepark über Freiflächen für Graffiti, Konzerte und Partys alles an, was junge Menschen zur Entfaltung brauchen.

„Wenn ihr mir schon im Weg steht, könnt ihr mir auch helfen“, spricht uns ein junges Mädel an, kaum dass wir das Gelände betreten haben. Sie drückt uns eine Rolle Klebeband in die Hand und bittet uns, ihr bei der Werbung für ihre Party am kommenden Wochenende mitzuhelfen. Als sie erfährt, dass wir aus Freiburg kommen, zuckt sie mit den Schultern und lacht offenherzig: „Dann macht auch dort fleißig Werbung. Kommt alle auf meine Party und lasst uns gemeinsam feiern.“ Nicht nur sie begegnet uns mit einer Aufgeschlossenheit, die man aus dem Freiburger Nachtleben nicht unbedingt gewohnt ist. Wo immer wir uns bewegen, werden wir umgehend angesprochen und ins Leben eingebunden. Wir schlendern über die Open Air-Tanzfläche, bewegen uns zu düster pumpendem Elektro und tauschen mit den Mädels Blicke aus, die lauter knistern, als zehn Chipspackungen gleichzeitig. Schweren Herzens verlassen wir diesen Ort der jugendlichen Leichtigkeit und Unbeschwertheit.



4 Uhr: Bar Rouge

Kurze Zeit später befinden wir uns in einem stickigen Fahrstuhl. In Sekundenschnelle befördert er uns ins oberste Stockwerk des Basler Messeturms. Hier, auf etwas über 100 Metern, befindet sich der höchste Schweizer Rooftop-Club, die Bar Rouge. Wie der Name bereits sagt, ist die gesamte Inneneinrichtung in Rot gehalten, seien es Wände, Decken, Sitzecken oder Kissen. Um den erotisierenden Imagetransfer zu unterstützen, hängt über der Bar eine Liebesschaukel aus schwarzem Leder. Zu R 'n' B und Elektro, die ein DJ von einer CD einspielt, tanzen zwei Kerle in kurzärmligen, schwitzigen Kragenhemden. „Guude Laune“, grölen sie. Die jungen Frauen beeindruckt das weniger. Was die Stimmungslage betrifft, ist die Bar Rouge wohl am ehesten mit Freiburgs Kagan zu vergleichen.

Während sich am Horizont schon der erste Lichtstreifen der aufgehenden Sonne abzeichnet, lassen wir uns vom Fahrstuhl wieder in die Tiefe bringen. Der Weg zum ersten Regionalzug nach Freiburg (Abfahrt 5.19 Uhr) fällt schwer. Durchgerockt, aber von den streng dreinblickenden Grenzern unbehelligt, lassen wir die Nacht in Basel Revue passieren. Ja, Basel hat echt was zu bieten. Und zwar für jeden Geschmack. Wenigstens für einen One-Night-Stand werden wir bald wiederkommen.

Mehr dazu:

  • Lily's Rebgasse 1
    Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 09 – 24 Uhr, Sa. + So. 11 – 24 Uhr (warme Küche bis 23 Uhr)
    Telefon Restaurant: +41 61 683 11 11
    basel@lilys.ch
  • Cargo Bar St. Johannis – Rheinweg 46
    Öffnungszeiten: So. – Do. 16 – 01 Uhr, Fr. + Sa. 16 – 02.30 Uhr
    Telefon Bar: +41 61 321 00 72
    info@cargobar.ch
  • Acqua Binningerstrasse 14
    Öffnungszeiten: So. + Mo. geschlossen, Di. – Fr. 11.30 – 14 und 18 – 24 Uhr, Sa. 18 – 24 Uhr (Restaurant)
    Telefon Bar / Restaurant: + 41 61 564 66 66
  • Bar Rouge Messeplatz 10
    Öffnungszeiten: Mo. – Mi. 17 – 01 Uhr, Do. 17 – 02 Uhr, Fr. – Sa. 17 – 04 Uhr, So. 20 – 01 Uhr
    Telefon: + 41 61 361 30 31

    Foto-Galerie: Dominic Rock