Party bis zum Umfallen: Katzenjammer im Waldsee

Christian Beller

Einem ungewohnt zahlreichem Publikum bescherten die vier Damen von "Katzenjammer" einen kurzweiligen Konzertabend mit abruptem Ende. Christian war für fudder dabei.



Wer hier in Freiburg regelmäßig zu Konzerten geht, kann selten zu spät am Veranstaltungsort erscheinen. Meistens trudeln die ersten Besucher genau dann ein, wenn das Konzert eigentlich schon beginnen sollte. Als Veranstalter ist man dann gezwungen, den Auftritt der Bands nach hinten zu verschieben, denn weder will die Band vor einem leeren Saal spielen, noch will das Publikum den vollen Preis für ein bereits angefangenes Konzert bezahlen. Wenn man dann aber später anfängt hat das zur Folge, dass die Leute beim nächsten Mal noch später erscheinen. Ein Teufelskreis von dem auch Clubbetreiber ein Liedchen singen können.


Jedenfalls staunten wir nicht schlecht, als wir vergangenen Freitag kurz nach 20 Uhr am Waldsee eintrafen und niemanden mehr herein gelassen wurde, der nicht auf der Liste stand. Verantwortlich dafür ist vermutlich die groß angelegte Werbeoffensive von Koko Entertainment, denn die Band kannte bis vor ein paar Monaten kaum jemand außerhalb Skandinaviens und den Namen Katzenjammer hätte man hierzulande wohl eher mit einer Fun-Punk-Kapelle oder ähnlichem assoziiert.

Zumindest bis im August 2009, ein Jahr nach Veröffentlichung in Norwegen, das Debüt-Album „Le Pop“ in Deutschland auf den Markt kam und allerlei Gazetten darüber zu berichten wussten. Aber mit ihrem Auftreten und dem erfrischend bunten Mix aus hunderten von Musikstilen, von russischer Polka bis französischem Chanson, stechen die vier Norwegerinnen auch sehr schnell ins Auge.

Auch das Publikum war mit Besuchern im Alter von 10 bis 60 bunt gemischt, aber trotz des großen Andrangs war erst einmal alles wie immer. Während Kelly Tschritter allein mit Gitarre und ihren Folksongs das Vorprogramm bestritt, herrschte die übliche Unruhe. Anstatt der Musik zu lauschen unterhielten sich die meisten wohl lieber über ihren Büroalltag. Immerhin wurde höflich geklatscht als die gebürtige Kanadierin noch vor halb neun die Bühne verließ.



Eine gute halbe Stunde später betraten dann Turid Jørgenson, Solveig Heilo, Marianne Sveen und Anne Marit Bergheim unter großem Applaus die Bühne. In ihren schicken Kleidchen und mit der einnehmenden Ausstrahlung hatten sie das Publikum sofort auf ihrer Seite. Äußerst kurzweilig präsentierten sie vor allem die Songs ihrer ersten Platte und bei jedem Stück wurden Plätze und Instrumente getauscht.

Einen halbes Instrumentenmuseum hatten sie im Gepäck: Balalaika, Mandoline, Banjo, Ukulele, Akkordeon, Mundharmonika, Trompete – alles wurde irgendwie untergebracht. Spielen können anscheinend alle vier jegliches Instrument und singen können sie sowieso. Dazwischen wurde das Publikum animiert mitzusingen oder es gab Anekdoten über die „affentittengeilen“ Deutschkenntnisse.

Bei „Mother Superior“ tanzte ein älteres Pärchen direkt vor der Bühne einen Walzer und bei den schnelleren Stücken wie dem Titelsong von „Le Pop“ hüpften oder tanzten alle fröhlich mit. Es herrschte also ausgelassene Partystimmung – bis kurz vor Ende des Sets die Fanfare von „A Bar In Amsterdam“ erklang und Solveig auf der Bühne zusammenbrach und zu hyperventilieren begann. Sofort war eine Schar Helfer zu Stelle und das Konzert natürlich abgebrochen. Die anderen drei kamen später noch mal auf die Bühne bedankten sich höflich und erklärten, dass ihre Kollegin schon morgens etwas Fieber hatte. Die Hitze und das Trompetenspiel gab ihr dann wohl den Rest.

Ein etwas unglückliches Ende für ein ansonsten sehr unterhaltsamen Abend.



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