Pariser XXL zu verkaufen

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass es den Eiffelturm eigentlich gar nicht mehr geben dürfte? Das heutige Wahrzeichen von Paris sollte nur zu Werbezwecken für die 1889 stattfindende Weltausstellung dienen. Genehmigt war die Aufstellung nur für 20 Jahre und danach sollte das Metallgestänge wieder aus dem Stadtbild verschwinden. Da er sich durch die Eintrittsgelder aber als durchaus lohnend erwies, blieb er vorerst stehen.

Dennoch wurde die stählerne Bausubstanz mehr und mehr vernachlässigt. Rost und sich lösende Nieten zeigten sich. Trotzdem wurde die Standgenehmigung verlängert. Immer mehr, vor allem intellektuelle, Pariser Bürger empfanden den Turm als Schandfleck für ihre schöne Stadt. In den Zeitungen wurde bis nach dem ersten Weltkrieg viel über das Thema diskutiert. 


Einen dieser Artikel las der deutsche Viktor Lustig, aus gutem böhmischen Hause stammend und in Sprachen und Rhetorik bewandert. Er kam auf eine Idee, die sein Meisterstück der Hochstapelei werden sollte. Er lud 1925 sechs Pariser Schrotthändler in ein Edelhotel am Place de la Concorde ein und gab sich als führender Beamter des französischen Postministeriums aus. Sein Ziel: Der Verkauf des Eiffelturms.

Sehr überzeugend legte er dar, dass die Stadt vorhätte, den Turm abzureißen und den Schrott an den Meistbietenden zu verkaufen. Lustig pickte sich einen der Schrotthändler heraus, der ihm am leichtesten von diesem Schwindel überzeugbar schien, und traf sich mit ihm privat. An Korruption von Beamten gewöhnt, wunderte den Metallhändler das horrende Bestechungsgeld, das Lustig verlangte, überhaupt nicht.

Sofort nach Erhalt des Bakschisch gab Viktor Lustig Fersengeld nach Wien und wartete auf eine Zeitungsmeldung, die über seinen Coup berichtete. Doch die kam nicht, da die Sache dem Händler so peinlich war, dass er nicht zur Polizei ging. Deshalb versuchte der Hochstapler den gleichen Trick ein weiteres Mal, doch diesmal wurde der auserwählte Schrotthändler misstrauisch und zeigte den vermeintlichen Beamten an, der zuerst ins Gefängnis und danach in die Geschichte einging als der Mann, der den Eiffelturm verkaufte.

Heute kann man den Eiffelturm nicht mehr kaufen, meist nicht einmal kostenlos fotografieren. Während tagsüber jeder das Pariser Wahrzeichen aufnehmen darf, ist der nächtliche Anblick mit den tausenden Glühlampen rechtlich geschützt. Wer ein solches Foto veröffentlichen will, muss an die Betreibergesellschaft des Eiffelturms Gebühren entrichten.