Papstgucken von oben

Friederike Grasshoff

Als fudder-Redakteur Manuel gefragt hat, wollte uns die Bürogemeinschaft an der Mehlwaage keinen Platz am Fenster vermieten. Also haben wir fudder-Autorin Friederike vorbeigeschickt. Sie hatte einen Top-Ausblick auf den Papst - freundlicherweise ganz mietfrei.



Samstag Mittag, 13 Uhr. In den Räumen einer Bürogemeinschaft im dritten Stock eines Hauses an der Mehlwaage haben sich vier Generationen eingefunden, um den Papst aus nächster Nähe zu sehen. Alt und Jung lehnen sich aus den schrägen Dachfenstern, bemüht um den besten Blick nach unten. Denn in einer Dreiviertelstunde soll Papst Benedikt XVI. in seinem Papamobil über die Kaiser-Joseph-Straße fahren. Urgroßmutter Ruth (94, Bild unten links) und Großmutter Renate (60, Bild unten Mitte) nehmen den zweijährigen Julius auf den Schoß, er wedelt mit seinem weißen Papstfähnchen bis es ihm aus der Hand fällt.

Auf der Straße drängeln sich schaulustigen Papst-Fans. Es ist rappelvoll, das weiße Fahnenmeer wird von der warmen Septembersonne beschienen. Plötzlich wird die Polizei gegenüber auf das besiedelte Fenster aufmerksam, an dem Vater Mathias mit einem Arbeitskollegen ein Transparent anbringt. Feixend beäugen die beiden die Aufschrift FSM, die als Abkürzung für das Fliegende Spaghettimonster steht, die Gottheit einer in Amerika ins Leben gerufenen Religionsparodie. Dann stehen die Polizisten auch schon im Flur, überprüfen das Plakat, und ziehen jedoch schnell wohlwollend ab.



Die schwarzen Limousinen, die langsam von der Kaiserbrücke Richtung Martinstor fahren, kündigen den hohen Besuch an. Der Straßenschwarm atmet merklich ein, an den Fenstern im dritten Stock rückt man nah zusammen.

Und plötzlich wird der weiße Fleck am Straßenhorizont sichtbar und schleicht im Schritttempo am Friedrichsbau vorbei. Begeisterung liegt in der Luft. Und dann sieht man den Herrn in weiß tatsächlich, nur 15 Meter entfernt. Bevor man realisiert hat, dass nun wirklich das Oberhaupt der katholischen Kirche an einem vorbei fährt, ist der Papst auch schon wieder weg.

„Das war eher unspektakulär, so schnell vorbei, ganz ohne Ansage“, sagt Mathias und nimmt seinen Sohn in den Arm. Durch die Wartezeit am Fenster hat sich offenbar eine Erwartungshaltung aufgebaut, die ein kurzer Blick auf den Papst nicht stillen kann. Man packt die Sachen zusammen. Das Spaghettimonster-Poster bleibt hängen.

Papstbesuch in Freiburg: Der Papst fährt über die KaJo

Quelle: YouTube
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