PaperC: Bibliothek für zu Hause

Max Orlich

Die Bücher, die man braucht, sind in der Bibliothek meist verliehen. Wenn man sie bekommt, hat man schwer zu schleppen; Kopieren ist zeitaufwändig, Kaufen teuer. Wie kommt man nun als Student an die benötigte Fachliteratur? Seit einiger Zeit bietet PaperC unter Umständen eine Alternative.



Kostenlos und ganz legal Bücher zur Lektüre zur Verfügung zu stellen – das ist das erklärte Ziel der PaperC-Gründer Felix Hofmann, Lukas Rieder und Martin Fröhlich aus Leipzig. Und dafür konnten sie nach anfänglichen Schwierigkeiten mittlerweile immerhin knapp zwanzig Fachbuchverlage gewinnen – Tendenz steigend. Auch bei den User-Zahlen: Seit Frühjahr 2009 gibt es PaperC erst und mittlerweile wird es von knapp 100 000 Personen benutzt.




Das Ziel ist so simpel wie ehrgeizig: Weltmarktführer beim Onlinezugang zu Fachbüchern zu werden. Die Chancen stehen nicht schlecht: Die Auszeichnung als Start-up des Jahres haben die Drei schon in der Tasche, genau wie eine sechsstellige Summe des neuen Inverstors Technologiegründerfonds Sachsen. Damit soll die Liste der bislang beteiligten Verlage, die bereits de Gruyter, Hanser, Springer und UVK umfasst, um weitere Größen der Branche erweitert werden.

Warum stellen sich die Verlage nicht quer? Was versprechen sie sich von einer Veröffentlichung über PaperC? Ganz einfach: Geld beziehungsweise die Eindämmung des umsatzschwachen analogen und des gänzlich umsatzlosen digitalen Kopierens von Büchern. Denn das Einzige, was man bei PaperC umsonst bekommt, ist die Möglichkeit der Lektüre am Bildschirm. Für alles andere – Ausdrucken, Notizen, Verwaltung der Bücher – muss man die jeweilige Seite für 10 Cent kaufen.



Was bietet PaperC im Einzelnen? Nach der Registrierung hat man Zugriff auf gut 1500 Bücher aus verschiedensten Fachgebieten wie Jura, Medizin, Geistes- und Sozialwissenschaften. Der Schwerpunkt liegt momentan aber bei den Wirtschaftswissenschaften. Mit 1500 Büchern aus diversen Fächern ist PaperC derzeit jedoch noch schlechter ausgestattet als der bücher- und klischeebeladene Soziologiestudent im 26. Semester.

Die weiteren Features, die PaperC dem zahlenden Nutzer bietet, versuchen die Vorteile des digitalen Buchs mit denen des klassischen Buchs oder der Kopie zu verbinden. So findet man eine Notiz- und Kommentarfunktion oder auch die Möglichkeit, Zitate zu sammeln und in den eigenen Text einzubinden.

Man kann Bücher bookmarken und sich so eine virtuelle Bibliothek anlegen. Bei der Suchfunktion jedoch fällt PaperC weit hinter jede Bibliothek zurück: Eine reine Freitextsuche ist bereits bei 1500 Büchern kaum ausreichend – und auch die Verschlagwortung der Texte muss noch verbessert werden. Dann wäre auch eine zusätzliche, möglichst nach Fachbereichen sortierte „Stöbern“-Funktion interessant. Anstelle der üblichen Verlinkungsmöglichkeit mit Facebook oder Twitter wäre in diesem Fall eine Anbindung an gängige Bibliografieprogramme wie Citavi oder BibTeX sinnvoller gewesen.

Insgesamt ist PaperC eine prima Idee, auch wenn es an der Benutzerführung noch einiges auszusetzen gibt. Aber das sind eher Kleinigkeiten. Was PaperC jedoch unbedingt braucht, sind mehr Bücher. Viel mehr Bücher. Dann steht dem entspannten Gang in den virtuellen Lesesaal und Copyshop in Zukunft nichts mehr im Weg.

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