Papa bloggt

Adrian Hoffmann

Man sollte Kinder früh an die neue Welt gewöhnen. Sven Jansen, 30-jähriger Webentwickler aus Schallstadt, legt viel Wert darauf, dass seine kleine Tochter Maya möglichst schnell mit dem Internet in Berührung kommt. Er macht ein Papa Blog - und jetzt hat er sogar das erste Maya-Video-Podcast veröffentlicht. Ein Interview:



Wie kommt man darauf, ein Papa Blog zu machen?

Sven Jansen: In meinem Beruf und auch einem Großteil meiner Freizeit dreht sich alles um Internet. Blogs dienen mir schon lange als Quelle für Tipps, Tricks, News und zur täglichen Belustigung. Im Mai 2005 habe ich mir dann endlich die Zeit genommen, mein eigenes Blog aufzusetzen. Der Hauptgrund waren die zahlreichen Beschwerden Verwandter und Bekannter, dass ich immer erst Monate später E-Mails beantwortete, wenn überhaupt. Da ich allen Leuten die gleichen Updates aus meinem Leben schrieb, bot sich das Blog als zentrale Verteilerstelle an. :-)

Ein Tagebuch über die Fortschritte meiner Tochter Maya bot sich also an, um die Verwandten milde zu stimmen. Ich möchte ihre ersten Jahre für sie und ihre Kinder konservieren. Aus meiner Kindheit gibt es nicht all zu viele Fotos. Ton-, geschweige denn Videomaterial und niedergeschriebene Erlebnisse existieren gar nicht. Außerdem dient mir das Blog zum Erfahrungsaustausch mit anderen Blogger-Papas und Mamas.

Worüber schreibst du im Netz?

Gadgets/Technik Gimmicks, Ereignisse, die mich bewegen; kuriose Web-Fundstücke, Computer und Programmier-Tipps, Erlebtes und Vergangenes. Und natürlich über das aufregende Leben als Familien-Papa.

Wer liest die Beiträge? Papas oder eher Freunde?

Bunt gemischt. Mein Freundeskreis, Familie, viele Papa- und Mama-Blogger. Da hat sich eine richtige, kleine Szene gebildet. Den großen Leseranteil machen aber User aus, die über Suchmaschinen auf mich aufmerksam geworden sind.



Wie viele Beiträge schreibst du dazu?

Ich bin inzwischen bei Eintrag Nr. 315 angelangt, wobei sich die Beiträge auf die Kategorien "Technik die begeistert", "Papa-Blog" und "Drüber gelacht" verteilen. In Zukunft wird wohl das Papa-Blog einen größeren Stellenwert einnehmen.

Wie wählst du die Themen aus?

Das ist unterschiedlich. Manchmal sehe ich etwas im Netz, unterbreche meine Arbeit und schreibe sofort darüber. Für das Papa-Blog sammle ich meistens über die Woche die aktuellen Ereignisse. Für die Artikel im Technik-Bereich nehme ich mir recht viel Zeit, da ich das Bedürfnis habe, der Internet-Community durch interessante Inhalte etwas zurückzugeben. Auch ich profitiere ja immer davon, in einem Blog Hinweise auf neue Entwicklungen und Problemlösungen zu finden.



Wie willst du das später deinem Kind erklären?

Ich glaube gar nicht, dass dies notwendig sein wird. Meine Tochter wächst in einer Internet-Familie auf. Vor ein paar Tagen hat sie bereits begeistert mit ihren Patschehändchen auf die Tastatur gehämmert. Ganz der Papa.

Ich werde keine Peinlichkeiten veröffentlichen, für die sie später in der Schule gehänselt werden könnte. Es sei denn, sie ärgert mich mal so richtig. Dann habe ich da noch dieses fiese Foto von ihr hier rumliegen. Auf dem schielt sie so abartig, dass wir jedesmal wieder vor Lachen auf dem Boden liegen.

Warum präsentierst du es so in der Öffentlichkeit?

Der Hauptgrund ist ja, die Verwandten und Bekannten zu informieren. Mir ist es allerdings auch wichtig, Feedback zu bekommen. Ich möchte mich mit anderen Eltern austauschen, ohne gleich in ein Eltern-Forum schreiben zu müssen, in dem pro Minute zwei neue Beiträge erscheinen. Das tägliche Lesen der befreundeten Eltern Blogs ist quasi die Onlineversion der örtlichen Krabbelgruppe. Vor zwei Wochen ist mein bester Freund ebenfalls Papa geworden. So haben wir jetzt die Möglichkeit, uns ständig up to date zu halten, ohne lange Emails und Telefonate.

Ist das Vaterstolz?

Sicher spielt das auch eine große Rolle. Natürlich möchte man der tollste Papa sein und ich bin stolz darauf, auch die schwierigen Zeiten so gut zu meistern. Das Blog hilft, sie zu verarbeiten.

Was ist mit deiner Intimsphäre und der deines Kindes?

Ich würde nie etwas veröffentlichen, das ich nicht auch meinem Nachbar erzählen würde.

Wie kommt das Papa Blog bei der Mama an?

So gut, dass Judith mich inzwischen durch eigene Artikel in ihrer Kategorie "Mama-Blog” unterstützt.



Wie kommt das Papa Blog bei den Usern an?

Auch sehr gut. Ich bekomme eine Menge positives Feedback und die Zugriffszahlen steigen monatlich.

Offenbar gibt es Nachahmer: Leanders Blog?

Ich glaube nicht, dass ich hier Vorbild oder gar Vorreiter bin, denn bloggende Eltern gibt es wohl schon länger. Auch wenn sie erst jetzt durch die hohe Popularität von Blogs häufiger aufzufinden sind. Ich glaube nicht, dass Blogs nur ein kurzzeitiger Trend des Web 2.0 sind. Ich bin mir sicher, dass viele der jetzigen Eltern-Blogger auch in Zukunft weiter schreiben werden. Für meine Tochter wünsche ich mir, dass sie genauso viel Spaß am Schreiben haben wird wie ich.

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