Panini-Tauschbörse: Wollen wir tauschen?

Meike Riebau

Stellt euch vor, ihr hättet aus Versehen eine Bombe gezündet. Weil ihr über das Zündkabel gestolpert seid. Und dabei das Münster in die Luft gesprengt. Und während sich die ersten Splitter legen, seht ihr, wie sich schon alle versammeln und anklagend mit dem Finger auf euch zeigen: “Sie war's!”

So habe ich mich gestern gefühlt. Der Anlass: Ich habe mich mit den absoluten Panini-Sammelcracks im Tacheles getroffen und dabei ein Glas Bier umgestoßen. Und wie das mit Kettenreaktionen so ist, hat es das Sammelalbum von Falko Seeger (34) getroffen. Besser gesagt: zwei Seiten ? ausgerechnet die mit der brasilianischen Mannschaft. Betroffenes Schweigen machte sich breit. Falko Seeger war gerade nicht an seinem Platz und wurde eilends herbeigeholt, um den Schauplatz des Verbrechens zu besichtigen. Er schluckte einmal. Schluckte ein zweites Mal. Und erteilte mir Absolution. Auf den Gesichtern der anderen Sammler erkannte ich, dass SIE mich nicht so glimpflich hätten davon kommen lassen. An dieser Stelle nochmal: Es tut mir wirklich sehr leid, Falko!


Aber jetzt mal von Anfang an. Diejenigen, die vielleicht noch nicht vom allgemein grassierenden WM-Virus betroffen sind, werden sich nämlich wahrscheinlich die ganze Zeit schon fragen: “Panini-was? Ist das nicht etwas zu essen?”. Panini-Bildchen, das sind diese kleinen Sticker, die zu jeder Fussball-WM (und mittlerweile auch jeder EM) herausgebracht werden, mit den Bildern sämtlicher Spieler aller Mannschaften die bei der WM zugelassen sind. Dazu noch ein paar Sonderbilder: der Pokal oder die Mannschaftsembleme: Insgesamt etwa 600 Bilder.

Ursprünglich wurden diese Bilder für kleine Jungs gemacht, auf dem Nachhauseweg von der Schule am Kiosk gekauft und auf dem Schulhof getauscht. Aber, wie das oft mit Sachen ist, die eigentlich für kleine Jungs gemacht werden, interessieren sich besonders die großen Jungs (und Mädels) dafür.

Auch in Freiburg gibt es eine Panini- Sammelbildergemeinde, und die hat sich am Donnerstag zum zweiten Mal zu einer großen Tauschbörse im Tacheles getroffen. Etwa 25 Stickeralbenfans trafen sich, gingen ihre Listen durch, und die überzähligen Karten der anderen. Es herrschte ein konzentrierte Atmosphäre, den es ging schließlich um eine ernste Sache. Mir fehlen noch etwa 100 Bilder, erzählt der Geschichtsstudent Benedikt Budde (Foto oben, links), während er die überzähligen Bilder seines Nebenmannes durchgeht.

"Ich sammle seit der WM von 1990 so richtig, damals haben mir noch 6 Bilder gefehlt", erzählt der 25-Jährige. Damals habe er noch mit Füller sämtliche Spielergebnisse eingetragen, aber davon ist er mittlerweile abgekommen, “das sieht total doof aus”, findet er heute.

Was bei Benedikt anklingt, haben einige andere zum Kult erhoben: Die Sammelhefte sind für sie heilig, und werden sorgsam an Orten aufbewahrt, an denen ihnen nichts passieren kann (Damit eben kein Bier über sie geschüttet werden kann, s.o.). Viele bringen die Sammelhefte gar nicht erst mit zur Tauschbörse, sonderrn haben eine Liste mit den Nummern der fehlenden und der doppelten Bilder dabei.

Wie es sich für wahre Fußballfans gehört, hat die eigene Mannschaft natürlich Priorität, “die möchte man unbedingt voll haben”, so der Event-Manager Falko Seeger. 1990 fehlten ihm noch sechs Karten. Diese hat er sich dann sogar bei Panini nachbestellt, aber sie kamen nie an.

Genau darin liegt die Krux: Angeblich werden zwar alle Bilder gleich oft produziert, aber trotzdem sind manche Spieler unheimlich selten und haben demensprechend einen höhren Wert als andere. Heutzutage würde Falko sich aber keine Bilder mehr bestellen, "das ist blöd und gehört sich auch nicht". Der Sammel-und Jagd-Faktor steht also eindeutig im Vordergrund, aber nicht nur: Rebecca Böhler klebt einfach gerne “Ich mag auch den Klebstoffgeruch”. Ihr Vorschlag, um die Bilder gerade bei Frauen noch beliebter zu machen: Die Bilder nach “herben Männerschweiß” duften zu lassen.



Sobald das Heft voll ist, guck ich es mir auch gar nicht mehr richtig an”, sagt Benedikt Budde. Dann ist die Panini-Saison für ihn also bald vorbei: Die Ausbeute war gut und sein Heft weist nur noch ganz wenige Lücken auf. Wie bei jedem echten Süchtigen macht sich bei ihm jetzt aber auch schon Panik breit: Das Ende des Rauschs ist abzusehen. Aber Geduld, Benedikt, die nächste WM kommt bestimmt.

Was: Panini-Tauschbörse
Wann:
jeden Donnerstag, 19 Uhr
Wo:
Tacheles (Grünwälderstraße 17)

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