Panama Riddim Section: Schwäbische Musiktherapeuten

Anselm Müller

Nichts weniger als eine Freiburger Ehrenbürgerschaft haben die Jungs der Panama Riddim Section nach ihrem Gig am Freitag verdient. Das findet zumindest Rezensent Anselm. Warum ihn die Crew trotz äußerst widriger Rezensionsverhältnissen Anselm überzeugt haben, lest ihr hier.



Das Spiegelzelt kochte zum Schluss. Wobei Schluss? Schon um 23 Uhr hatte die Panama Riddim Section ihren letzten Song angekündigt, der endgültige Schluss war mehr als eine halbe Stunde später. Danach huschten Scharen von vollkommen naßgeschwitzen und euphorisierten Menschen aus dem Spiegelzelt und erfreuten sich der kühlen Abendluft. Waren sie doch gerade über zwei Stunden fast pausenlos gehüpft, hatten die Hände geschwenkt oder als Chor, die Ansagen von Sänger Sebastian aka DonSeb gesungen.


Obwohl auch ich zum Schluss vollkommen berauscht aus dem Zelt trat, hätte das Konzert für eine Rezension nicht unter schlechteren Sterne stehen können... Auf die Minute genau, kam ich total gestresst zum Konzert. Schlechte Laune hatte ich kiloweise mit mir in das Zelt getragen - wobei die erfolglose Aktionen noch eine zusätzliche Karte für das Konzert zu besorgen noch das geringste Übel war. Mein journalistisches Urteilsvermögen war mehr als negativ eingestellt. Trotzdem schafften es die Exilbadener aus Sulz im Neckartal, diese für sie doch widrigen Umstände, meiner äußerst missmutigen Stimmungen, zu ihrem Vorteil zu nutzen und mich vollkommen von ihrem musikalischen Können zu überzeugen.

Schon der Opener des Konzert, lässt das halbe Zelt die Tanzbeine schwingen und wild rumhüpfen. Dabei spielten Marcus (Trompete) und DonSeb (Saxophon und Gesang) nur ein Instrumentalintro. Doch die Wucht mit welcher die beiden ihre Instrumente traktieren, ließ erkennen, dass dieses Konzert ein einziger Powermusikmarathon werden könnte. Ich sollte mich mit dieser Einschätzung nicht täuschen.

Selbst Damen, die die vierzig schon etwas länger hinter sich gelassen hatten, standen spätestens beim Eddy Grant-Cover "I don`t like Reggae" auf den Sitzen des Spiegelzelts. Nein, nicht die jugendlichen, sondern die doch zahlreich erschienen älteren Zuschauer tanzten - ihrem Alter angemessen - fast noch wilder. Dass sie nicht auch Stage-Diving betrieben, war wohl nur ihrem fortgeschrittenen Alter zuzuschreiben.

Ein ums andere Mal beschlichen mich, der sich selbst nach dem dritten Song vollkommen durchgeschwitzt im Gewühl aufhielt und allen Ärger vergessen hatte, doch Bedenken. Hatte ich doch schon einige Konzerte im Spiegelzelt miterlebt, doch der Boden vibrierte selten so stark wie am Freitagabend. "Oh möge das Zelt halten", rief ich alle mir bekannten Götter des Tanzes und des Rausches an.

Wie aber schaffte die Band es, dass das Spiegelzelt es wunderbar mit einer finnischen Sauna hätte aufnehmen können? Nun, für mich waren hierfür zweierlei Dinge entscheidend. Die ska- und bläserlastigen Einsprengsel in den Ragga- und Reggae-Sound der Schwaben sowie ein unbändiger Wille das Publikum zu unterhalten und eine unbändige Lust am Spielen.

Eines der höchsten Lobe, die ein Badner Schwaben aussprechen kann, ist, dass er sich freut, dass sie in "seinen" Gefilden wohnen. Gemäß diesem Statut:

"Danke, Panama Riddim Section, ihr seid ab sofort in Baden Ehrenbürger. Weiter so, ich freue mich schon auf die nächste schweißtreibende Begegnung.

Bis dahin möge Jah Euch weiter erleuchten und inspirieren.

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[Bild: (c) Panama Riddim Section - Action-Zelt Gig '2007]