PackRad: Velo als Schwertransporter

Dominik Schmidt

Liegeräder, Rikschas, Holzräder, Tandems – alles schon gesehen in Freiburgs Fahrradlandschaft. Seit März dieses Jahres ist ein Hingucker hinzugekommen: das Packrad. Als erster Händler in der Umgebung verkauft der Denzlinger Dominik Rombach die dänischen BULLIT-Räder. Ein Leckerbissen für Velo-Fanatiker. Aber ob sich das teure Gefährt durchsetzen wird?



„Schon mal darüber nachgedacht?“, diese Frage eröffnet als Überschrift samt Foto eines Lastenfahrrads die Website der Ein-Mann-Firma PackRad. Die meisten dürften das verneinen. Eine Waschmaschine auf dem Fahrrad transportieren, darüber denkt man nicht nach. Für was gibt es denn Autos? Die Frage bekommt Dominik Rombach (30) regelmäßig zu hören, dennoch reagiert er gelassen. Er hat sich daran gewöhnt, Überzeugungsarbeit leisten zu müssen.


„Mir geht es nicht darum, für eine ökologischere Welt zu kämpfen und Autos von der Straße zu verbannen.“ Als er vergangenes Jahr die Dänen Larry und Harry auf einer Fachmesse traf, erschienen ihm die Packräder als Lücke im deutschen Fahrradangebot. „Es hat was mit Lifestyle zu tun und das nötige Kleingeld braucht man dafür natürlich auch.“

Völlig normal seien Transporträder auf den Straßen Dänemarks oder der Niederlande. In der Regel sind das schwere Drei-Gang-Räder – nicht gerade sportlich – mit Kiste vorne drauf. Die Erfinder der sogenannten Bullits, Harry und Larry, wollten etwas Sportliches, Schnelleres. Die beiden Fahrradkuriere wollten nicht nur Briefe, sondern auch Pakete transportieren. Es musste etwas Robustes mit Ladefläche her – geboren waren die Bullits, zu Deutsch Packräder.



Ein Packesel ist das Packrad sicher nicht. Fährt man unbeladen, fühlt es sich überraschend leicht an. Nach vorn gebeugte Sitzpostion, ein sportlicher Sattel und das geringe Eigengewicht sind Teil des Konzepts. Ungewohnt fühlt sich die lange Übersetzung der Lenkbewegungen an. Durch die lange Lenkstange gibt es eine Verzögerung. Auch bei schwerer Ladung über 60 Kilo wird die Fahrt im Stadtverkehr bei Stop and Go mühsam.

„Eigentlich ist es ein ganz normales Fahrrad“, beschreibt Rombach die rund 2000 Euro teuren Gefährte. Wenigstens bis zum Lenker. Wo bei einem normalen Fahrrad der Vorderreifen sitzt, haben die Bullits einen speziell angefertigten Rahmen und eine extra lange Lenkstange.



Rund 100 Kilo an Zuladung verkraften die Packräder bei einem Eigengewicht von 22 Kilo. Ab Werk ist der Aufbau spartanisch. Nur eine Ladefläche mit Befestigungsmöglichkeiten. Rombach war das nicht genug: "Eigentlich baue ich auf Kundenwunsch alles auf oder ein. Ob Holzbox, abschliessbarer Aluminiumkasten oder Kindersitz."

Als einziger Händler in Freiburg und weiträumiger Umgebung konnte Rombach, seit er die Firma "Packrad" im März gründete, zehn Stück verkaufen. Auch von einem Hamburger bekam er bereits einen Auftrag: "Er bestellte das schwarze Modell und wollte alle möglichen Teile in Gold haben. Schaltung und Bremsen mussten die neuste Technik aus dem Mountainbike Sport enthalten. Da kostete das Rad schnell 3.400 Euro."



Da Rombach sein Haupteinkommen in einem Fahrradladen in der Wiehre verdient, kennt er die typischen Freiburger Kunden. "Die meisten wollen Schrottkisten kaufen. So billig wie möglich. Einfach, weil in Freiburg viel geklaut wird und das Rad nur fahren muss. Gefühlte 25 Prozent sind aber Kunden, die Qualität kaufen wollen." Und genau diese Kunden bleiben wenigstens kurz stehen, wenn sie an dem auffälligen Packrad vor dem Geschäft vorbeigehen.

Rombach jedenfalls hofft auf nordische Verhältnisse. "Gerade in Freiburg könnte sich dafür ein Trend entwickeln", mutmaßt er.

Website: PackRad
Was: PackRad Shop
Wann
: nach Vereinbarung
Wo: Schwarzwaldstr. 29, 79211 Denzlingen
Telefon: 0151 55757380
E-Mail: info@packrad.de

Mehr dazu: