Otto Normal aus Freiburg stehen kurz vor dem Durchbruch

Gina Kutkat

Die Freiburger Band "Otto Normal" will weg von ihrem Party-Image. fudder-Autorin Gina Kutkat portraitiert die sechs Jungs, auf die keine Genre je so richtig passen wollte. Was "Otto Normal" als nächstes vorhaben und wie ihnen der Durchbruch gelingt:



Sie haben Spaß. Das ist der erste Eindruck. Nicht die musikalische Diversität. Nicht die Arbeit, die in den Songs und Videos steckt. Nicht die Zeit, die sie investiert haben. Nicht das Geld, das sie aufgebracht haben. Otto Normal ist eine Band, die liebt, was sie macht. Und die alles andere als normal ist.


In Spitter, ihrem Musikvideo, in dem sechs Monate Planung, 60 Protagonisten, 600 Farbbomben und 600 Stunden Rückwärts-Rap-Training stecken, zeigt sich der Spaß komprimiert auf drei Minuten. Das Video wurde in einem Shot und obendrein noch rückwärts gedreht: Man sieht Stewardessen, einen Mann im Darth-Vader-Kostüm, Frauen, die rückwärts tanzen und Sänger Peter Stöcklin, der rückwärts rappt. "Viel zu wenig Aufmerksamkeit für viel zu viel Wahnsinn! Fett!", "Yeah" oder "Hitpotential" steht in den Kommentaren unter dem Youtube-Video.

Arbeitstiere statt Lotterleben

Neben dem Spaß und dem Wahnsinn und der Partystimmung, die Otto Normal ausstrahlt, gibt es noch eine weitere, vielleicht wichtigere Seite der Band: Die Musiker von Otto Normal sind richtige Arbeitstiere. Und zwar solche von der enthusiastischen Sorte. Unermüdlich und immer mit einem Ziel vor Augen: Dem Ziel, richtig berühmt zu werden und die großen Bühnen, gar Stadien zu bespielen. Dafür touren und ackern sie sich seit fünf Jahren durch die Musikwelt. "Wir haben aus jeder Steckdose gespielt", sagt Peter Stöcklin, Sänger, Rapper und Mastermind von Otto Normal. Zeit für Privatleben bleibt ihnen kaum. Sie leben für die Musik. Doch weil sie auf der Bühne für so viel Stimmung sorgen, denken alle, sie führten ein Lotterleben. Tun sie aber nicht.

Stöcklin sitzt an einem langen Holztisch im Vorraum zum Band-Studio in der Wiehre. Überall stehen Requisiten rum, es riecht nach Kaffee und Zigaretten. So stellt man sich eher eine Studenten-WG vor. Der 32-Jährige hat das Macbook aufgeklappt. Alle paar Minuten wird er von dem Facebook-Ton unterbrochen, der signalisiert, dass eine Nachricht eingetrudelt ist. Sein Handy klingelt, es ist das Management. Dann klingelt es erneut, es ist eine befreundete Musikerin. Stöcklin checkt gleichzeitig Facebook, kocht Kaffee und spricht über Finanzen. "Als Musiker muss man ein Allrounder sein", sagt er, "sonst macht man keinen Schritt nach vorne."

Kein Genre passte so richtig

Den Schritt nach vorne hat seine Band längst getan. Die Bandbiografie liest sich wie eine Erfolgsstory – mit Luft nach oben. Im Oktober 2010 schließen sich sechs Freiburger Musiker zu Otto Normal zusammen. Es herrscht musikalische Diversität: Funk, A-Capella, Rock, Jazz, Pop und Hiphop sind nur einige der Einflüsse. "Unser Bassist Emanuel Teschke stand früher auf die Red Hot Chili Peppers", sagt Stöcklin. Schlagzeuger Anthony Greminger gilt bandintern als Popschlampe: "Er mag Katy Perry." Peter Stöcklin freestylt seit er 14 ist – er war früher Mitglied der Freiburger HipHop-Band bih’tnik. Der Facettenreichtum hat nur einen Nachteil: Für die Band ein Genre zu finden ist quasi unmöglich. Sie haben es mit Pyro-Pop, Popmusik plus Rapper und Disko-Hiphop-Band versucht. Nichts passte so richtig.

Seit 2012 steht die Band bei Reposit Records aus Karlsruhe unter Vertrag. Sie haben ein Management und eine Booking-Agentur, die ihnen Konzerte in ganz Deutschland bucht. Sie spielen Gig für Gig, sind ununterbrochen unterwegs. 2014 geht es richtig nach vorne. Sie geben mehr als 70 Konzerte, fahren 30.000 Kilometer, bringen ihr Album "Der neue Wahnsinn" heraus, drehen Videos und schreiben Songs. 2015 geht rasant weiter: Im März treten sie in der Pro-Sieben-Show Circus Halli-Galli auf – die Sendung von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf hat ein Millionenpublikum. Außerdem spielen sie ein Akustik-Konzert in Basel, das auf Schallplatte in limitierter Auflage erschienen ist. Was wohl als Nächstes kommt?

Die Band als kleines Unternehmen

"Die Daumenschrauben werden jetzt angezogen", sagt Stöcklin. Für den Sommer stehen viele Festivals an, "da muss man geil sein." Sich einen faulen Lenz zu machen, das kommt für ihn nicht in Frage. Gerade hat er die 60-seitige Steuererklärung der Band fertig gemacht. In einem Ordner ("Top Secret") auf seinem Macbook behält er den Überblick über die Finanzen. Er weiß genau, was seine Band 2014 eingenommen und ausgegeben hat.

"Zum Glück sind wir aus dem Stadium raus, in dem wir für jeden Gig noch Geld draufgelegt haben." Um die Band nach vorne zu bringen, haben sich die Mitglieder verschuldet, jeder hat viel Geld und Zeit investiert. Sie gründeten eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts und haben eine eigene Band-Bankkarte. Die Band als kleines Unternehmen – vielleicht geht es heute nur noch so. Von nichts kommt eben nichts.

In der Zukunft stehen Veränderungen an. Die Band will weg vom Partyimage, hin zu einer einheitlichen Handschrift. "Es ist alles schön und gut, doch es soll ernsthafter werden." Die Unsortiertheit der ersten beiden Alben wollen sie ablegen. "Für das nächste Album suchen wir nach einem roten Faden." Und wenn sie den gefunden haben, könnte das mit den großen Stadien endlich klappen.



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[Foto: pr]