Ostern ist das bessere Fest

fudder-Redaktion

Ja, das ist so. Meike, Caro und Adrian schreiben hier, warum. Es sind vielleicht für Außenstehende vordergründig ganz banale Dinge, die Ostern von Weihnachten unterscheiden, aber für uns ganz persönlich sind das die ausschlaggebenden Gründe dafür, warum Ostern einfach das bessere Fest ist:

Meikes fünf Gründe:1. Klassiker in der GlotzeOstern ist das schönere Fest, weil Das Fernsehprogramm besser ist. Horst Köhler hält keine Ansprache und wir müssen uns nicht schon wieder den Grinch antun. Stattdessen laufen alte Klassiker wie “Ben Hur” und James Bond? dazu eine große Couch und ungesundes Essen: perfekt.2. Kein LeuchtschmuckDie Geschmackauswüchse der Nachbarn halten sich in Grenzen. Pastellfarbene Ostereier sind ja doch dezenter als blinkende Rentiere im Vorgarten oder 100.000-Watt-Leucht-Pyramiden im Fenster. Gerade den umweltfreundlichen Freiburgern dürfte das zusagen.

3. Blühende KirschbäumeEs macht doch einfach mehr Spaß, die Geschenke zu suchen, als bloß faul unterm Baum zu hocken und Geschenkpapier abzureißen. Und in den Läden läuft keine schreckliche Dudel-Musik à la Jingel Bells. Und dann die vielen Blumen. Ja, ja, der Tannenbaum hat das ganze Jahr über grüne Blätter, aber was ist das schon, verglichen mit blühenden Kirsch- und Apfelbäumen, Krokussen und Narzissen? 4. Mehr EntspannungAlle sind entspannter. Und falls mal wieder dicke Luft aufkommt ? wegen Tante Rosis Erbschaft, Onkel Bernhards Seitensprung, Omas nicht gelungener Torte ? dann geht man einfach vor die Tür und macht einen Spaziergang. Und kehr nicht als Eiszapfen zurück, sondern gut gelaunt.

5. Das FrühstückDas Osterfrühstück. Das Frühstück ist eh die wichtigste Mahlzeit des Tages. Und viel besser als Fondue oder Raclette. Wie heißt es noch: Morgens wie König, mittags wie ein Edelmann, abends wie ein Bettler? Genau.Adrians fünf Gründe:1. Erholsame LangeweileSo etwas wie Stress gibt es zwischen Karfreitag und Ostermontag nicht. Bei Strenggläubigen wahrscheinlich schon, aber bei Familien, die leben wie meine, ist ein gemeinsamer Spaziergang geplant, an einem der vier Tage, jedes Jahr an einem anderen ? und das war es dann auch schon. Dieses terminlose Verweilen, es ist so wunderschön. Die vier Tage sind ein einziges Gefaulenze auf dem Sofa, vom Frühstück an bis zum mittäglichen Kaffeekränzchen.

2. Mit den Brüdern spielenMal wieder zusammen kicken, Schach spielen, vor dem Computer sitzen und zocken, ja, das ist Lebensqualität. In diesen Momenten merke ich immer, was ich eigentlich viel öfter machen sollte. Spielen, SPIELEN! An Weihnachten ist das niemals in dieser Vielfalt und Intensität möglich, es sind zu viele verplante Stunden dazwischen, verschenkte, vergeudete Brav-am-Tisch-sitze-Stunden, und für Freunde bleibt schon gar keine Zeit mehr übrig.

3. Heimat fühlenDas geht ganz einfach: Schuhe anziehen, bei gutem Wetter keinen dicken Pulli mitnehmen, und alle Pfade ablaufen, die man von alten Tagen her kennt ? wichtig: allein. Es gibt so viele Erinnerungen zu finden, in den heimischen Wäldern kann man sie genau sehen, man kann sie sogar riechen. Manchmal fühle ich mich wie ein Mann, der die 60 überschritten hat, geht es mir doch tatsächlich um Erinnerungen. Aber ich mag diesen Bach, durch den ich noch vor zehn Jahren mit dem Nachbarshund umhergewatet bin. Und ich muss da einmal im Jahr hin.

4. Pizza essenDas ist auch wieder so eine Sache: An Weihnachten kann ich nicht in die örtliche Kebabstube gehen, in die ich so gerne gehe, sonst ist die Mutter sauer. Logisch, sie gibt sich ja so viel Mühe mit dem Festtagsessen. An Ostern ist das etwas anderes und ich kann die Billigpizza beim Türken reinwürgen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Außerdem gibt es an Ostern viel mehr Schokolade, an Weihnachten dagegen nur diese trockenen Plätzchen.

5. Der Monolog des OnkelsAn Weihnachten kommt er nicht zu Wort, es sind zu viele Bekannte da. An Ostern kommen nur wenige, und er ist einer der Stammgäste: mein Onkel. Wenn er mal loslegt mit der Rede über seine Aktiendeals, findet er kein Ende mehr. Es geht dann um Salami-Taktiken und solche Sache, ich verstehe nichts davon. Aber es macht wahnsinnig Spaß, ihn mit seinen bisherigen Verlusten zu ärgern. Er gehört zu den Typen, die nie verkaufen, wenn sie mal im Plus sind ? und an Ostern kann man diese Geldangelegenheiten ausführlichst besprechen.

Caros fünf Gründe:1. Die beste liturgische ShowDas höchste christliche Fest hat verdienterweise auch die beste liturgische 'Show', und das meine ich vollkommen unzynisch. Schon mal in der Osternachtsmesse im Münster gewesen? Das ist dank der Architektur des Münsters und der Symbolik der Osternachtsliturgie ein so schönes Erlebnis, dass es einen nicht nur zu Tränen rühren, sondern auch tatsächlich ein wenig bekehren kann.

2. MonumentalfilmeKarfreitag ist traditionell der Fernsehtag mit den mehrstündigen Monumentalfilme aus den 50ern. - Ein zu Unrecht an allen anderen 364 Tagen des Jahres von den Fernsehsendern sträflich vernachlässigtes Filmgenre. Frühe Hollywoodgrößen in Leinentoga? Historisch durch und durch fehlerhafte Material- und Ausstattungsschlachten? Fragwürdige, oberflächlich-religiöse Themen? Extreme Emotionen? Ungewollte Komik? Legendäre Szenen mit unvorhergesehenen Untertönen, wie die wunderbare homoerotische Waschszene mit Crassus und Antonius aus Spartakus? Aber gerne doch! Immer her damit. Ben Hur! Spartakus! Die zehn Gebote! Kleopatra![Dieses Jahr gibt es an Karfreitag im ZDF 5 ¾ Stunden Monumentalfilm, non-stop und ohne Werbung. Um 13:30 Uhr - Das Gewand (1953) - Ein römischer Tribun überwacht die Kreuzigung Christi und beginnt an Gott zu glauben. ? und um 15:35 Uhr Ben Hur (1959), Ein römischer Offizier verurteilt seinen Jugendfreund unschuldig zu lebenslanger Galeerenhaft.]

3. Lindt HasenKein Schokoweihnachtsmann ist so understated, elegant und lecker wie ein Lindt Schokohase. Für die Unwissenden: Das sind die Goldenen. Die mit den Glöckchen. Der Werbespot in dem die etwas bizarren Lindt Schokoladenmacher dem Hasen 'sein goldenes Mäntelchen' anziehen und am Ende aus einer blauen Samtschachtel das rote Glöckchen rausholen und ihm umlegen: herzzerreißend wunderbar. Ich freu mich jedes Jahr wieder drüber. Und über die Hasen auch, natürlich.

4. Keine GeschenkeAn Ostern gibt es in meiner Familie - von Schokolade und Zucker in allen Formen einmal abgesehen - keine Geschenke, und das ist auch gut so. Zum einen spart es einem den Stress, sich für Menschen die man kaum kennt, wie dem neuen Freund der Cousine, die man nur einmal im Jahr sieht, Geschenke überlegen zu müssen, zum anderen muss man auch nicht krampfhaft Dankbarkeit vorheucheln für Geschenke die man hasst. Ich habe wertvolle Stunden meines Lebens damit verschwendet, an Weihnachten Freude über trashigen Goldschmuck, Bro'sis Singles, Keith Haring Wandkalender, stinkende Badezusätze und bedruckte Seidenhalstücher von Esprit zu heucheln.

5. Weniger HektikWeihnachten kann in furchtbare Hektik ausarten. Das fängt schon an mit der Planung. Bei welcher Familie - der des Partner oder der eigenen - verbringt man welchen Feiertag? Sind dann alle anderen Geschwister auch da?Es geht weiter mit der Heimreise in total überfüllten ICEs, bei denen grundsätzlich die Heizung entweder kaputt ist; entweder man friert oder fühlt sich wie in der Sauna. Passenderweise gibt es dann meist noch einen plötzlichen Wintereinbruch der die Bahn vollkommen überfordert, so dass man seine Anschlusszüge verpasst und mit mehrstündiger Verspätungen ankommt. Dann sind da die obligatorischen Last-Minute Trips zum Supermarkt für irgendwelche exotischen Zutaten für das Weihnachtsmenu um halb eins an Heiligabend. Überhaupt, der koordinatorische Aufwand an Heiligabend: Wann wird das Essen gekocht? Wer geht wann in die Kirche? Wann ist Bescherung?An den Weihnachtsfeiertagen wird es nicht besser: wann trifft sich welcher Teil der Familie? Wo wird dann gegessen? Wer fährt Auto und darf sich deswegen den übermäßigen Kontakt mit der Familie nicht mit Alkohol schön trinken?Selbst die Heimreise zwischen Weihnachten und Neujahr ist stressig: denn gibt es nervigeres, als mit viel Gepäck (all die hässlichen Geschenke die man weder braucht noch will) in einem überfüllten ICE zu stehen? Die Heizung ist natürlich immer noch kaputt, denn die hat über die Feiertage keiner repariert.Da lob ich mir Ostern: Keine großen Erwartungen, kein Familienstress, keine Bescherungen. Einfach im kleinen Familiekreis zuhause rumhängen, ein paar Stunden lang die beste Mahlzeit des Tages zelebrieren, Schokohasen essen und sich gegenseitig die schönten Sätze aus den Sonntagszeitungen vorlesen. Später gehen die Eltern zum Osterturnier auf den Golfplatz und man kann den Nachmittag wahlweise verschlafen, Monumentalfilme gucken, im Garten an den Hyazinthen schnüffeln oder einfach mit den Geschwistern rumhängen, ohne dass irgendwas großes passieren muss. Wunderbar entspannt und friedlich, das.