Oropax - Wortwitzwalhalla des Wahnsinns

Dirk Philippi

Atemnot im Zirkuszelt! Wenn hilflos japsende Menschen von Lachsalven gemartert werden, wenn verirrte Sinnlosigkeit ein Zuhause findet und ein Klosterfrau trinkender Mönch aus Mönchengladbach Massenwahnsinn auslöst, dann hat das Chaostheater OROPAX getan, wozu es berufen ist: einen Knoten auf die Synapsen gesetzt, dem Verstand Feierabend geschenkt und ein begeistertes Publikum virtuos unterhalten.



Eine doppelmenschliche Kuh, Harald Pinski live vom Mars, Mönche, die längste SMS der Welt, die Superhelden Spei, der Man, Bett-Man und Walkman, elf Feen, Schal-Geschwindigkeit, schwule Milch mit homo Genen und und und - die Freiburger Volker und Thomas Martins sind, wenn sie zusammen auf der Bühne stehen, wie eine unsortierte zip-Datei des Witzes und als Chaostheater Oropax haben sie im gut besuchten Zirkuszelt des ZMF wie gewohnt ein Blutbad hingerichteter Hirnzellen kredenzt.


Schon in den ersten Minuten wortwitzelte Thomas nach einem inszenierten Stromausfall beinahe entschuldigend “Es ist kurzSchluss” und konterte so Volkers Begrüßungsworte “Willkommen auf der Welt”! Und so war es dann auch beinahe drei Stunden lang Schluss mit einer Welt trockener Ratio.

Was folgte, war eine dermaßen verirrte Niveaulosigkeit wie man sie seit den frühen Monty Pythons lange suchen musste. Jedwede Vorstellung von Ästhetik wurde förmlich im Vorbeiwalken geschlachtet, der Intellekt kategorisch geschmäht und Thomas´ Zähne mit Schlagbohrmaschine und einer Tube Senf ordentlich aufbereitet. Oropax sind einzigartig vielfältig, konstruiert sinnlos, planmäßig spontan und grandios stümperhaft.

Nur bei den schrillen Unterhaltungs-Anarchos aus der Mittelwiehre kommt man ernsthaft ins Grübeln, ob es denn wirklich ein Urinstein ist, der dort in Thomas´ Mund aufgeschäumt und via Mundkamera und Beamer für johlende Zwerchfell-Patienten projiziert wird. Der Nordic-Walkman zeigte seine Versuche in den neuen Trendsportbereichen “Nordic Aqua Joggen” und “Nordic Turmspringen”, Spei, der Man, kämpfte mit großem Helden-Waffen-Arsenal gegen Volkers Fussel und zielsicher wurde wie immer auch eine gut aussehende Erste-Reihe-Besucherin penetrant gefoppt (“Jetzt hab ich die Select-Taste gedrückt”).

Mit großem Figurenreichtum (neu: Die Griechen!) und einer Villa Kunterbunt an Requisiten steuerten die brüderlichen Wettmeister derben Bühnen-Entertainments von einem Wortwitz in den nächsten ? die Königsdisziplin der “Hebamme des Witzes” (O-Ton Thomas) und des “Vorsitzenden der anonymen Prominenten” (O-Ton Volker). In irrwitzigem Tempo wurde sprachlich umgedeutet (Einziger Vergangenheits-Fisch = ROCHEN!), verdreht (Siehst du Zilien? Nein, ich sah Dinien), zerstört (Schwuler Dichter-Therapeut = Homopoet) und zusammengebastelt (Lichttechniker Helge Nug), dass man den Martins eine Walhalla allein für ihr wortschöpferisches Tun erstellen müsste.

Das ZMF-Publikum jedenfalls war von Sinnen und immer dann, wenn man meinte ein Schema hinter all dem Wahnsinn erkennen zu können, dann zerschlug das schrille Brüderpaar Erinnerungen an die Pythons, an Stan&Oliver, an Schmidt und Feuerstein, an jedwede Comedy-Norm mit solch sinnentleerter Inbrunst bis auch der letzte das Denken aufgegeben hatte.