Orient trifft Okzident: Die Städtepartnerschaft Freiburg - Isfahan

Ullrich & Immanuel

Seit Oktober 2000 sind Freiburg und Isfahan durch eine Städtepartnerschaft verbunden. Es ist die bisher einzige Partnerschaft zwischen einer deutschen und einer iranischen Stadt. Wie kam diese Verbindung zustande? Wie wird sie gepflegt? Ulrich und Immanuel haben recherchiert und stellen außerdem zwei Austauschstudenten aus Isfahan vor. [Mit Video & Audiogalerie]



Alles begann in einem Schwimmbad. 1999 trifft sich der Wahlfreiburger Dr. Mohammad Salavati mit dem Bürgermeister der Stadt Isfahan, um einen Traum zu diskutieren: eine Städtepartnerschaft zwischen Freiburg und der iranischen Kulturhauptstadt. Die Bemühen des gebürtigen Isfahaner werden ein Jahr später von Erfolg gekrönt.


Im Freiburger Rathaus wird der Vertrag für die erste und bis heute einzige deutsch-iranische Städtepartnerschaft unterschrieben. Wenige Monate zuvor zögerten in Isfahan die Stadträte für einen kleinen Moment. Freiburg schien doch ein wenig klein. Und auch heute wirkt unsere beschauliche Studentenstadt ein wenig verloren auf der langen Liste namhafter Weltstädte, die mit der prächtigen 1,6-Millionen-Einwohner-Metropole eine Partnerschaft pflegen: Beirut, Kuwait Stadt, Barcelona, Florenz, Havanna, Eriwan, Istanbul, St. Petersburg, Kuala Lumpur, Xian...

Die Stadträte entschieden sich für Freiburg und 'Freiburg – Isfahan' entwickelte sich zu einem außergewöhnlichen Erfolg: „Freiburg hat heute einen enormen Bekanntheitsgrad in Isfahan. Obwohl Freiburg die kleinste der zwölf Partnerstädte ist, ist die Partnerschaft die intensivste und lebendigste, das sagen beide Rathäuser“, sagt Fatima Chahin-Dörflinger, die 1. Vorsitzende des 'Freundeskreis Freiburg-Isfahan'. Der Freundeskreis gründete sich mit 38 Mitgliedern im Jahr 2001. Das Ziel: Die Freundschaft auf allen möglichen Ebenen zu fördern. In den vergangenen sieben Jahren hat sich die Mitgliederzahl auf 150 fast vervierfacht.



Gleich im ersten Jahr gelang es dem Verein eine Bürgerreise nach Isfahan durchzuführen. Die Stadt kümmerte sich um die Visa, die Planung leisteten die Vereinsmitglieder und um das Organisatorische kümmerte sich das Reisebüro 'Die Brücke'. Das immense gegenseitige Interesse der Bürger an einem Austausch zwischen den beiden kulturbegeisterten Städten hält auch in politisch angespannten Zeiten weiterhin an. Die Nachfrage nach Reisen nach Isfahan ist inzwischen so groß, dass der Verein seit geraumer Zeit zwei Reisetermine im Frühjahr und im Herbst anbietet. Zur mittlerweile 15. Bürgerreise brechen in wenigen Tagen gleich zwei Reisegruppen mit jeweils 40 Personen auf.

Das Engagement des Vereins kann vielfältiger kaum sein. Der Verein unterstützt und veranstaltet selbst: Konzerte, Autorenlesungen, wissenschaftliche Vorlesungen, Dia-Vorträge, Workshops, Studienreisen der Universität Freiburg, Theaterarbeit und Ausstellungen.

Zuletzt wurde der iranische Fotograf Alireza Hosseinzadeh (Bild unten) unterstützt. Seine Bilder von Isfahan und anderen prächtigen Orten des Landes sind seit dem 1.01.1388, dem persischen Neujahr, dem 20. März 2009 unserer Zeitrechnung, in der Schwarzwald City für zwei Wochen zu sehen. Mit seinen Bildern will der Fotograf Menschen ermuntern, seine Stadt selbst zu besuchen. „Der Iran ist schöner als die Menschen annehmen“, sagt er.



Befragt man Hosseinzadeh telefonisch zur Partnerschaft, schallt eine Welle der Begeisterung aus dem fernen Isfahan durch den Apparat: „Ich hoffe, wir können die Partnerschaft immer weiter verstärken, ich erfreue mich an ihr“. Hosseinzadeh war zum ersten Mal in Freiburg; rund 700 Fotos machte er während seines Aufenthalts. Er hofft, diese für ihn faszinierenden Bilder einer anderen Welt so bald wie möglich in Isfahan auszustellen.

Seit 2003 gibt es auch eine Partnerschaft zwischen der Universität Freiburg und der Universität Isfahan: Im Jahre 1999 unvorstellbar. Ganze dreimal reiste der Privatdozent Dr. Michael Walter bisher gemeinsam mit Studenten der Universität Freiburg zu Studienzwecken in den Iran. Zuletzt verschlug es den engagierten Politikwissenschaftler im Sommer 2007 mit 17 Studenten nach Isfahan und Teheran (fudder berichtete).

In Isfahan begrüßte die Universität zum Mittagessen und lud gleich zu vier Gesprächen ein. Der Leiter des Isfahaner International Office erläuterte seine Arbeit. Mehrere Stunden lang diskutierten die Studenten mit einem Professor der rechtswissenschaftlichen Fakultät und zwei islamischen Theologen dann über das politische System sowie Innen- und Außenpolitik der Islamischen Republik Iran. Nach Ende des einwöchigen intensiven Reiseprogramms blieben viele der Studenten noch für eine weitere Woche im Land. Dem ein oder anderen gefiel Isfahan, die Vielen als die schönste Stadt Irans gilt, so gut, dass er sich entschied, im Jahr darauf mit einem Sommersprachkurs Farsi an der Universität Isfahan zu lernen oder gleich für ein ganzes Jahr einen Auslandsaufenthalt zu planen.

Vor fünf Jahren ging Shahram Bagheri den umgekehrten Weg von Isfahan nach Freiburg. Der Politikwissenschaftler verfasst an der Albert-Ludwigs-Universität seine Doktorarbeit. Inzwischen spricht er perfektes Deutsch und sagt: „Man sollte immer im Austausch sein. Austausch führt allgemein zur Bereicherung, Verständigung und Annäherung."

Fatima Chahin-Dörflinger fasst den Sinn einer Städtepartnerschaft für die Menschen ähnlich: „Nur wenn man miteinander kommuniziert, kann man den Blick öffnen und sowohl hier als auch dort Vorurteile abbauen.“

Mehr dazu:

Ullrich Goll (24, Geschichte) und Immanuel van Driem (21, Islamwissenschaft) studieren an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Am Zentrum für Schlüsselqualifikationen haben sie im Wintersemester an einem Grundlagenkurs zum Thema "Online-Journalismus" teilgenommen, den die fudder-Redakteure Markus Hofmann und Carolin Buchheim angeboten haben. Diese Multimedia-Reportage ist im Rahmen dieses Kurses entstanden.


Audio-Galerie: Vajiheh Savavirizi - Eine Studentin aus Isfahan in Freiburg

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