Organische Tanzmusik mit Soul: Nemoy spielt am Samstag bei Root Down im Waldsee

Bernhard Amelung

Auf eine einsame Insel würde André Seiler alias Nemoy sein Fender Rhodes-Piano mitnehmen. Am Samstag spielt er damit live bei Root Down im Waldsee. Was Soul für ihn bedeutet und wofür sein Pseudonym steht, erzählt er im Interview.

Beschreibe dein Projekt Nemoy in einem Satz.

André: Nemoy ist live gespielte, organische Tanzmusik mit Soul.

Was bedeutet Soul für dich?

André: Mit Soul meine ich nicht das klassische Genre. Soul steht für mich für eine Musik, die lebendig ist, die eine eigene Seele hat. Meine Musik erzeuge ich vor allem auf alten Keyboards aus den Sechzigerjahren. Die haben alle ein Eigenleben. Auch wenn ich drei Mal das gleiche Stück spiele, klingt es immer anders. Das liebe ich extrem.

Wie schwer fällt es dir als Livemusiker, das Lebendige auf einer Schallplatte zu verkörpern?

André: Alle Songs, die ich in den letzten Jahren produziert habe, existieren immer auf einer Metabenene. Sie sind nie fertig. Es sind immer nur Versionen. Ich muss mich sehr anstrengen, daraus eine Version heraus zu arbeiten, die auf Vinyl erscheinen soll.



Was fällt dir leichter: Ein Stück anzufangen oder fertig zu produzieren?

André: Beginnen ist tausendmal leichter. Ich habe tausende Skizzen, die ich angefangen aber nie zu Ende produziert habe. Ich mag das generell nicht so.

Wie fängst du ein Stück an?

André: Ich fange einfach an. Ich setze mich ans Klavier oder Keyboard und fange an, Akkorde aneinander zu reihen. Ich suche Akkordfolgen, die für mich interessant klingen, und baue darauf auf. Ich habe erst spät gemerkt, dass man mit dem Klavier auch coole Sachen machen kann. Dieses Instrument habe ich ja zuerst in einer klassischen Ausbildung kennen gelernt.



Du arbeitest auch mit vielen Synthesizern.

André: Ich mag einfach komische Geräte mit Eigenleben. Wenn ich eine Maschine finde, die man nur auf eine ganz bestimmte Weise spielen kann, finde ich das großartig.

Kannst du das näher ausführen?

André: Ich habe eine Begleitautomatik von Korg. Die ist Schrott. Die hat eine Folientastatur mit unmöglichen Tasten. Man kann damit einfach nicht exakt spielen, auch wenn man sich Mühe gibt. Die hat eine hinkende Zeitsignatur. Das hat mir so gut gefallen, dass ich sie in mein Live-Set eingebaut habe.

Wann hat deine Sammelleidenschaft für Musikinstrumente und Geräte begonnen?

André: Irgendwann habe ich bei einem Kumpel eine Bassgitarre ausgeliehen und gemerkt, dass es viel angenehmer ist, die Musik selbst einzuspielen, als am Computer zu sitzen und auf der Maus rumklicken. Ich fühle mich einfach wohl, wenn ich etwas Neues ausprobieren kann. Das erhält mir den Spaß an der Sache.

Hast du ein Lieblingsinstrument?

André: Ein Fender Rhodes-Piano. Das alte Tastending begleitet mich schon sehr lange, und das möchte ich nicht missen. Ich habe das schon tausendmal auseinander genommen, gereinigt und gepflegt. Ich habe schon auf anderen Fender Rhodes gespielt, aber mein Keyboard ist für mich etwas Besonderes. Sollte ich irgendwann einmal auf eine einsame Insel ziehen, würde ich es mitnehmen.



Welches Instrument würdest du gerne spielen können?

André: Gitarre. Ich habe mich schon oft an diesem Instrument abgearbeitet. Es klappt aber nicht.

Warum?

André: Ich krieg’s einfach nicht hin. Wirklich nicht. Ich habe immer den Eindruck, dass mich die Gitarre auslacht.

2016 hast du eine Platte unter dem Titel "Homeless Soul Music" veröffentlicht. Was bedeutet der Titel?

André: Ursprünglich komme ich aus ja aus dem Wallis. Im Haus meiner Eltern hatte ich mein Studio. Dann habe ich geheiratet, einen Job in Zürich angenommen und bin umgezogen. Mein Tonstudio konnte ich zunächst nicht mitnehmen. Ich habe nur noch auf dem Laptop Musik gemacht und hatte kein Zuhause mehr, um Musik zu machen. Irgendwo daher kommt auch der Name.

Abschließend noch: Wofür steht dein Pseudonym Nemoy?

André: Der ist ganz zufällig entstanden. Ich habe auf der Tastatur meines Notebooks rumgespielt und random Wörter eingegeben. Jahre später sagte mir eine Arbeitskollegin aus Weißrussland, dass "nemoy" auf Russisch "stumm" bedeutet. Das fand ich dann ganz großartig, denn ich mache ja Musik ohne Worte.
Was: Root Down w/ Nemoy (live), Truccy, Rainer Trüby
Wann: Samstag, 27. Januar 2018, 22 Uhr
Wo: Waldsee, Waldseestr. 84, 79117 Freiburg

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