Organisatoren verkünden Aus des Freiburger Filmfests

Frank Zimmermann

Das 12. Freiburger Filmfest vom 16. bis 26. Juli vergangenen Jahres war gleichzeitig das letzte: Die Veranstalter haben am Dienstag verkündet, dass es keine weitere Ausgabe geben wird. Aufwand und Ertrag stünden in keinem Verhältnis.



Der Aufwand sei einfach zu groß gewesen, sagt Ludwig Ammann, zusammen mit Michael Wiedemann und Michael Isele Organisator des Filmfests (Interview mit den Filmfest-Machern von 2013) und zugleich Betreiber der Freiburger Kinos Friedrichsbau, Kandelhof und Harmonie: "Wir haben unsere Kräfte bis an den Rand der Erschöpfung aufgebraucht, aber das Filmfest wirft keinen Riesengewinn ab, in guten Jahren eine schwarze Null, in schlechten eine rote." Ammanns Fazit: Ein Festival in dieser Größenordnung erlaubt einfach keine Luftsprünge.


Die Veranstalter wollen ihre Kräfte künftig auf anderes konzentrieren, im Freien vor allem auf das "Sommernachtskino" im Innenhof des Schwarzen Klosters, das seit Jahren von Ende Juli bis Anfang September täglich stattfindet. "Vielleicht", sagt Ammann, "haben wir uns mit zwei großen Open-Air-Veranstaltungen zu viel zugemutet." Mit dem "Sommernachtskino" seien er und seine Partner schon "gut beschäftigt".

Ein Festival mit viel Promi-Besuch

Beim Filmfest waren ausschließlich neue Filme zu sehen, die bei ihrer Vorführung in Freiburg noch nicht in den deutschen Kinos gelaufen waren. Oft kamen prominente Gäste – Schauspieler und Regisseure – aus der Filmszene, um ihre Werke vorzustellen, im vergangenen Jahr beispielsweise der bekannte deutsche Schauspieler Benno Fürmann. Neben Filmen für ein großes Publikum setzten die Organisatoren immer auch auf "kleine" Arthaus- und Dokumentarfilme, außerdem gab es Werkschauen mit mehreren Filmen eines bestimmten Schauspielers oder Regisseurs.

Außer im Mensagarten, mit 800 Plätzen das mit Abstand größte Kino in der Stadt, fand das 2004 gegründete Festival auch in der Harmonie und in den Friedrichsbau-Kinos statt. Jeder Zuschauer konnte nach der Vorstellung den gesehenen Film bewerten; der mit dem besten Notenschnitt bekam am Ende des elftägigen Festivals den mit 5000 Euro dotierten Publikumspreis verliehen.

Den stiftete die Volksbank Freiburg, allerdings war das Geldinstitut der einzige Sponsor. Barzuschüsse von der Stadt gab es nie, ein Mal habe man vergeblich einen Förderantrag gestellt. Die Stadt steuerte allerdings einen Mietzuschuss bei, indem sie ihren Anteil am Festivalgelände kostenlos überließ. Gleiches machte das Studierendenwerk mit seinem Teil der Wiese, dafür bekam es den Zuschlag für die Gastronomie und somit die Einnahmen daraus. Die "Freiburg, Wirtschaft, Touristik und Messe GmbH" half beim Marketing. "Ich kenne kein Festival dieser Größenordnung, das sich nur über den Kartenverkauf finanziert", sagt Ammann.

Das beste Jahr war 2013

Mit 7486 Zuschauer bei 43 Premieren war die zehnte Ausgabe im Jahr 2013 die erfolgreichste in der elfjährigen Geschichte des Filmfests, im vergangenen Jahr wurden bei 37 Premieren 7265 Besucher gezählt. Um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, hätte man mindestens das Doppelte an Ticketverkäufen gebraucht, idealerweise 15 000 bis 20 000, so Ammann.

Allerdings sei das Besucherpotenzial begrenzt, da bei Open-Air-Veranstaltungen die Konkurrenz in Freiburg groß sei. In Jahren mit großem Fußballturnier im Sommer – vom 10. Juni bis 10. Juli steht die Europameisterschaft an – ist der Veranstaltungskalender besonders dicht getaktet, die Veranstalter von größeren Open-Air-Veranstaltungen drängeln sich dann um die Wochen vor und nach dem Fußballgroßereignis, während die Sommerferien eher unbeliebt sind. In jedem Fall legt der Fußball das kulturelle Leben in der Stadt erfahrungsgemäß mehr oder weniger lahm.

In der bisherigen Form sei das Filmfest jedenfalls nicht mehr zu stemmen gewesen, glaubt Ammann, eine Aufstockung beim Personal hätte das wirtschaftliche Risiko erhöht. Auch eine zeitliche Ausdehnung wäre keine Lösung gewesen. Vielmehr hätte sich bei dieser Art der "Flucht nach vorne" das Risiko auch eher erhöht, das es durch die Abhängigkeit vom Wetter ohnehin schon immer gab. Und auch beim Wetter war die Kalkulation für die Festivalmacher zweischneidig: War es schön, saß niemand in den Kinosälen. War es schlecht, fehlten die Einnahme von draußen.

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[Foto: Michael Bamberger]