Ordnung für den Sportclub

Christoph Müller-Stoffels

Der Ball rollt wieder beim SC Freiburg. Auch für die vielen Ordner rund um das Dreisamstadion gibt es wieder einiges zu tun. Was genau? fudder-Praktikant Christoph hat den Job zum Saisonauftakt mitgemacht.



Es ist Sonntag, es ist August und es ist lausig kalt. Zu allem Überfluss regnet es auch noch, als ich um kurz nach elf Uhr am Dreisamstadion eintreffe. Stefan, ein Freund von mir, hat mir den Job als Ordner vermittelt. Ich war ihm dankbar dafür, doch als wir nun unsere leuchtend gelben Leibchen abholen, wäre ich auch nicht unglücklich gewesen, wenn er mich nicht gefragt hätte. Dankenswerterweise hält der SC auch eine Regenjacke für seine vielen Helfer bereit, denn die habe ich gar nicht mit nach Freiburg gebracht. Mein Praktikum sollte ja auch im Sommer stattfinden, nicht im vorgezogenen November.


  Unser Team besteht aus sechs Leuten und ist für die Kartäuserstraße zuständig, die bei Freiburger Heimspielen immer zur Einbahnstraße umfunktioniert wird. Allerdings wissen das nicht alle, und da für die Führerscheinprüfung anscheinend keine Schilderkunde mehr vorausgesetzt wird, müssen wir den Leuten das erklären. "Nein, Sie können hier nicht weiter fahren. Nein, auch nicht ausnahmsweise. Nein, schon gar nicht, wenn Sie ganz schnell sind."

Stefan und ich sind für das untere Stück eingeteilt und stehen erst mal im Regen. Anfangs ist überhaupt nichts los. Zum Glück sind wir mit dem Auto da, denn so haben wir wenigstens ein trockenes Plätzchen.

Ab halb ein Uhr bekommen wir etwas mehr zu tun. Die Straße füllt sich, an der rechten Seite darf geparkt werden, nicht zur Freude aller Anwohner. Immer wieder gibt es Strafanzeigen gegen den Sportclub, weil sich ein Stadionbesucher vor eine Einfahrt oder auf ein Privatgrundstück gestellt hat.

“Du musst davon ausgehen, dass hier niemand einen Führerschein hat”, sagt Rudi. Er muss es wissen, denn er ordnet bereits seit zwölf Jahren. Bald verstehe ich, was er meint. Jeden Autofahrer muss man dazu auffordern, doch noch ein bisschen näher an den hinter ihm abgestellten Wagen heranzufahren. “Aber meine Einparkhilfe piepst schon”, meint einer ganz überrascht. Dass noch über ein Meter Platz zum nächsten Auto ist, scheint ihn nicht zu stören. Stefan hat derweil mit anderem Ungemach zu kämpfen.

Irgendwann hört nämlich die Einbahnstraße auf. Ab hier darf gar nicht mehr geparkt werden. Trotzdem versucht es jeder Fahrer. Irgendwann wird es Stefan zu bunt. “Wissen Sie”, sagt er zum nächsten, “ich bin in fünf Minuten hier weg. Parken Sie hier, aber wenn Sie abgeschleppt werden, ist das Ihr Problem”. Das Wort "Abschleppen" wirkt Wunder. Darauf hat niemand Lust.

Um viertel vor zwei Uhr machen wir uns auf den Weg ins Stadion. Es ist trotz des miserablen Wetters überraschend gut gefüllt. Auf der Osttribüne stehend weisen wir Besuchern den Weg zu ihren Plätzen. Der Job ist wirklich simpel, und für Fußballfans scheint er ideal. Nicht nur kann man fast das gesamte Spiel miterleben, man bekommt sogar noch Geld dafür. 30 Euro bringt der Nachmittag. Umgerechnet auf die fünf Stunden Arbeit ist das allerdings kläglich. “Wegen des Geldes macht man den Job nicht”, stimmt auch Rudi zu. Dem Vermessungsingenieur macht es einfach Spaß. Andere sehen das anders. 30 Euro sind nicht zu verachten für Studenten, die Freiburgs astronomische Mieten bezahlen müssen.

Stefan fachsimpelt inzwischen über die Aufstiegschancen des Sportclubs. “Die Liga ist in dieser Saison sehr stark besetzt”, weiß sein Gesprächspartner von der Würstchenbraterei. Und wenn der SC es nicht schafft, mehr Tore zu schießen, dann wird es wieder nichts mit der ersten Liga. Als er wieder weg ist, lacht Stefan. “Immer kommt jemand vorbei und will mit mir über Fußball reden. Dabei habe ich doch gar keine Ahnung.”

Wir müssen nun die Besucher nur noch davon überzeugen, dass sie sich setzen sollen. Es scheint für viele schwer nachvollziehbar, dass die Tribünenaufgänge auch Feuerfluchtwege sind, die des Brandschutzes wegen frei gehalten werden müssen. Die alten Herren lassen sich da auch nicht von der Ordnerweste beeindrucken. Aber streiten will ich mich nun auch nicht mehr. Die 90. Minute läuft, es steht trotz Freiburger Überzahl null zu null und ich habe kalte Füße. Selbst wenn etwas passieren sollte, sind die Ordner angehalten, nicht einzugreifen, sondern nur die Polizei zu verständigen.

Um kurz nach vier Uhr geben wir die Weste wieder ab, und mit ihr ein gutes Stück Autorität. Es ist erstaunlich, welche Veränderungen ein Stück Stoff in der Wahrnehmung der Mitmenschen auslösen kann. Trotzdem bin ich froh, dass der Job vorbei ist. Bei weniger Regen und besserem Fußball macht er sicherlich noch viel mehr Spaß. Das Geld gibt es in bar. Personalien werden nicht aufgenommen. Unkompliziert sind sie beim Sportclub allemal.