Orang Utan an der Rutschbahn (7)

Müslüm Erikci

Müslüm meldet sich aus der malaiischen Versenkung. Die Schule ist immer noch ein Kulturschocker, ansonsten halten Kapitalismus und Tourismus Einzug in Müslüms Leben. Chinaböller durfte er zum Chinesischen Neujahrsfest nicht anzünden.



Die zweite Schulwoche hat nicht gerade glänzend begonnen. Zuspätkommen ist hier tabu. Wer es trotzdem macht, muss Müll aufheben mit den bloßen Händen.


Das war kein schöner Anblick, aber dadurch habe ich einen neuen Freund kennengelernt.

Er kommt fast täglich zu spät, wobei er mich an mich selbst erinnert. In Deutschland war ich stets derjenige, der zu spät kam. Obwohl ich gerade mal 200 Meter von der Schule entfernt wohnte.

Ich hatte ja erwähnt, dass ich in der Schule als Sensation gehandelt werde und man lässt mir nicht mal meine Ruhe auf der Toilette. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie unangenehm es sein kann, wenn die Türen fehlen oder man sie nicht abschliessen kann.

Zur Not benutze ich daher manchmal die Lehrertoilette, wenn kein Lehrer in der Nähe ist.



Ein Highlight meiner letzten Erlebnisse war das chinesische Neujahrsfest. Während den Festtagen besucht man die Familie. Hauptsächlich wird da gegessen und so richtig die Sau rausgelassen.

Chinaböller darf man dafür allerdings nicht benutzen. Bei den vergangenen chinesischen Neujahrsfesten haben Böller und Raketen viele Hausbrände verursacht. Deshalb hat die malaiische Regierung ungenehmigte Feuerwerke verboten.

Da ich eine malaiische Gastfamilie habe, fuhren wir wie die meisten Malaien in den Urlaub.



Wir übernachteten zwei Nächte in einem Resort, das in dem Nachbardistrikt Melacca liegt. Auf der Hinfahrt hielten wir beim Internat meiner Schwester. Abends besuchten wir ein so genanntes Cowboydorf.

Ein launiger Anblick: Chinesen, als Cowboys verkleidet, und Malaien als Chinesen im traditionellen Outfit. Kapitalismus und Tourismus.

Den darauffolgenden Tag verbrachten wir in einem Wasserpark mit meterhohen Rutschen. Am Eingang wurde mir angeboten, ein Bild mit einem Orang Utan, einem Elefanten oder einem Tiger zu machen.

Ich entschied mich für ein Foto mit dem Orang Utan. Er kam mir am Sympathischsten vor. Am letzten Tag besuchten wir ein Freiluftmuseum namens Mini Asia.



Es wurden traditionelle Häuser aus den 16 Staaten Malaysias und den Nachbarstaaten wie Thailand und Kambodscha gezeigt. Ich muss zugeben, dass ich nicht sehr interessiert daran war. Die Dinge in ihrer natürlichen Umgebung finde ich interessanter.

Doch ich habe die Zeit mit meiner Gastfamilie genossen. Besonders die mit meinem Gastvater, da er ansonsten viel zu beschäftigt ist.

Mfg Müslüm