Online-Audition: An der HKDM kann man auch per Skype vorsingen

Marius Notter

Wer an der Freiburger HKDM Populäre Musik studieren will, der muss sein musikalisches Können in einer Aufnahmeprüfung zeigen. Emmi Vaara, 21, aus Helsinki hat sich für das "International Program in Popular Music" beworben, das im kommenden Wintersemester beginnt - und konnte für ihren Studienplatz bequem von zu Hause aus vorsingen - dank Skype.



Ein Bürozimmer in der Jazz- und Rockschule im sogenannten Kulturpark. Rechts neben der Tür steht ein schwarzes Ledersofa, in der anderen Ecke ein E-Piano und eine Stereoanlage mit Verstärker. Davor ein Schreibtisch, auf dem ein MacBook steht. Hinter dem MacBook sitzt Roland Pfeiffer, Professor für Gitarre und Musikproduktion. "Zoooooooom-Plopp!", macht das MacBook. Pfeiffer, sportlich-stylische Brille, gepflegte lange graue Haare, hat gerade Skype geöffnet. Denn heute findet eine Audition für das Studium an der privaten Fachhochschule statt - per Videotelefon.

Die Bewerberin für einen Studienplatz heißt Emmi Vaara, ist 21 Jahre alt und sitzt in Helsinki vor ihrer Webcam. Sie hat sich an der Hochschule für Kunst, Design und Populäre Musik (HKDM) für das International Program in Popular Music beworben, einen Bachelorstudiengang in englischer Sprache, den die HKDM zum kommenden Wintersemester neu anbietet. An diesem Nachmittag wartet sie darauf, vor der Kamera zeigen zu können, dass die vorher eingesendeten Hörproben ihrem wahren Talent entsprechen.

Seit zwei Jahren führt die Jazz- und Rockschule Online-Auditions wie diese vor: "Obwohl die Verbindung manchmal hängt, ist Skype eine praktische und gute Art, die Bewerber live zu hören und zu sehen”, sagt  Roland Pfeiffer. “Natürlich ist die Tonformung eine andere, aber schon der Kostenfaktor ist ein Grund, es via Internet zu machen.”

Der eigentlichen Audition via Skype geht ein Bewerbungsverfahren voraus. “Die Bewerber müssen uns zuerst Aufnahmen von sich schicken und einen theoretischen Test absolvieren", sagt Bernd Heizler, der an der Hochschule Bass, Band und Business unterrichtet. "Natürlich kann hier gefälscht und betrogen werden. Die Skype-Audition dient dazu, herauszufinden, ob das vorher eingegangene Material zu dem passt, was die Bewerber live wiedergeben.”



Als Roland Pfeiffer den Skype-Anruf startet, ist die Atmosphäre entspannt. Im Raum sitzen außer ihm und Bernd Heizler noch Gesangsdozentin Angela Wiedemer und Birgit Dittmar, die den organisatorischen Teil der Auditions übernimmt.

Die vier Prüfer begrüßen Emmi Vaara herzlich. Das Bild der Webcam ermöglicht einen Blick in Emmis Zimmer, während sie sich kurz mit Roland Pfeiffer und Bernd Heizler unterhält - lächelnd und in akzentfreiem Englisch. Hinter ihr an der Wand hängt ein Poster mit der Aufschrift “Keep Calm And Carry On”.

In Helsinki rückt Emmi vor ihrem Computer ihre Kopfhörer zurecht und fängt an zu singen. In Freiburg, 1700 Kilometer entfernt, sitzen ihre Prüfer hochkonzentriert vor dem MacBook. Emmi singt souverän - sowohl die Pflichtsongs, als auch das von ihr gewählte “If I Were A Boy” von Beyoncé und  “Autumn Leaves”, das vor Jahrzehnten schon Bing Crosby und Édith Piaf gesungen haben.

Während sie vor der Webcam performt, schaltet Roland Pfeiffer das Mikro im Büro aus - kein Geräusch aus Freiburg soll Emmi stören. Mal spielt die junge Musikerin parallel Klavier, mal singt sie A-cappella. Während des Rhythmus-Teils der Audition fragt Roland Pfeiffer Emmi, ob sie ein Metronom mitlaufen lassen kann. “Manchmal stört das Signal sonst zwischendurch”, erklärt er. Emmi greift zu ihrem Smartphone und schaltet eine Metronom-App ein.

Nach einer halben Stunde ist das Vorsingen vorbei: Emmi verabschiedet sich, die Prüfer schalten Skype wieder aus.

Ob Emmi Vaara im kommenden Herbst das vierjährige Studium in Freiburg beginnen kann, erfährt sie schon am heutigen Dienstag. Skype sei Dank.



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