Onleihe: Die Stadtbibliothek Freiburg verleiht online E-Books und andere Medien

Okan Bellikli

Bibliothek? Da denkt man eigentlich an Bücher, die man in die Hand nehmen kann. Mit der sogenannten Onleihe begeht die Stadtbibliothek Freiburg jedoch schon seit 2009 neue Wege und bietet zahlreiche E-Books und andere elektronische Medien an - die man mittlerweile auch auf seinem Smartphone konsumieren kann.



Wenn Menschen in eine öffentliche Bibliothek gehen, dann suchen die meisten von ihnen ein Buch, dass sie aus dem Regal nehmen und nach Hause tragen können. Das ist es, was man normalerweise unter 'Ausleihen', und so läuft es in Deutschland seit fast 200 Jahren.


Die Zeiten haben sich aber geändert, und inzwischen gibt es Bücher auch in digitaler Form als E-Books, die mit einem entsprechenden Gerät - sprich: einem E-Book-Reader - oder mit den meisten Smartphones gelesen werden können.

Das hat auch die Stadtbibliothek Freiburg mitbekommen und bietet deswegen bereits seit 2009 die Möglichkeit an, nicht nur E-Books, sondern auch Hörbücher, Musik, Filme und Zeitschriften auszuleihen. Alles, was man dazu braucht, ist ein gültiger Stadtbibliothekausweis und ein Internetanschluss. Dann ist das Angebot rund um die Uhr erreichbar und kostenlos. E-Books können dann zum Beispiel 14 Tage lang ausgeliehen werden.

Das Besondere an der sogenannten Onleihe ist, dass man die digitalen Bücher nicht nur auf einem E-Book-Reader lesen kann, sondern mit entsprechender Software auch direkt auf einem Computer. Programme für Android und iOS gibt es ebenfalls, sodass auch Smartphone-Nutzer und iPod-Touch-Besitzer in den Genuss des Angebots kommen können. Hörbücher können zudem auf einem MP3-Player abgespielt werden.

Via Smartphone ist die erste Onleihe allerdings ein wenig umständlich. E-Books kann man nämlich nur mit dem Bluefire-Reader von Adobe lesen. Den muss sich also erst einmal herunterladen - als ob man nicht schon genügend andere Reader auf seinem Smartphone herumliegen hat. Außerdem muss man sich, damit das Ganze funktioniert, noch eine Adobe-ID zulegen. Ist das alles mal gemacht, läuft die Onleihe allerdings sehr rund.

Ein Nachteil: Zeitungen und Zeitschriften kann man bisher nur am Computer lesen. Fürs Smartphone und E-Book sind sie leider noch nicht verfügbar. Und auf diesen Endgeräten will man solche Medien ja vorzugsweise lesen. Das hat mit dem Digital Rights Management, kurz: DRM, zu tun - der digitalen Rechteverwaltung. Zeitung oder Zeitschrift plus DRM plus mobiles Endgerät: Diese Gleichung geht bei der Onleihe bislang nicht auf. Die DiViBib GmbH, die hinter der Onleihe steht, arbeitet aber gerade daran, dies zu ändern.

Übrigens ermächtigt die Smartphone-App theoretisch nicht nur zur Onleihe in Freiburg, denn es haben bereits über 200 Bibliotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz jenen Dienst in ihr Angebot aufgenommen. Um mit der App auch von anderen Bibliotheken Medien ausleihen kann, benötigt man allerdings einen Benutzerausweis der jeweiligen Bibliothek. Dann kann man von überall aus auf den jeweiligen Onleihe-Bestand zugreifen. Eine Übersicht der teilnehmenden Bibliotheken findet sich auf der Website von Onleihe.

Derzeit sind 1000 eBooks im ePub-Format zur Ausleihe erhältlich, dazu kommen 14 ePaper-Abos, 470 eAudios und 115 eVideos.

Wer etwas ausleihen möchte, kann auf der Onleihe-Seite der Stadtbibliothek im gesamten Katalog der erhältlichen Medien stöbern und bei Interesse einen Titel in den eigenen Bibliothekskorb legen - ähnlich wie bei Amazon. Dort bleiben sie 30 Minuten reserviert und können nach der Ausleihe direkt auf den eigenen PC heruntergeladen werden. Während der Leihfrist können die ausgeliehenen Medien unbegrenzt angeschaut beziehungsweise angehört und in der Regel auch auf ein mobiles Endgerät übertragen werden. Genaue Informationen zu den genauen Nutzungsmöglichkeiten und zur Leihdauer finden sich in den Detailinformationen der Medien selbst. Nach Ablauf der Leihfrist sind die Medien dann einfach nicht mehr abrufbar.

„Immer mehr Leute benutzen die Onleihe und wir sind sehr zufrieden“, sagt Ulrike Kraß, stellvertretende Leiterin der Stadtbibliothek. So seien im vergangenen Monat etwa 2000 Mal Medien heruntergeladen worden. „Wir können eindeutig sehen, dass sich immer mehr Menschen E-Book-Reader zulegen“, so Kraß weiter. Und tatsächlich: Ein Blick in den Katalog zeigt, dass viele Bücher verliehen sind. Die Keith-Richards-Autobiografie 'Life'? Ausgeliehen, Vormerkung möglich. Herta Müllers 'Atemschaukel'? Ausgeliehen, Vormerkung möglich. Es ist wie in einer leibhaftigen Bücherei. In den digitalen Regalen stehen vor allem noch Titel wie Walter Kohls 'Leben oder gelebt werden'. "Neben E-Books sind vor allem Zeitungen sehr beliebt", sagt Kraß. FAZ, Süddeutsche und Die Zeit.

Es bleibt nur zu bedenken, dass wie in der realen Bibliothek immer nur eine Person ein Buch ausleihen kann. Das gilt auch für die Zeitungen und Zeitschriften. Ausnahmen sind Medien wie der ebenfalls beliebte Spiegel, von dem die Bibliothek drei Stücklizenzen besitzt, sodass eine Ausgabe von drei Personen gleichzeitig ausgeliehen werden kann.

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[Bild: Anton Maltsev / Fotolia.com]