On the Road in Down Under

Lilian Kaliner

Neues von unserer Aussteigerin: Nach einem Zwischenstopp in Bangkok (glücklicherweise vor dem Militärputsch in Thailand) sind Lilian und ihr Freund Patrick inzwischen in Ausstralien angekommen. Dort haben sie sich einen kleinen Bus gekauft und einen Abstecher ins Landesinnere gemacht. Doch plötzlich fuhr der Bus mitten im Busch nicht mehr weiter...



Endlich sind wir richtig in Australien angekommen! Bereits nach vier Tagen in Brisbane hatten wir einen Nissan Vanette Bus gefunden. Patrick ist immer noch fassungslos, dass wir ihn für gerade mal 1.000 Euro erstanden haben. Ben, der Vorbesitzer, zahlte fünf Wochen vorher bei einem Autohändler noch stolze 2.500 Euro, doch wegen akutem Heimweh und Sehnsucht nach der Freundin wollte er nur noch zurück nach England. Somit haben wir nicht nur ein günstiges Auto, sondern auch noch allerhand Zubehör wie Stühle und Lampen bekommen. Wir hatten also den denkbar besten Start in Down Under.


Kaum hatten wir den Bus erstanden, wollten wir nur noch raus aus der City und rein ins richtige Australien. Die ersten Tage verbrachten wir an der momentan ungewöhnlich stürmischen Sunshinecoast. Es erinnerte mehr an einen Urlaub in Dänemark als an das warme Australien, aber es war trotzdem unheimlich toll endlich am Meer angekommen zu sein. Also hieß es Windjacke an und ab zum Strand, zumindest bis zum nächsten großen Schütt. Dank des Bettes in unserem Van sparen wir bares Geld, denn nach eineinhalb Wochen auf tollen Campingplätzen entlang der Küste campen wir nun wild.

Ein kleines Abenteuer hatten wir schon zu bestehen, als wir vor einigen Tagen in einer ziemlich abgelegenen Gegend durch den Busch gefahren waren. Es war gerade kurz nach halb sechs abends (um viertel nach sechs ist es hier momentan stockfinster) und wir wollten über eine Landstraße zur Autobahn gen Norden gelangen. Laut Karte war die Straße auch befestigt, doch einige Kilometer vor dem Ziel war es mit dem Teer plötzlich zu Ende. Nach fünf Metern auf der Piste war klar, dass unser Bus für so etwas eindeutig nicht gebaut ist. Also drehten wir um und studierten erneut die Straßenkarte. Hatte ich schon erwähnt, dass gerade einer unserer Scheinwerfer kaputt gegangen war?

Nun wie dem auch sei, die erste halbe Stunde ging alles gut und wir sahen sogar endlich die ersten Kängurus (mitten auf der Straße), doch dann wollte Patrick den verbleibenden Scheinwerfer besser einstellen und hielt an. Es stellte sich heraus, dass das ein Fehler sein sollte. Unsere automatische Wegfahrsperre funktionierte plötzlich nicht mehr und der Bus war nicht mehr zu starten. Toll, so was mitten im Busch! Nach einer viertel Stunde abwechselndem Fluchen und Beten ging es dann doch noch und wir tuckerten mit siebzig, da dunkel und schlechte Straße, in Richtung Autobahn und waren heilfroh als wir endlich ankamen. Da die Ortschaft nur aus zehn Häusern bestand, stellten wir uns an die Tankstelle und verbrachten die Nacht dort.

Inzwischen sind wir stolze 1.500 Kilometer in den Norden nach Townsville gefahren und haben es nun schön warm. Für 1.500 Kilometer braucht man hier ganz schön lange, denn Autobahn ist hier außerhalb der großen Städte was bei uns Landstraße genannt wird und schneller als 110 ist nicht erlaubt. Schneller würde aber auch nicht gehen, denn die Straßen sind in abenteuerlich schlechtem Zustand und zeitweise kommen wir uns in unserem Bus wie auf einem Schiff vor, so schwankt es beim fahren. Wir haben inzwischen an die sechzig Kängurus gesehen ? leider alle tot am Randsteifen. Somit überlegen wir nun ernsthaft in den nächsten Zoo zu gehen, dort sind sie wenigstens nicht vermatscht.

  Townsville ist eine wirklich schöne Stadt mit 120.000 Einwohnern und unheimlich gepflegt. Zwei Nächte haben wir nun schon direkt am Strand am Stadtende geschlafen. Letzte Nacht stand plötzlich ein zweiter Van hinter uns, und heute morgen stellte sich heraus: Es sind zwei Deutsche. Die beiden Jungs sind seit sechs Wochen in Australien und kommen aus dem Norden und sind die ersten richtigen Backpacker die wir seit Brisbane gesehen haben.

Obwohl es im Rest des Landes momentan noch etwas kühl ist, sind in dieser Gegend überraschend wenige Leute wie wir unterwegs. Fanden auch die beiden Deutschen und so haben wir unser morgendliches Müsli gemeinsam gemümmelt. In den nächsten Tagen wollen wir noch etwas ausspannen, Muscheln sammeln und am Strand sitzen, vielleicht gemeinsam mit den beiden mit einer Fähre auf Magnetic Island fahren und Australien erst einmal genießen.