Olli Schulz: "Wegen mir hört Bushido auf zu rappen"

Gina Kutkat

Am Dienstagabend im Jazzhaus gab Olli Schulz der Redewendung "jemandem eine Frikadelle ans Ohr schwatzen" eine völlig neue Dimension. Die Anekdoten aus seinem Leben als Stagehand, Premiere-Angestellter oder U2-Fan waren zum Biegen komisch. Musik gab es auch - von Olli Schulz und Gisbert zu Knyphausen, dem subtileren Star des Abends.



Olli Schulz hat sich am Dienstagabend schick gemacht. Weißes Hemd, Jackett und gegelte Haare. Etwas knarzig wirkt er zunächst und ermahnt tuschelnde Damen und Herren aus dem Publikum, sich doch "etwas zu mäßigen, denn ich verstehe hier echt jedes Wort von euch." Quatschen verboten also, denn das soll heute alleine dem Meister des Nonsens und des Klamauks vorbehalten sein.


"Wer Gequatsche hören will, muss beim Olli zuhören" bringt es Gisbert zu Knyphausen während seines Vorprogramms schmunzelnd auf den Punkt. "Meine Ansagen sind scheiße". Dafür sind seine Songs, sein ruhiges Wesen und sein Gitarrespiel atemberaubend schön. Wo Olli Schulz musikalische Unsauberkeiten mit lustigen Geschichten kompensieren muss, kommt Gisbert zu Knyphausen ohne Klamauk aus und wirkt wie der talentiertere kleine Bruder.

Gisbert zu Knyphausen – reich, schnöselig und hochnäsig? Herr zu Knyphausen, dessen erstes, selbst-betiteltes und wirklich sehr gutes Album Ende des Monats erscheint, entpuppt sich als schmächtiger, hübscher und attraktiv schüchterner Kerl, der lockeres Hemd über ausgewaschener Cordhose trägt. In seinen Texten und seiner Musik kann man sich wiederfinden und denken: "So. Genauso hätte ich es auch gesagt." Lauschen, zurücklehnen und sich auf ein baldiges Wiedersehen mit Gisbert zu Knyphausen freuen: am 7. Mai kommt er, in Bandbegleitung, ins White Rabbit, definitiv ein Termin für den Kalender.



Nach einer handvoll Songs sind Herrn Schulzes Anlaufschwierigkeiten verflogen und sein Gemütszustand verbessert. Er tut, was er am Besten kann: lustige Geschichten erzählen und einen Song hinterherschicken. Seine Zuhörer lernen im Laufe des Abends, dass U2-Frontmann Bono während Konzerten eine unnatürliche Beziehung zu einer Flasche Wasser hegt, die Moves von Mando Diao und Arctic Monkeys alles andere als cool sind und dass Juli, Tokio Hotel und Christina Stürmer Herrn Schulzes Hookline geklaut haben.

Geschichtenerzählender Sänger oder singender Geschichtenerzähler: an irgendeiner Stelle schüttelt es jeden vor Lachen. Seinen "Song ohne Grund" leitet er mit einer Story über den Rapper Bushido ein: Angeblich fand Bushido den Flow des Songs so tight, dass er seine Rapper-Karriere an den Nagel zu hängen wollte. Olli gewährt Einblick in seine Vergangenheit als Metaler, "lange, dünne Haare, enganliegende Hosen – ich sah aus wie frisch aus der Kanone geschossen". Die Musik, die er zu Metaler-Zeiten hörte, veranlasste seine Mutter zu folgendem Satz und ihn zu folgendem Song: "Wenn die Music nicht so laut wär', wär' sie nur halb so schön". Ähnliches gilt für Schulz selbst: Wären seine Zwischenerzählungen nicht so lustig, wären die Songs auch nur halb so gut!



Olli Schulz redete, redete und redete zwischen den Songs aus drei Alben und der neuen 7inch Ausflug mit Razzia. Olli-Schulz-Spätzünder oder Nicht-Kenner fanden sich nur wenige im eher studentischen Publikum. "Dann schlägt dein Herz", "Bettmensch", "Rückspiegel", "Nimm`mein Mixtape, Babe", "Song ohne Grund" und "Wenn die Music nicht so laut wär" waren die Publikums-Lieblinge.

Ein Abend mit Olli Schulz ist wie gute Stand-Up-Comedy, ummalt mit akustischer Gitarrenmusik.



Mehr dazu:

Was: Gisbert zu Knyphausen
Wann: Mittwoch, 7. Mai 2008
Wo: White Rabbit