Ohne Redeangst durchs Studium: "Öffentliches Reden kann man lernen"

Julia Mungenast

Die Angst, vor Publikum zu sprechen, kann man bekämpfen. Ursula Steinbuch, Psychologin und Autorin des Rede-Training-Programms 'Raus mit der Sprache: Ohne Redeangst durchs Studium' verschreibt dafür als Übung ein Pflichtreferat pro Semester. fudder-Autorin Julia Mungenast hat mit ihr gesprochen:



Haben Sie selbst Redeangst, Frau Steinbuch?


Ursula Steinbuch: Das Reden vor Publikum ist mir selbst nicht leicht gefallen - man beschäftigt sich ja immer mit Dingen, die etwas mit einem selbst zu tun haben!

Es ist normal, dass man aufgeregt ist, wenn man sich exponiert oder etwas sagen will, von dem man nicht weiß, ob es den Kern der Sache trifft. Das geht allen so. Diese Angst äußert sich dann in körperlichen Symptomen: Stimme und Hände zittern, das Herz schlägt bis zum Hals. Ein bisschen Nervosität feuert die Konzentration an, und kann einem sogar helfen - Redeangst hingegen führt dazu, dass die Studierenden Redesituationen vermeiden und schweigen.

Wie verbreitet ist das Phänomen Redeangst ihrer Meinung nach?

Relativ viele Menschen schlagen sich mit dem Problem Redeangst herum. In Uniseminaren beteiligt sich nur die Hälfte der Studierenden aktiv, die anderen hören nur zu und schweigen. Es ist unbefriedigend, wenn man nur passiv am Seminar teilnimmt, obwohl man etwas zu sagen hätte.

Wie kann man als Betroffener mit Redeangst umgehen?

Man sollte sich bewusst machen: Öffentliches Reden ist keine angeborene Fähigkeit, sondern etwas, das man lernen kann. Wenn das am Anfang etwas holprig ist, stellt man mit der Erfahrung fest, es wird immer besser. Man stellt an sich selbst immer die Anforderung, perfekt reden zu können. Man sollte besser denken: Ich mache das jetzt so gut, wie ich es kann, und verbessere mich mit jedem Vortrag.

Ihr Buch basiert auf Seminaren zum Thema Redeangst. Welche Rückmeldung haben Sie von Studierenden bekommen?

Die wichtigste Erfahrung für die Studierenden war: Den anderen geht es auch so. Und: ihre Fremd- und Selbstwahrnehmung sind unterschiedlich. Wir haben in den Seminaren Videobeiträge aufgenommen und besprochen; und die Studierenden haben oft festgestellt, dass sie sich selbst viel kritischer bewerten, als andere das tun. Es war sogar oft so, dass andere Kursteilnehmer Dinge ganz prima fanden, die jemand selbst ganz kritisch bewertet hat. Das zu korrigieren ist ein ganz wichtiger Punkt.

Was raten Sie Lehrenden: Wie können sie Studierenden helfen?

Ich würde jeden Studierenden einmal im Semester ein Referat halten lassen. Das ist eine Möglichkeit, die Redeangst erfolgreich zu bekämpfen, und das Selbstwertgefühl zu steigern. Es geht nicht darum, erst einmal die Angst loszuwerden und dann zu reden; das Ziel ist, mitsamt der Angst zu reden und sie mittels Übung und Erfahrung allmählich abzubauen.



Das Buch

Ursula Steinbuch
Raus mit der Sprache - Ohne Redeangst durchs Studium
campus concret
ISBN 3593378388
12,90 Euro
128 Seiten

Mehr dazu:

    [Bild 1: blixxmagger (Fotolia.com); Bild 2: Privat]