Ohne Flugzeug von Freiburg nach Australien

Sophie Guggenberger

"Ozin3" heißt das Reisevorhaben von David Lohmüller und Marius Schweickhardt. Es bedeutet so viel wie "Australien (Oz) in 3 Monaten". Innerhalb dieser Zeit sollten die beiden Studenten der Uni Freiburg dort ankommen, ohne dabei ein Flugzeug zu benutzen. Den Ozin3-Erlebnisbericht mit Dias gibt es heute Abend um 20.30 Uhr in der Mensabar. Hier eine akustische Einstimmung.



Genau ein Jahr ist es her, seit Marius Schweickhardt und David Lohmüller von ihrer Weltreise von Freiburg nach Australien zurück gekehrt sind. Zeit genug, um knapp 5000 Bilder und reichlich Anekdoten zu sortieren und auf einen präsentationstauglichen Erlebnisbericht zu komprimieren.


Angefangen bei der ersten LKW-Fahrt zum Bosporus, über den Rickshaw-Stau in Bangladesh bis hin zu den holprigen Ritten auf den Ponykutschen Indonesiens - der Weg war das Ziel dieser bodenständigen Weltreise.



Der Diavortrag "Ohne Flugzeug von Freiburg nach Australien" erzählt von den Reisevorbereitungen, von der Faszination des Orients, von der Gastfreundschaft in Iran, vom Schmugglerbasar in Pakistan, von den blühenden Farben Rajasthans in Indien, von kaum zu überlebenden Busfahrten über noch nie gefühlte Schlaglochpisten, von den weißen Palmstränden Thailands, von Dschungelwanderungen in Malaysia, von den lachenden Gesichtern in Indonesien und noch vielem mehr.

In Bild und Ton wollen David und Marius alle Interessenten an ihren Ozin3-Erlebnissen des vergangenen Jahres heute Abend um 20.30 Uhr in der Mensabar teilhaben lassen. Als Einstimmung auf den Diavortrag erfahrt ihr im folgenden Tagebucheintrag von David, wie es ist, in Bangladesh zu verkehren und wie sich das Ganze anhört.



Verkehren in Bangladesh

"Da unsere aktive und passive, in jedem Fall aber tiefe Anteilnahme am Verkehr ein wesentlicher Bestandteil unserer gesamten Reise darstellt, will ich dies mit einem kleinen Special würdigen. Fallbeispiel: Bangladesh.

Vorneweg sei gesagt, dass in diesem Land nur bei zwei meiner motorisierten Transportfahrten kein Blechschaden involviert war. Soviel zur Verkehrsdichte. Darwin greift hier in nie gesehener Ausnahmslosigkeit. Im Grunde ist es ganz einfach: wer am kleinsten ist, muss weichen. Es gibt kein Recht und Unrecht, es gibt nur groß und klein. Ampeln werden von dem ein oder anderen vielleicht peripher wahrgenommen wegen seiner schönen Farbendreifaltigkeit, mehr aber auch nicht.

Hupen - Ein essentieller und fundamentaler Baustein zum Überleben. Stünde ein Bangladeshi Busfahrer vor der Wahl, Hupe oder Bremse, es wäre die Hupe. Statt getunte Motoren, sind es die Quäkmembranen, die zu einer gottlosen Lautstärke aufgepimpt werden. Wer denkt, in Süditalien würde gehupt, der war noch nicht hier. Immer, permanent, stetig, laut, quietschend, pfeifend, gröhlend - in allen erdenklichen akkustischen Farben wird sich Gehör verschafft.



Für alle Daheimgebliebenen habe ich mit meinem mp3-Player völlig wahllos eine Sequenz aus dem täglichen Wahnsinn auf Bangladeshs Straßen mitgeschnitten (Hörprobe siehe unten). Ich habe zwar die einzelnen Hupcodes noch nicht vollständig dechiffrieren können, aber mittlerweile eine solide Idee von dem Konzept bekommen. Dieses sieht aus wie folgt:

Man stelle sich vor, ein Auto will ein anderes überholen. Dies wird schon von weitem mit einem gründlichen Hupen angekündigt, nach dem Motto: "Hey, Hallo, ich werde Dich demnächst mal überholen kommen." Dann geht es weiter mit einem Selbstgesprächs-HupHup "Hmm, ich bin schon ein bischen näher dran." Es folgen "Nicht mehr lange", "Jetzt bin ich da", und das absolute Hupinferno ertönt dann bei "Ich bin gerade dabei dich zu überholen." Es folgen in der Regel kleinere "So das war's"-, "Ging ja einfach"-, und "Bis bald"-Nachbeben.

Das Ganze geschieht natürlich niemals einseitig. Auch der Gegenspieler spart nicht mit Feedback zu jedem einzelnen der Signale des Überholenden. Der Hup-Orbit für einen singulären Überholvorgang kann sich auf bis zu fünf Fahrzeuge ausweiten, was dann insgesamt den deutschen Rückspiegel und über-Schulterkucken Schwachsinn ersetzt.



Und selbst die Fahrradrickshaws, die hier so zahlreich wie nirgendwo sonst die Straßen bewuchern, haben Klingeln da passen Hinkelsteine rein, wenn man sie umdreht. Und die meisten sind gleich mit zweien davon bewaffnet.

Alles in allem herrscht hier auf den Straßen von Bangladesh ein stetes 2800 Dezibel Grundrauschen, das in der Nacht auf durchschnittlich 2780 Dezibel abkühlt.

Ein weiteres akkustisches Schmankerl gibt's noch: Auf einer Zugfahrt saß uns ein ultravoluminöser Herr gegenüber. Dieser redete von den 30 Stunden Fahrt ungefähr 37 Stunden nur übers Essen oder schlief. Er hatte wahrhaftig Unmengen an Nahrung bei sich. Dazu hatte er an einen der Zwischen-Bahnhöfe zusätzlich noch einen Kurier bestellt, der ihn abermals mit 17 Portionen Chickenrice versorgte. All dies soll nur helfen, Euch den "Dicken", wie wir ihn tauften, weil sein Name zu kompliziert war, möglichst lebendig und bildhaft vorzustellen.



Auf was ich eigentlich hinaus will, ist eine Ton-Sequenz, die ich mit meinem mp3-Player aufgenommen habe. Sie lautet: "Das Scharchen des Dicken - Directors Cut" (Hörprobe siehe unten). Leute, ihr werdet Euch wegschmeissen, wenn ihr das zu hören bekommt. Wie kann ein Mensch im Schlaf nur soviel Dezibel produzieren, und dabei nicht einmal aufwachen - ein Geniestreich!"



Mehr dazu:

Was: Diavortrag Ozin3 - Ohne Flugzeug von Freiburg nach Australien
Wann: Donnerstag, 03. Mai 2007, 20.30 Uhr
Wo: Mensabar der Uni-Freiburg
Veranstalter: Internationaler Club, Uni-Freiburg
Eintritt: 2 Euro - Das gesamte Eintrittsgeld kommt einem Hilfsprojekt auf den Komoren (Inselstaat im Indischen Ozean) zugute.

Internet: Reisetagebuch "Ozin3" & Mohéli Hilfsprojekt & Internationaler Club der Universität Freiburg