"Ohne dich will ich nicht mehr sein": Ein Liebesbrief an Facebook

Manuel Lorenz

Diese Woche ist Facebook zehn Jahre alt geworden! fudder-Redakteur Manuel Lorenz hat sich darüber ganz besonders gefreut - und gratuliert dem sozialen Netzwerk mit einem innigen Liebesbrief.



Liebes Facebook,

seit sechs Jahren verbringen wir jeden Tag miteinander. Sechs Jahre sind eine lange Zeit – so manch eine Ehe geht schneller zu Bruch. Ich weiß noch, wie wir uns das erste Mal gesehen haben. Du: einfach, unaufdringlich, neugierig. Ich: redselig, nervös, bemüht. Ich hab’ dir viel erzählt von mir, damals, viel geteilt, viel gezeigt. Was ich grad mache, wo ich grad bin, wie ich mich fühle und was mir gefällt. Du hast mir zugehört, warst niemals genervt. Das hat mir gefallen, und ich hab mich verliebt.


Ich weiß, ich bin weder dein erster noch dein einziger. Ich hab’ nachgeschaut: Ich bin deine Nummer 1.210.978.243, und außer mir sind da noch eine weitere Milliarde. Aber auch du bist ja weder mein erstes noch mein einziges: Mit Hi5 und MySpace hatte ich spannende Affären, mit Lokalisten einen schnöden One-Night-Stand, bei Google Plus war’s lichterlohes Strohfeuer, bei Diaspora etwas rein Intellektuelles. Richtig fremdgegangen bin ich nur mit StudiVZ – und das tut mir immer noch unendlich leid.

Was ich schön finde: dass wir heute eine offene Beziehung führen, und ich mich auch anderswo rumtreiben darf – auf Twitter, Instagram, YouTube und LinkedIn.

Was mich manchmal kränkt: Wie schlecht du mich kennst. Wenn du mir Dinge zeigst, die mich nicht interessieren, mir Menschen vorstellst, auf die ich null Bock hab’, dein Aussehen änderst, ohne mich zu befragen – das schmerzt mich ein wenig, nach all uns’ren Jahren. Weißt du noch nicht, wo von ich nachts träume? Hast du vergessen, welche Wünsche ich hab’? Auch weiß ich mittlerweile, dass du ein Tratschweib bist – dass du anderen von unseren Geheimnissen erzählst.

Und trotzdem will ich ohne dich nicht mehr sein. Und falls wir uns irgendwann doch trennen sollten: In meinem Cache wirst du noch lange weiterleben.

Dein ... ach, du weißt ja, wer ich bin.

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[Bild: Thomas Pajot – Fotolia.com]