Oh, Tiger Lou!

Gina Kutkat

Schön war's gestern Abend. So schön, dass man sich wünschte, das Konzert von Tiger Lou aus Schweden möge niemals enden. Im Auditorium der Jazz & Rock Schulen spielten die Musiker um Songwriter Rasmus Kellerman ein Best Of ihrer melancholischen Pophymnen aus drei Alben.



Die Lichter sind aus. Die Bühne, der Zuschauerraum, die Musiker auf der Bühne, alles ist dunkel. Die ersten Minuten des Tiger Lou Konzerts sind der Schwärze gewidmet. Erst nach Ende des ersten Songs gehen die Lichter zaghaft wieder an. Auf der Bühne sehen wir fünf Musiker, alle komplett in Schwarz gekleidet. Die protzige Goldkette von Schlagzeuger Pontus als einziges Accessoire. Ist die schwarze Kleidung  Ausdruck einer schwarzen, dunklen Stimmung?


Rasmus Kellerman, Mastermind von Tiger Lou, steht am linken Bühnenrand, seine Gitarre hat er hoch über dem Hosenbund geschnallt. Auch die Hosenbeine sind hochgekrempelt, er trägt einfache Stoffschuhe, in denen er leichtfüßig Bühnengymnastik betreibt. Er hüpft, macht große Schritte, wippt mit seinem Körper hin-und her oder stellt seinen Fuß auf das Podest des Schlagzeugers.  Kellerman ist ein dynamischer, natürlicher Frontmann, der zwar mit Worten spart, aber sehr präsent ist. Der schwedische Independent-Künstler spielt seine melancholischen Songs mit einer Attitüde, die Optimismus ausstrahlt.



Vielleicht liegt das an seiner Band. Für Rasmus Kellerman sind Pontus Levahn (Drums), Erik Welén (Bass), Mathias Johansson (Gitarre) und Johnny Karlsson (Gitarre & Keyboard) die besten Leute, die er kennt. "In seven hours it's time to do it all over again. Putting on that stinking shirt, those still-wet-from-the-sweat-of-last-nights-show-pants and claim that stage together with five of the best people I know," schreibt der Frontmann auf der Band-Homepage über die Tour-Routine.

Man sieht, dass hier fünf Freunde auf der Bühne stehen: Kein Frontmann-Mit-Band-Anhängsel, keine Ego-Solos und kein Gebuhle um die Aufmerksamkeit der Zuschauer. Bloß fünf Männer, die sich und das Publikum mitreißen und mit Leib und Seele in den Songs stecken.



Es ist ganz deutlich: Tiger Lou's Musik berührt die Musiker auf die gleiche Weise, wie sie die Zuhörer berührt. Glückliche Seufzer im Publikum, als Kellerman gleich zu Beginn die ersten Töne von "Oh, Horatio" spielt. "I met Horatio/Five years ago/ Outside of Munich/On the way to Rome". Tiger Lou's Songs bedeuten vielen Menschen eine ganze Menge.

Das liegt vielleicht an der Sensibilität, mit der er die Themen behandelt und wie er sie in tolle Melodien verpackt. Die Welt mag düster sein, aber man sieht immer auch Licht am Ende des Tunnels. Das Konzert im Freiburger Auditorium ist keine Live-Version seines aktuellen Albums "A Partial Print" - Kellerman und seine Mannen spielten auch die großartigen Songs der beiden ersten Alben und manch einer betet, dass dieses Konzert niemals aufhören möge.



Das wunderbare "Sell Out" bringt Bewegung in die Bude, "Functions", "Nixon" und "Warmth" sind weitere Klassiker der schwedischen Band, deren zackige Hymnen kaum jemanden still stehen lassen. Anderthalb Stunden spielt die Band eine tolle Mischung der ersten drei Alben, als letzte Zugabe gibt es "All I Have". Musikalisch souverän, überzeugen Tiger Lou auf der ganzen Linie. Sogar die Freiburger Umgebung haben sie sich zuvor angeschaut und bedanken sich beim Publikum für die schöne Stadt. Nichts zu danken!

Die Dunkelheit der ersten fünf Konzertminuten hat sich nicht auf die Gesamtstimmung übertragen. Tiger Lou sind ergreifend lebensfroh und alles andere als unzugänglich oder sperrig. Danke für das wunderschöne Konzert!

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Tiger Lou:  Website & MySpace