Of Montreal: Fröhlich depressiv sein

Carolin Buchheim

"Of Montreal machten die beste und lustigste Musik, die man als depressiver Mensch machen kann" erzählte mir ein Freund Freitagmittag, nachdem er am Vorabend Of Montreal in Köln gesehen hatte. Dieser Satz ging mir Freitagabend im Swamp-Club nicht aus dem Kopf, als Kevin Barnes und Konsorten ein Konzert spielten, für dessen adäquate Beschreibung man eigentlich alle abgegriffen Lobeshymnen-Klischees rausholen und benutzen müsste. Her mit den Superlativen!



....Ein fulminantes Feuerwerk....verschwitzte 90 Minuten zwischen Himmelhochjauchzend und Zutodebetrübt.....ein großartiger Gig voller Ausgelassenheit ohne Oberflächlichkeit....Nein, so furchtbare Superlative will man nicht benutzen, nie, und doch waren das die ersten Sätze, die ich im Kopf hatte, nachdem der Of Montreal-Gig vorbei war.

Das ist ziemlich peinlich; Ich kann diesen Quatsch vor mir selbst nur mit Gig-verursachter Glücks-Amnesie entschuldigen, denn dieses Konzert hat mich wirklich sehr sehr glücklich gemacht, und den seligen Gesichtern im Publikum nach zu urteilen, war ich damit wohl nicht alleine.



Rund 200 freudig erregte Menschen hatten sich Freitagabend im Swamp-Club im Auditorium der Jazz und Rock Schule eingefunden, um Of Montreal zu sehen.

Zunächst bemühten sich LR Rockets aus London eine knappe halbe Stunde lang, das Publikum einzustimmen. Ihr NewWave-Sound wechselte songweise zwischen undefiniert gitarrig-dröhnig und ordentlich treibend-wummernd, war mit skandiertem Gesang versehen und unterhielt zumindest gut.

Schließlich betraten Of Montreal, bezaubernd herausgeputzt in einem Stil irgendwo zwischen Sgt. Pepper's Lonely Heart Club Band, Studio 54 und Verkleiden Spielen mit Björk und den Scissor Sisters, die kleine Bühne des Swamp-Clubs, an diesem Abend durch eine große Videoleinwand aufgewertet,  auf der psychedelischen Background-Projektionen und Comics gezeigt wurden.

Der Refrain des ersten Song Suffer for fashion vom aktuellen Album 'Hissing fauna, are you the destroyer', gab dem Gig sein Motto: "If we've got to burn out, let's do it together, Let's all melt down together, together!"

Und dann wurde dahingeschmolzen, für mehr als 90 Minuten.



Zum einen konnten sich wohl kaum jemand der aggressiven Kreativität und dem zerbrechlichen Charme des Hinreissenden Kevin Barnes entziehen. Wie kann Depression so fröhlich klingen?

Barnes, der sich bei einem Gig Mitte Febuar in Las Vegas bis auf Kummerbund und Fishnets ausgezogen hatte, um nackt (NSFW!) ein paar Songs 'für den Weltfrieden' zu performen, blieb zwar größtenteils bekleidet, wechselte aber mehrfach das Outfit und performte einen Song von einer mehreren Meter hohen Trittleiter, und zwar in ein silbern-glänzendes bodenlanges Gewand gehüllt.



Zum anderen waren es natürlich die düdelig-melodiösen, fröhlichen Songs mit den verzweifelten Texten, die die Menge zum Tanzen und damit zum Schwitzen und Dahinschmelzen brachte.

Besonders die Songs des aktuellen Albums riefen Juchzer und Kreischigkeiten im Publikum aus: Denn wann kann man schon mal ausgelassen lachend zu einem Song über Anti-Depressiva tanzen, wenn nicht auf einem Of Montreal-Gig? Freudig begrüsst wurde auch die Cover-Version des Buzzcocks-Hits 'Ever fallen in love'.

Gegen halb eins schließlich, nach gut eineinhalb Stunden verkleideter Fröhlichkeit, und einer Zugabe waren Band und Publikum gleichermaßen erschöpft und glücklich.

Was Of Montreal im Swamp-Club lieferten war nichts geringeres als eine absolute Perle von einem Konzert: Schillernd bunt, rund, wunderbar sprachlos und superlativ-süchtig machend. Eine Konzert-Perle, die das Freiburger Publikum, von dem ja immer wieder behauptet wird, dass es 'schwer zu überzeugen' und 'nicht für Neues offen' sein soll, enthusiastisch aus den Händen von Swampster Carmelo 'Chico' Policicchio entgegen nahm. Es bleibt ein Rätsel warum derartig tolle Bands aus Angst vor Mißerfolg nicht für das ZMF gebucht werden.

Danke, Of Montreal. Schön war's!

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