Özde muss das Braune streichen

Xenia & Lorenz

Die "Nachgefragt"-Jungs haben am Donnerstag Cem Özdemir eingeladen. Özdemir ist von den Grünen, sitzt im Europarlament und hat mal private mit dienstlichen Bonusmeilen verwechselt. Zwei Rotteck-Gymnasiasten haben sich angeschaut, was Cem in ihrer Schule so alles abgeliefert hat.



Tobias Heidenreich und Levon Kaplanian haben nachgefragt und folgendes herausgefunden: Özdemir und seine Frau (Argentinierin) erziehen die Tochter zweisprachig, spanisch und deutsch. Die kleine Mia Rasha geht in einen deutsch-spanischen Kindergarten und spricht türkisch nur mit den Großeltern. Özdemir schätzt seine Wahlheimat Berlin-Kreuzberg sehr, weil Kinder dort auch mal lauter sein dürfen.


Mit 16 trat Cem den Grünen bei, um mit diesen gegen die Stationierung von Pershingraketen in Westdeutschland zu protestieren.



Integration, sein Hauptthema, bedeutet für ihn nicht nur, dass sich Immigranten in die Gesellschaft integrieren müssen. „Darin müssen sich nicht nur die integrieren, die zugewandert sind, sondern beispielsweise auch die Rechtsradikalen, die der Meinung sind, dass Menschen, die anders aussehen, eine andere Herkunft haben oder bunte Haare haben, dass man die verfolgen oder umbringen kann.“

Auf die Frage hin, was sich in 15 Jahren Integrationspolitik zum Positiven verändert hat, antwortete Özdemir, dass die von Schäuble einberufene Islamkonferenz sowie die Integrationskonferenz von Kanzlerin Merkel als ein Erfolg zu werten seien und so etwas vor eineinhalb Jahrzehnten noch undenkbar gewesen wäre.



Gleichzeitig sieht er aber noch dringenden Verbesserungsbedarf in der Bildungsgerechtigkeit. Denn es könne nicht sein, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein „weißes, deutsches Oberschichtenkind mit gleicher Lesekompetenz und gleicher Mathekompetenz wie ein Migrationkind oder ein deutsches Arbeiterkind aufs Gymnasium kommt, 4 mal so hoch ist.“



Auf der „Action-Bühne“ versucht Özdemir, seine pädagogischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Diese hat er angeblich in der Ausbildung zum Erzieher erlangt. Özdemir bringt dem Publikum einige türkische Wörter bei, etwa „Ja“, „Nein“ und „Ich liebe dich“. Dafür erhält er eine große Prinzenrolle.

Seine eher private Seite zeigt Özdemir dann an der Angreif-Bar. Er plaudert davon, mittlerweile stark schwäbelnd, dass Leute, die sich bunte Krawatten anziehen meist Langweiler sind und die Sitzungen im Europaparlament gar nicht so dröge.



Während Özdemirs Lieblings–Brotaufstrich „Samba“ verspeist wird, erfahren die Zuschauer, welch ein unpünktlicher Mensch er zu Schulzeiten war, dass er sich solch schluderhaftes Verhalten aber heute nicht mehr leisten könne.

Wir gehen mit dem Gefühl nach Hause, ein Stück klüger geworden zu sein und Unterhaltung genossen zu haben.