Öko-Autos: Für Pinguine und Portemonnaie

Audrey Richier

"Nur reiche Leute können es sich leisten, umweltfreundlich zu leben!" lautet ein weit verbreitetes Vorurteil. Wir haben zwei Menschen getroffen, die zeigen, dass man die Umwelt schützen und gleichzeitig Geld sparen kann: Christina Koch und Götz Berger fahren Öko-Autos und denken dabei erst ans Portemonnaie und dann an die Pinguine.



Christina Koch und Götz Berger entsprechen keinem der üblichen Öko-Klischees: Sie tragen keine Birkenstock-Schuhe und auch keine ungefärbte Wolle und kaufen auch nicht nur im Bioladen ein. Trotzdem tun sie etwas für die Umwelt. Beide fahren Autos, die für unseren Planet schonender sind als normale Benzin- oder Diesel-Fahrzeuge. Und zwar nicht nur aus ökölogischen Gründen.


„Besser für die Pinguine,“ sagt Niklas, der fünfjährige Sohn von Christina Koch. „Aber auch für das Portemonnaie“, fügt seine Mutter hinzu. Das hat auch Götz Berger bemerkt. „Der finanzielle Aspekt spielt eine große Rolle in meinem Verhältnis zu Autos.“ Berger und Koch haben sich jedoch nicht für die selbe Lösung entschieden.

 



Mit Hilfe des Ökobonus

Christina Koch fährt einen Honda Civic. Dieser Hybrid-Wagen verbraucht weniger Benzin als ein normales Auto, denn bei einer Geschwindigkeit zwischen 20 und 40 Km/h fährt er mit Strom aus einer Batterie. Diese lädt sich beim Bremsen immer wieder auf. „Es ist also ideal für kurze Strecken und den Stadtverkehr“, sagt Christina Koch.

Angesichts des täglich steigenden Benzinpreises versteht man leicht, warum sich Familie Koch im August 2006 für ein solches Fahrzeug entschieden hat. Aber der Kauf eines Hybrid-Autos ist erst einmal eine große Investition. Es kostet etwa 6000 Euro mehr als das normale Modell, das ausschließlich mit Benzin fährt.
Christina Koch erklärt: „Obwohl der Hybrid in der Anschaffung teurer ist, kommt er durch Steuernachlässe, wie den Öko-Bonus, fast auf denselben Preis wie ein normales Auto.“

Warum nicht Carsharing ?

Den Öko-Bonus kennt Götz Berger nicht. Und zwar aus gutem Grund: Er hat gar kein Auto. „Meistens kann ich darauf verzichten, also habe ich auch nicht vor, eins zu kaufen.“ Dieser Bewohner der Vauban, der drei kleine Kinder hat, benutzt vor allem die umweltfreundlichsten Verkehrsmittel: Bahn und Fahrrad.



Wenn er für seine Arbeit oder für sein Privatleben doch unbedingt einmal ein Auto braucht, nutzt er einen der Wagen des Carsharing-Vereins – am liebsten ein Erdgas-Auto. Eine weitere Möglichkeit, Geld zu sparen, da die Gebühr für Miete und Kraftstoff günstiger sind. Aber auch eine Geste für die Umwelt. „Bei Erdgas ist der CO2-Ausstoß geringer“, sagt Götz Berger.

Im vergangenen Sommer ist Berger sogar in den Familienurlaub nach Sardinien mit einem bei Carsharing gemieteten Erdgasauto gefahren. Eine solche Reise will gut vorbereitet sein: Man muss seine Route vorher festlegen, denn Erdgas-Tankstellen gibt es nicht an jeder Ecke.
 

Nicht vom Auto abhängig sein

Für Götz Berger ist Carsharing die beste Lösung, um nicht vom Auto abhängig zu sein und um das Auto nur zu benutzen, wenn er es unbedingt braucht. Also hat dieser Mann, der eigentlich den finanziellen Aspekt als ersten Grund für die Wahl eines Erdgas-Autos nennt, doch ein umweltfreundliches Gewissen.



Menschen wie Christina Koch und Götz Berger sind die Vorreiter für eine neue Ökomentalität: Sie sind sich bewusst, dass unser Planet in Gefahr ist und wollen etwas dagegen tun – allerdings nicht um jeden Preis. Beide sind sich einig: Sie hätten sich nie für diese umweltfreundlichen Autos entscheiden, wenn sie dafür tiefer in die Tasche hätten greifen müssen. Denn ohne finanzielle Anreize haben Menschen immer noch Schwierigkeiten, ihr tägliches Verhalten umweltfreundlicher zu gestalten.