Ochse im Angebot: Die Plattform Cowfunding Freiburg startet nach Testphase durch

Gina Kutkat

Fleisch online kaufen und sicher wissen, dass es aus der Region kommt: Das ermöglicht die Plattform Cowfunding Freiburg. Was sich in den letzten Monaten getan hat und wie Landwirte und Städter das Projekt aufnehmen, hat Gina Kutkat bei Stephan Schleith nachgefragt.

Im Juni ist Stephan Schleith als Regio-Koordinator zu Moriz Vohrer und seiner Plattform Cowfunding gestoßen, die im März in einer Testphase an den Start gegangen ist. Der 46-jährige Herbolzheimer kümmert sich ab sofort um die Öffentlichkeitsarbeit des Projekts, begleitet die Verkäufe und koordiniert die Übergabe an die Käufer in Freiburg. Gina Kutkat hat mit ihm gesprochen.


Vor sechs Monaten ist Cowfunding Freiburg gestartet. Eine Plattform, über die Landwirte ihre Tiere direkt an den Kunden vermarkten können. Wie kommt das an?

Die erste Testphase Anfang des Jahres war sehr erfolgreich – die ersten zwei Tiere waren schnell verkauft. Es gab dann eine kurze Ruhephase, in der die Website von Gründer Moriz Vohrer neu geschrieben wurde. Die Landwirte können jetzt selbstständig Bilder und Infos über ihre Tiere online veröffentlichen. Jetzt starten wir wieder durch und möchten es schaffen, dass wir durchgängig Fleisch für die Leute im Angebot haben. Seit einer Woche ist der erste Ochse in der Vermarktung und die Leute können wieder online ihr Fleisch bestellen. 44 Prozent des Ochsens sind schon verkauft – ein sehr vielversprechender Start. Wir werden weiterhin vom Ökonauten-Programm des Grünhofs unterstützt, außerdem werden wir vom Biosphärenreservat Schwarzwald finanziell gefördert. Dadurch kann meine Stelle finanziert und das ganze Projekt auf sichere Beine gestellt werden.

"Das Tier steht solange auf der Wiese, bis es zu 100 Prozent verkauft ist."

Cowfunding Freiburg möchte ja die Verbindung zwischen Städtern und Landwirten herstellen. Wie bereitwillig machen denn die Landwirte mit?

Teilweise kommen die Landwirte auf uns zu, teilweise sprechen wir sie an. Die Förderung des Biosphärenreservat setzt voraus, dass wir ausschließlich Landwirte aus dem Biosphärengebiet gewinnen. Da hatten wir in der ersten Phase überhaupt keine Probleme, fünf Landwirte zu finden, mit denen wir jetzt starten. Die Landwirte untereinander kannten das Projekt teilweise bereits und kamen auf uns zu. Auch Ewald Sandmann vom Winterhalterhof aus Oberried, der jetzt seinen Ochsen bei uns verkauft, hat uns angesprochen. Manfred Knobel aus Schönau wird das nächste Tier zur Verfügung stellen und dann wird es dieses Jahr noch Lämmer von einem fahrenden Schäfer geben.

30 Prozent mehr Geld für die Landwirte – das war das anvisierte Ziel des Projekts. Ist das schon Realität geworden?

Der Preis wird von den Landwirten selbst bestimmt. Sie stellen also die Kalkulation selbst auf. Berechnet wird die Finanzierung durch Cowfunding und der Eigenanteil, den jeder selbst leistet. Diese umfasst zum Beispiel die Fahrt zum Metzger "Schmidts Wurstlädele" nach Wittnau. So bekommen die Landwirte, die mit uns zusammenarbeiten, 30 Prozent mehr als vom Großviehhändler. Der Unterschied ist nur, dass sie bei uns auf das Geld länger warten müssen. Denn das Tier steht solange auf der Wiese, bis es zu 100 Prozent verkauft ist. Es wird nicht auf Vorrat geschlachtet, dieser nachhaltige Aspekt steht bei uns im Mittelpunkt.

Könnt ihr dann dem Kunden genau sagen, wann er sein Fleisch bekommt?

Nicht ganz genau. Wenn ein Kunde an einem Tag eine Party schmeißt und dafür Fleisch braucht, können wir ihm nicht zusagen, dass es klappt. Weil wir natürlich nicht wissen, in welchem Tempo das Tier verkauft wird. Wir können nur ungefähre Angaben machen: Drei bis vier Wochen dauert es aber mindestens. Man muss bedenken, dass das Tier auch noch zum Metzger kommt und dort eventuell noch eine Woche hängt, bis der Metzger einen Termin frei hat.

"Im Zastlertal steht ein Ochse vier Jahre lang auf der Weide, das ist sehr außergewöhnlich und muss sich im Preis widerspiegeln."

Ein Paket Ochsenfleisch von 3,25 Kilo kostet 89 Euro. Wie kommt der Preis zustande?

Wir haben mit dem Ochsenfleisch gestartet, das in verschiedenen Preisstufen erhältlich ist. Damit beginnen wir in der höchsten Fleischkategorie, weil die Qualität des Ochsenfleischs so hochwertig ist: Im Zastlertal steht ein Ochse vier Jahre lang auf der Weide, das ist sehr außergewöhnlich und muss sich im Preis widerspiegeln. Im Oktober kommt dann das nächste Tier und danach sind die Lämmer an der Reihe. Die Landwirte verkaufen also Fleisch von glücklichen Tieren und die Städter wissen, wo ihr Fleisch herkommt.
Zur Person
Stephan Schleith, 46, kommt aus Herbolzheim und ist gelernter Buchhändler. Seit Juni 2017 arbeitet er stundenweise als Regio Koordinator für Cowfunding Freiburg. Außerdem arbeitet er bei Interchalet in Freiburg im Servicebereich.

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