Nur noch einmal manisch knutschen

Helena Barop

Bei den ManiACTs, der englischsprachigen Studenten-Theatergruppe, fliegen die Fetzen: In "The Shape of Things" von Neil LaBute wirbeln sich die vier Hauptdarsteller urkomische Dialoge um die Ohren, lassen sich im Bett filmen, versehen ein Kunstwerk im Museum mit einem Grafittipenis und schrecken auch vor "PDA" (Public Display of Affection, also Knutschen) nicht zurück. Morgen Abend ist die Dernière, die letzte Aufführung.



Adam ist ein Loser. Die schmierig-gegelten Haare ordentlich mit dem Kamm auf die Stirn geklebt achtet er im Museum darauf, dass die Besucher den Kunstwerken nicht zu nahe kommen. Seine Freunde kennen ihn nur so, mit seiner frauenvertreibenden Cordjacke und seiner Schüchternheit. Doch dann kommt Evelyn ins Museum um einer Feigenblattverhüllten Statue einen Grafittipenis zu verpassen. Adam kann sie nicht daran hindern, und die beiden kommen ins Gespräch. Schon nach wenigen Minuten gesteht sie ihm: "I think you're cute. I don't like the way you wear your hair".




Evelyn tritt in Adams Leben und verändert ihn. Schon nach kurzer Zeit ist er auf einmal "totally hot". Auch für Adams Freund Phil und seine Verlobte Jenny wird alles anders. "The Shape of things" scheint auf den ersten Blick Beziehungskistenklamauk auf Seifenoperniveau zu sein. Evelyn und Adam, Philipp und Jenny, Adam und Jenny, Philipp und Evelyn und jede Menge PDA... Doch es steckt mehr dahinter. Der Twist nach der Pause kündigt sich subtil an und lässt die Zuschauer kopfschüttelnd zurück.



"The Shape of Things" von Neil LaBute macht Spaß. Witz und Tempo der Dialoge amüsieren und die Schauspieler überzeugen. Nur vier Rollen hat das Stück zu bieten und Regisseur Bernhard Marx hat lange gesucht, um in Nadine Zeller (Evelyn), Miguel Schütz (Adam), Christoph Zürn (Philipp) und Ildiko Preszly (Jenny) die perfekte Besetzung zu finden. Seine Inszenierung lebt von einem einfachen Bühnenbild, das mit ein paar beweglichen Würfeln auskommen und auch als Leinwand für Videoprojektionen herhalten muss.



Typisch für "Bernys" Inszenierungen sind die fließenden Übergänge, erzählt ein ManiACTs-Insider. Als das Licht noch an ist, vermisst das Umbauteam schon die Bühne, schließlich geht es um die "Form der Dinge". Alle Umbauten sind kleine Szenen. Blackouts oder harte Brüche mit gehetzter Räumerei im Dunkeln werden so elegant vermieden.



Jedes Semester läuft in Freiburg eine Produktion der ManiACTs. Die Stücke der English Department Drama Group werden von einzelnen Mitgliedern ausgesucht und immer sind es Studenten, die Regie führen. Nach dem verwirrenden elisabethanischen Drama "A Revengers Tragedy" im Dezember hatten die ManiACTs in diesem Semester sichtlich Spaß an dem modernen Stoff. Und auch den Zuschauern schien es zu gefallen. Am Samstagabend war die Vorstellung fast ausverkauft.

Mehr dazu:

ManiACTs: Website
Was: Dernière von Neil La Butes "The Shape of Things"
Wann: Freitag, 6. Juli 2007, 19:30 Uhr
Wo: Theatersaal der Alten Uni, Bertoldstraße 17, Freiburg
Karten: 7 €, ermäßigt 4 €
Vorverkauf: in der Buchhandlung Walthari