Nur noch das Motorrad im Kopf

Christoph Müller-Stoffels

Wer kennt das nicht, da hat man sich etwas in den Kopf gesetzt und bekommt es nicht mehr raus. Oft sind das Träume, Wünsche, Visionen. Bei unserem Second Life-Blogger Christoph allerdings stellt sich das anders dar: Er hat ein ganzes Motorrad im Kopf.



Hin und wieder schreit das eigene Dasein nach Veränderungen. Das ist in der virtuellen Welt nicht anders, als in der echten. Bei mir wird dieser Wunsch akut, als ich fortwährend von einem Dummkopf in Army-Kostüm belästigt werde. "Na, schöne Frau, ganz alleine hier?" Meine von vornherein vorhandene Abneigung gegen alles Militärische trägt da seinen Teil bei. "Warum glaubst du, dass Soldaten hier gebraucht würden. Eigentlich bist du doch überflüssig." Als er eine Tirade darüber beginnt, dass es bei seinem Job um meine Sicherheit ginge, verdücke ich mich.


Veränderung. Glücklicherweise geht das in SL auf Knopfdruck. Allerdings will ich mich nicht damit zufrieden geben, Geschlecht und Frisur zu wechseln, ich brauche auch ein paar passende Accessoires, etwa männliches. Hyles ist ein Ort, wo man ziemlich viel Zeug kaufen kann. Flügel zum Beispiel. Engelsflügel. Fledermausflügel. Schmetterlingsflügel. Ich entscheide mich für Adlerflügel. Das ist männlich. Die anmutige Grazie dieses mächtigen Tieres auf mich zu übertragen - super! Aber damit nicht genug, direkt nebenan erstehe ich noch ein Motorrad. Und hiermit fangen meine Probleme an.

Ein Motorrad zu haben, ist toll. Allerdings nur, wenn man weiß, wie man damit umgehen muss. Geht es im richtigen Leben darum, das Schlüsselloch zu treffen, ergibt sich im zweiten Leben noch ein weiteres Problem: Wie bekomme ich das Teil unter meinen Hintern? Die Option "wear" bringt es in meinen Brustkorb. Die Einzigartikeit meines Avatars würde damit in jedem Fall unterstrichen. Wer läuft schon mit einem Motorrad im Oberkörper durch die Gegend? Auch in meinen Kopf bringe ich es. Aber das ist nicht ganz meine Absicht. Ich will es vor mich hinstellen, will aufsteigen.

Endlich finde ich die Lösung. War eigentlich ganz einfach, so im Nachhinein betrachtet... Kaum sitze ich drauf, ertönt das heisere Geräusch des startenden Motors. Beglückt drehe ich eine Runde. Zwar habe keine Harley bekommen, sondern "nur" ein BMW-Modell, und richtig bequem scheint es auch nicht zu sein, aber ich bin's zufrieden. Jetzt muss ich nur noch eine geeignete Straße finden.