Nora Sommerkamp: Aus dem Leben eines Models

Oliver Rath

Das ist Nora Sommerkamp (25), amtierende Miss Universe Freiburg 2008. Morgen wird sie bei der ersten Freiburger Modenacht auf dem Laufsteg zu sehen sein. Ein Interview über bübchenhafte Boss-Models und über die Gratwanderung zwischen Professionalität und Tabus.



Glückwunsch Nora, du bist im Februar zur Miss Universe Freiburg gewählt worden. War das ein Zickenkrieg?

Ja, den gab es schon. Viele Mädchen, die da teilgenommen haben, sind wahnsinnig hübsch und sehr ehrgeizig. Da bekommt man schon zu spüren, wer gewinnen will.

War deine Mutter auch schon auf dem Laufsteg?

Nein, obwohl sie früher die Modelmaße gehabt hätte, vielleicht noch eher als ich.

Musst du auf deine Figur achten?

Nicht zu sehr. Ich achte auf gute Ernährung. Klar bin aus dem Alter raus, in dem ich essen konnte, was ich will. Wenn ich mal eine Woche darauf achte, was ich esse, gehen auch die Kilos wieder runter. Ich mache auch regelmäßig Sport.

Sollte dein Freund Modelmaße haben?

Nicht zwingend. Das kann man bei einem Mann auch nur schwer sagen. Es gibt Männer, die haben dieses Hugo-Boss-Gesicht: Bübchenhaft, jung und unerfahren. Es gibt aber auch Männer, die für Unterwäsche modeln, komplett muskelbepackt. Eigentlich würde ich gar nicht so gern mit einem männlichen Model zusammen sein.

Warum nicht?

Kann ich nicht genau sagen. Wenn Frauen modeln und sich dabei gern anschauen lassen, okay. Aber bei einem Kerl finde ich das irgendwie komisch.

Hast du schon viele selbstverliebte männliche Models kennengelernt?

Bisher noch nicht. Die wenigen, die ich kenne, sind bodenständig und normal.



Gibst du viel Geld für Klamotten aus?

Würde ich gern, kann ich aber nicht. Ich spare lieber auf das ein oder andere Teil und freue mich dann umso mehr, wenn ich es mir leisten kann.

Erzähl uns ein missglücktes Laufstegerlebnis.

Bei einer Modenschau musste ich eine Treppe hochlaufen. Ich glaube, die Zuschauer konnten es gar nicht sehen, aber mein Schuh verschwand im selben Moment unter dem Podest.

Au weia.

Ich habe das dann gelöst, indem ich beim nächsten Schritt den anderen Schuh auch ausgezogen habe, um die letzten zwei Schritte barfuß weiterzulaufen.

Wie sieht eine perfekte Setcard aus?

Ein bis zwei Porträts, möglichst ungeschminkt. Dazu ein paar Ganzkörperfotos, die Maße dazu und alle wichtigen Informationen über die Person.

Was rätst du einem Mädchen, das mit Modeln anfangen will?

Wichtig ist, dass man eine gesunde Portion Selbstbewusstsein mitbringt. Ehrgeiz und Eigeninitiative sind entscheidend. Man muss sich selbst um Shootings und Kontakte kümmern. Die Zeiten, in denen man auf der Straße entdeckt wurde, sind im Grunde vorüber, besonders in unserer Gegend.

Wie kommt man an die entsprechenden Kontakte?

Man kann sich direkt an Fotografen wenden. Manche von ihnen machen dann ein Testshooting, damit man ein paar Bilder für seine Setcard sammeln kann. Es gibt auch im Internet diverse Foren, um Kontakte zu Fotografen, Make Up Artists und anderen Models zu knüpfen.

Würdest du dein Gesicht und deinen Körper auch hergeben für eine Werbung, in der es etwa um Putzmittel geht?

Tendenziell schon. Man muss als Model wandelbar sein und darf sich bei einem Casting für nichts zu schade sein. Professionalität zeigen!



Okay. Dennoch: Wo liegt deine Toleranzgrenze?

Vor allem bei Teilakt oder Akt. Da wird man leider viel zu oft angeschrieben. Bei mir zwecklos. Damit kann man sich ganz viel verbauen, wenn die falschen Fotografen die falschen Bilder von einem machen und diese Bilder dann irgendwo auftauchen. Unterwäsche ist eine ganz andere Geschichte, wenn sie dementsprechend hohes Niveau hat.

Wenn dich ein Top-Designer leicht bekleidet auf den Steg schickt, würdest du das also akzeptieren.

Bei einer Modenschau ist es die Mode, die präsentiert wird. Das Model ist quasi nur der Kleiderständer. Aber ich würde nie bei einer kleinen Dorfmodenschau in Dessous rumlaufen, weil ich genau weiß, die schauen auf nichts anderes als auf Beine, Hintern und sonst was.

Anders wäre es bei einem Top-Designer wie Armani. Wenn der sagt: "Ich buch dich, aber dafür läufst du so und so rum", dann würde ich das wohl auch annehmen.

Welchen Beruf hast du erlernt?

Ich bin in einer Hotellerie, bin gelernte Hotelfachfrau und studiere im Moment Hotel und Gastronomiemanagement an der BA in Ravensburg. Im September bin ich fertig.

Straffer Zeitplan.

Es ist schwierig. Aber wenn man das wirklich will, klappt es. Ich wollte eigentlich schon viel früher mit der Modelei anfangen und habe es damals aus Zeitgründen nicht geschafft. Das ärgert mich jetzt wahnsinnig. Ich bin schon 25. Für vieles, was ich vielleicht hätte erreichen können, ist es jetzt zu spät.



Wann bist du das nächste Mal auf dem Laufsteg?

Morgen bei der Freiburger Modenacht. Ich laufe für Esprit und das Freiburger Lederhaus. Freue mich sehr drauf.

Fühlst du dich aufgrund deiner Größe manchmal benachteiligt?

Nein, das war nur früher der Fall. Während meiner Pubertät wäre ich gern zwei Köpfe kleiner gewesen. Dass ich immer die Größte war, war mir oft peinlich. Jetzt gefällt mir das.

Mehr dazu:



Web
: Nora Sommerkamp


Was
: 1. Freiburger Modenacht
Wann: Morgen, 5. April, 19 Uhr Einlass, 20 Uhr Beginn
Wo: Alte Güterbahnhofshalle, Neunlindenstr. 35
Eintritt: 15 € (nur Aftershowparty 6 €)