Noch 'ne Demo: 1000 Schüler und Studenten demonstrieren für Schulreform

Nadine Paulus

Freiburger Studierende haben gestern erneut mit einer Demo auf ihre Forderungen aufmerksam gemacht. Ziel des Protests von rund 1000 Demonstranten war diesmal das Regierungspräsidium für Schule und Bildung.



Mit der Aktion, die unter dem Motto "Klasse Bildung statt Klassenbildung" stand, zeigen die Studenten sich solidarisch mit dem Streik der Schüler. "Wir wollen den Schülern Mut machen und zeigen, dass unser Protest eine gesamtgesellschaftliche Sache ist", so Demoleiterin Lena (22), die an der PH Erziehung und Bildung auf Bachelor studiert.


Ziel des Protestzugs war die Übergabe der schulpolitischen Forderungen der Studierenden an das Regierungspräsidium Schule und Bildung in der Eisenbahnstraße. Unter den Forderungen sind unter anderem mehr Selbstbestimmung und Autonomie für die einzelnen Schulen, bundesweit gleichwertige Bildungsabschlüsse und eine Reform des selektiven viergliedrigen Schulsystems.



Auch wenn es diesmal nicht direkt um studentische Belange ging, waren es nach Schätzungen der Polizei an die 1000 Demonstranten, die sich zu Beginn der Demo vor dem Schwabentor versammelt hatten.

Zur Einstimmung traten die Freiburger Rapper von Qult mit einem eigens für den Bildungsstreik geschriebenen Song auf. Mit Texten wie „Wir wollen, dass die Bildung wieder frei ist, egal ob man schwarz, weiß, arm oder reich ist" trafen sie den Nerv der Demonstranten und ernteten für ihre Showeinlage großen Applaus.



Vom Schwabentor zog der Demonstrationszug durch die Salzstraße bis zum ersten Halt am Bertoldsbrunnen. In einem Redebeitrag wurden dort die bislang  von Politikern und Unileitungen geäußerten Solidaritätsbekundungen kritisiert: „Das sind Lippenbekenntnisse, auf die wir uns nicht verlassen können und dürfen“. Seine Kommilitonen forderte der Redner deshalb dazu auf, den Druck auf die Verantwortlichen weiter zu erhöhen.

Vor dem Uni-Rektorat legte der Demonstrationszug den nächsten Halt ein. Vor dem Eingang bauen einige Demonstranten eine "Bildungsmauer" aus Pappkartons auf, die sie anschließend symbolisch durchbrachen. Über Lautsprecher forderten die Studierenden von der Unileitung eine Reaktion auf die vor einer Woche an sie gerichteten Forderungen.



"Wir wollen Taten sehen", klang es im Chor über den Fahnenbergplatz. Anders als in der vergangenen Woche erschien diesmal allerdings niemand, um zu dem Protest Stellung zu nehmen. Der Demonstrationszug zog weiter über Friedrichstraße und Bismarckallee zum Regierungspräsidium Schule und Bildung in der Eisenbahnstraße.

Dort verselbstständigt sich der Protest, denn anders als von der Demoleitung geplant, stürmten einige Demonstranten in das Foyer des Präsidiums. Die Demoleitung erklärte infolgedessen die Demonstration offiziell für beendet.

Das Regierungspräsidium schickte dennoch einen Sprecher zu der vor dem Gebäude versammelten Menge. Er erklärte, dass das Präsidium zur Diskussion bereit sei, machte aber zum Missfallen der Studenten gleich deutlich, dass nicht alle ihre Forderungen erfüllbar seien.

Auf dem Weg zum KG II war schließlich nur noch der harte Kern des Protestzuges übrig. Der Lautsprecherwagen war bereits abgezogen und auch ein großer Teil der durchgefrorenen Demonstranten hatte sich bereits auf den Heimweg gemacht.



In den kommenden Tagen stehen sowohl an der Uni als auch an der PH weitere Veranstaltungen des Alternativen Vorlesungsverzeichnisses auf dem Plan. Durch die nahenden Feiertage stehen die Studierenden allerdings ein wenig unter Zeitdruck. Denn wenn der Protest sich über Weihnachten nicht verlaufen soll, sollten bald auch konkrete Erfolge erzielt werden.

Demoleiterin Lena zeigte sich zu Beginn der Demo vorsichtig optimistisch: "Wir sind in einer guten Position angesichts der Lage in ganz Deutschland." Sie hoffe, dass der Protest durch kleine Erfolgserlebnisse eine Dynamik beibehält, durch die er sich selbst weiter trägt."