"No taxation without representation!"

Helena Barop

Revolution! Freiburg Tea Party vor dem KGIV! Nachdem die verfasste Studierendenschaft in Baden-Württemberg jetzt seit dreißig Jahren verboten ist, haben es die Studenten satt und fordern teebeutelwerfend ihre Mitbestimmungsrechte ein.



"Give me liberty or give me death!" ruft ein Politikstudent mit dreieckigem Hut und revolutionärem Kostüm. Die Studenten werden auf dem Weg zur Mensa abgefangen, mit kostenlosem Eistee versorgt und dürfen mit Teebeutelweitwurf ins Plantschbecken ihren Unmut kundtun über die partizipatorischen Missstände in der Hochschulpolitik. Ein großes Banner verkündet "No taxation without representation!".




Im 18. Jahrhundert wurden in den amerikanischen Kolonien hohe Steuern auf Dinge erhoben, die die Amerikaner teilweise garnicht kaufen wollten, zum Beispiel auf Tee. Da die Kolonien noch nicht einmal im englischen Parlament vertreten waren, warfen die Revolutionäre kurzerhand eine Schiffsladung Tee in den Bostoner Hafen und forderten Partizipationsrechte.

Ob die Revolution der Politikfachschaft erfolgreich sein wird und schon morgen die Regierung Jäger von einem dreieckig behüteten Studenten abgelöst ist - wir werden sehen. Auf dem legalen Weg wird es zumindest nicht klappen, der Student, der sich auf den Rektorposten beworben hat, ist ja seit kurzem aus dem Rennen. Aber vielleicht durch Teebeutelwerfen?

Spaß beiseite: Die Forderung nach einem politischen Mandat für die verfasste Studierendenschaft ist nicht aus der Luft gegriffen. 1977 zitterte der Staat vor dem RAF-Terrorismus. Radikale Tendenzen fanden vor allem im Umfeld der Universitäten ein williges Publikum. In den unionsgeführten Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern hielt man es in diesem Zusammenhang für sinnvoll, die verfasste Studierendenschaft abzuschaffen. Heute, wo die Studierenden nun auch zur Kasse gebeten werden, fragt nicht nur die Politikfachschaft: Ist es in Ordnung, dass wir zahlen und nichts zu sagen haben?