Nils Landgren: Mr. Red Horn im Jazzhaus

Max Orlich

Man wird Nils Landgren, der wegen seiner roten Posaune wegen auch den Beinamen Mr. Red Horn trägt, wohl kaum als Greenhorn bezeichnen können, der Mann ist einfach ein Profi. Entsprechend routiniert und doch mit einer unglaublichen Freude am Funk ging er gestern Abend im Jazzhaus ans Werk und päsentiert seine aktuelle CD Licence to Funk.



Gleich der Opener macht klar, was heute im fast ausverkauften Jazzhaus ansteht: eine House Party. Mit dem Fred Wesley Klassiker rennt Landgren offene Türen ein, das Publikum ist von Anfang an hellwach. Das muss man auch sein, um mit der Dynamik und dem Tempo der Band mithalten zu können. Gleich der erste Song bietet den Musikern die Gelegenheit, ihr Können mit einem Solo unter Beweis zu stellen.


Es geht reihum: Posaune, Gitarre, Saxophon und Trompete – alle dürfen mal. Alles zusammengehalten von einer mit der Präzision eines Uhrwerks arbeitenden Rhytmusfraktion bestehend aus Wolfgang Haffner an den Drums und Landgrens langjährigem Weggefährten Magnum Coltrane Price am Bass.



Nach knapp der Hälfte des Sets ist es Zeit für eine Verschnaufpause, fürs Publikum aber auch für die Band, die - O-Ton Landgren - „jetzt in eine kleine Piss-Pause geht.“ Auf der Bühne bleiben nur er und Keyboarder Sebastian Studnitzky zurück. Was dann folgt, ist eine wunderbare, sparsame Interpretation von Alison Krauss‘ Ghost in this town, getragen allein von Landgrens zerbrechlicher Stimme und den weichen Klangwelten der Fender Rhodes.



Landgren wirkt an diesem Abend sehr gut gelaunt. Zwischen den Songs richtig in Redelaune, unterhält er das Publikum in fließendem Deutsch mit Anekdoten über den Rest der Band. Man merkt ihm die Freude an, wieder mal im Jazzhaus zu spielen. Doch vor allem ist er ein souveräner Bandleader: ein Fingerzeig genügt und er hat seine Jungs auf den Punkt wieder unter Kontrolle. Gleichzeitig nimmt er sich angenehm zurück, ist ein Teil der Funk Unit.



Genau wie die Soli wird auch der Gesang aufgeteilt, mal übernimmt ihn Landgren, mal Gitarrist Ray Parker Jr., der bereits als 15-Jähriger mit Stevie Wonder spielte. Er erntet zunächst etwas ungläubige Blicke, als er den Titelsong von Ghostbusters anstimmt. Doch der stammt schlicht aus seiner Feder. Meistens steht aber der Bassist am Mikrophon. Und was der da tut, ist schlicht brilliant. Auch wenn er so aussieht, als hätte ihn gestern eine Hardcore-Band im Cräsh vergessen, seine Stimme ist Soul pur, irgendwo zwischen Stevie Wonder, Marvin Gaye und einen Schuss Blackstreet.



Auch wenn Landgren und seine Mitstreiter dem Funk treu bleiben: langweilig wird es nie. Gerade was die Sounds angeht, zeigt er sich experimentierfreudig, verfremdet den Klang seiner Posaune bei den ruhigeren Stücken immer wieder mit sphärischen Effekten. Genau wie Sebastian Studnitzky, diesmal in seinem „Nebenjob“ als Trompeter, sein Solo durch ein Wah-Wah jagt. Doch auch die singende Rampensau am Bass hat an dieser Vielfalt erheblichen Anteil, wenn er sich, neben seinen Qualitäten als Soulman, auch noch als hervorragender Rapper erweist.



Insgesamt ein sehr süffiger Funk-Cocktail, weniger Old-School vielleicht als bei Maceo Parker, sondern eher in der Linie des lässigen P-Funk eines George Clinton. So bleibt nach gut zwei Stunden das Publikum begeistert zurück und singt: „All we need is the funk you’re singing“ Und es bekommt die dritte Zugabe, bevor die rauschende House Party an ihrem Ende angelangt ist.

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