Nightline: Kummerkasten für Studenten

Adrian Hoffmann

0761/2039375 - das ist die Nummer, die Studenten wählen können, wenn sie jemanden zum reden brauchen. Was es alles gibt! Aber ist der Bedarf einer telefonischen Anlaufstelle wirklich so groß? Die Initiatoren der so genannten nightline sagen: Ja. Ihre Hotline ist ab sofort sogar noch öfter in der Woche besetzt ist. Wer dort alles anruft und vor allem warum, das hat uns Simone, eine der freiwilligen studentischen Gesprächsparterinnen, erzählt:



Mittlerweile findet man die Aufkleber der nightline Freiburg sogar schon auf den Unitoiletten, die nightline-Studenten haben sie bewusst dort drauf geklebt. Auf der Toilette kann man sich die Nummer schön unbeobachtet aufschreiben, muss ja nicht jeder wissen, dass man dort anrufen will. An Unis in England sind Telefonhotlines wie diese schon lange weit verbreitet, sie sind auch angesehen und werden von vielen Studenten wahrgenommen. Doch hier hat die nightline ein gewisses Seelsorge-Image. Wahrscheinlich nicht ganz unbegründet, aber wer will, der kann mit Simone auch einfach nur quatschen.


Es sind die unterschiedlichsten Probleme, weswegen Studenten bei ihr anrufen. "Es sind viele Erstsemester dabei, die oft nicht wissen, wie sie in der Uni zurechtkommen können, die mit der neuen Situation überfordert sind, oder die einfach nicht wissen, wie sie Leute kennen lernen können", sagt Simone, die übrigens großen Wert darauf legt, dass sie hier anonymisiert dargestellt wird. Ihr Grund dafür: Wer bei der nightline anruft, der soll sich sicher sein können, dass er mit einem fremden Menschen redet. Und eben durch diese Fremdheit würden manche Anrufer mehr erzählen als vielleicht ihren Freunden und Bekannten, glaubt Simone.

Weitere Gründe, warum Studenten bei der nightline anrufen, seien: Die Angst vor der nächsten Prüfung, auf die man mal wieder zu wenig gelernt hat, der Stress in der WG, in die man sich nicht integrieren kann, oder auch ein Streit in der Beziehung. Simone hat alles schon miterlebt, und vorher mit den anderen Studenten, die bei diesem Projekt mitmachen, den Umgang mit solchen Anrufern gelernt. Sie haben sich dabei an Büchern bekannter Psychologen orientiert, geübt, die richtigen Fragen zu stellen und vor allem, viele Fragen zu stellen. "Wir geben keine Tipps", sagt Simone, wichtiger sei ihr, die Leute in ein Gespräch zu verwickeln, so dass sie ihre Lösung für ihr Problem für sich allein finden. Nach einem kurzen Gespräch könne sie die gesamte Situation des Anrufers noch nicht einschätzen, sagt sie.

Simone selbst studiert gerade Lehramt, die anderen studentischen Gesprächspartner sind bunt gemischt, es gibt welche, die gerade mit dem Studium angefangen haben, aber auch gesprächsbereite Langzeitstudenten. In der Regel geht solch ein Gespräch zwischen wenigen Minuten bis zur Stunde, erst verstecken sich die Anrufer etwas, tasten die Seriosität ihres Gegenübers ab, fragen eher sie aus als von ihrem Leben zu erzählen, aber nach einem kurzen Vorlauf geht es dann los, wenn Simone ihre Fragen zuspitzt. Manche rufen auch mehrer Male an. "Manchmal kommt man gar nicht zur Wort", sagt Simone - aber so soll das ja auch sein.

Meistens enden die Gespräche mit einer gewissen Zufriedenheit des Anrufers. Immerhin hat er das Gefühl, dem richtigen Weg etwas näher gekommen zu sein, und nimmt vielleicht auch mal etwas in die Hand. Und wenn es nicht klappt, kann man ja einfach noch mal anrufen.

Info:

0761/2039375 - das ist die Nummer der Freiburger nightline. Die telefonische Anlaufstelle für Studenten ist im Semester immer Dienstags bis Donnerstags und am Wochenende von 21 bis 1 Uhr.