Nightlife-Guru: Woody im Presswerk Basel

Nightlife-Guru

Root Down, Unity, Sky Night - hart war die Konkurrenz unter den Freiburger Partyveranstaltern am Samstag. Der fudder-Nightlifeguru hatte trotzdem das Gefühl, all das schon zu kennen. Er fuhr lieber nach Basel, zur vielversprechenden Partyreihe "Das Gelbe Billett" im Presswerk - mit Woody, Quarion und Neevo.



An der Tür

Kurz nach 23 Uhr. Noch keine fünf Minuten ist die Tür geöffnet, stehe ich inmitten einer unüberschaubaren Menschentraube und warte in der Basler Kälte auf Einlass. Das zahlreiche Sicherheitspersonal ist angestrengt darum bemüht, uns Wartende zur Ruhe anzuhalten, um dem Anwohnerschutz gerecht zu werden.

Zügig geht’s voran und wenig später drücke ich 25 Schweizer Franken, etwa 15 Euro, an der Kasse ab. Im Gegenzug gibt’s ein One-Way Ticket, aus Sicherheitsgründen. Stichprobenartig müssen die Besucher sich ausweisen. Meine Tasche wird bis auf die kleinste Naht durchsucht und ich werde oberflächlich abgetastet.



Inneneinrichtung / Deko

Bis 1999 beherbergte der Stahlbetonskelettbau aus den Anfangszeiten der modernen Industriearchitektur ein Aluminium-Strangpresswerk. Seit seiner Stilllegung finden in dessen großflächigen Räumlichkeiten und labyrinthartigen Gängen einmal im Monat, jeweils am letzten Samstag, Parties statt.

Im Gegensatz zu so vielen im Loft-Ambiente restaurierten Industriegebäuden ist das Presswerk im Originalzustand belassen, nur der natürlichen Witterung und den Einwirkungen der Gäste ausgesetzt. Von den Wänden bröckeln Putz und Farbe, Rost überzieht den alten Maschinenbestand.

Heizpilze und Heißluftgeräte sorgen in den Bar-/Lounge-Bereichen für angenehme Wärme. Mit braunem Kunstleder bezogene Sitzwürfel laden ein zum Fläzen und Fummeln. Bambusecken dienen als Begrünung und Sichtschutz.



Wer war da?

Basler-Beppi, Züri-Hegel, Bärner Buebe u Meitschi – Jungs und Mädels aus der gesamten deutschsprachigen Schweiz, vom Auszubildenden bei Novartis oder Roche bis hin zum Trader an der Swiss Exchange feiern mit Grenz- und Szenegängern aus dem benachbarten Ausland. Einlass ist grundsätzlich ab 20, bei Mädels wird auch einmal ein Auge zugedrückt.

Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV

Finsternis umgibt mich. Für einen Moment herrscht Totenstille. Nichts sehen. Nichts hören. Die Nähe des anderen ist nur zu erfühlen. Ein sanftes Rauschen beendet diesen meditativen Zustand. Es schwillt an, wird immer lauter, fast schon unerträglich. Jetzt durchzucken einzelne Lichtblitze den Raum, treffen meine Netzhaut, durchschneiden die Dunkelheit und die sauerstoffarme Luft.

Bedrohlich rumpeln die Bässe, schwere Beats prasseln auf den Dancefloor und Detroiteske Chords lassen den Raum erzittern. Techno. Maschinenfunk. Und diesen hat Woody, der Main Act des heutigen Abends, mit Löffeln gefressen.



Stunden zuvor: Neevo, der sympathische Basler DJ, dem Freiburger Partygänger bekannt durch seine Sets bei Tageins, bettet die Crowd sanft ein in einen deepen, harmonischen und raumfüllenden Groove, der allmählich wächst und von Vinyl zu Vinyl in Richtung Dancefloor schiebt. Melodiös und dennoch angenehm kratzig rauh, treibende Shuffles, druckvolle Rhythmen und schwer im Sound – kaum einer kann sich der Musikauswahl des Basler Locals entziehen.

Weit nach Mitternacht. Neevo übergibt eine bereits jetzt ekstatisch tanzende Crowd an Yanneck Salvo, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Quarion. In einer energetischen Live P A präsentiert er seine Tracks, organisch-warme Vibes zwischen House und Techno. Als er Takin’ No Shorts einspielt, gibt es kein Halten mehr. Die Luft brennt.



Catering / Getränkekarte

Fürs leibliche Wohl sorgen zwei Bars, deren Personal einem gewaltigen Ansturm gerecht werden muss. Anfangs manchmal überfordert, wurde es zur Peak Time noch schlimmer. Denn: das Publikum des Presswerks ist überaus trinkfreudig. Selbst als das Licht anging, wurden noch unzählige Kurze über den Tresen gereicht.

Was die Preise betrifft, muss der Freiburger Partygänger erstmal schlucken: Wasser, Cola und andere Softdrinks kosten 4 Franken. Bier – Feldschlösschen und Calanda – gibt’s aus der Weissblechdose zu 6 Franken. Longdrinks kosten, je nach Alkohol, zwischen 12 und 14 Franken.

Zu Beginn der Nacht werden im Eingangsbereich Hot Dogs verkauft. Doch als mein Körper in den Morgenstunden nach etwas Salzhaltigem verlangt, war der Verkauf bereits wieder eingestellt.

Auf dem Klo um halb vier

Ein junges Mädel lehnt an der Wand. Auf den ersten Blick scheint sie sehr verstrahlt und mit sich selbst beschäftigt. Ich vermute jedoch, dass sie den Herren der Schöpfung an der Pinkelrinne über die Schulter blicken möchte, um sich ihr Objekt der Begierde sorgfältig auszusuchen. Wie lange sie da steht, entzieht sich meiner Kenntnis. Später sehe ich, wie sie einen jungen Mann gegen die kalte nackte Betonwand drückt und leidenschaftlich küsst.



Aufheiterle

„Jetzt ist er drin“, haucht mir eine schöne Brünette ins Ohr und zieht mich noch näher an sich. Sanft löst sich ihre Hand von meinem Nacken, streicht über meinen verschwitzten Oberkörper, und verschwindet in der Dunkelheit des Clubs. Gemeint ist der Flyer für eine am kommenden Wochenende stattfindende Party, den eine Promoterin umständlich in meine Hosentasche zu schieben versuchte.

Aufregerle

Keines.

Fazit

„Come early, leave late“ lautet das ungeschriebene Motto der Presswerkgänger. Hier darf House noch House, Techno noch Techno sein. Ich werde wiederkommen.

Mehr dazu:

Presswerk: Gelbes Billett