Nightlife-Guru: Weihnachtsfeier der SC-Fanclubs im Jazzhaus

Nightlife-Guru

Am Montagabend fand im Jazzhaus die gemeinsame Weihnachtsfeier aller in der Fangemeinschaft organisierten SC-Fanclubs statt. Ob es trotz der 0:4 Niederlage in Köln und der aktuellen Tabellensituation etwas zu feiern gab, hat der Nightlife-Guru für uns überprüft.







Die Jungs an der Tür

Der Abend beginnt amüsant: Auf dem Weg zum Jazzhaus kann ich beobachten, wie vier SC-Spieler ihren Teamkollegen im Geländewagen in eine kleine Parklücke einweisen möchten. Zwei von den Jungs stehen dabei an den Türen, zwei hinter dem Fahrzeug. Lautstarke Anweisungen. Das Unterfangen scheitert, es wird ein anderer Parkplatz gesucht.

Aber auf zur SC-Fanclub Weihnachtsfeier. Auf meinem Weg hinab ins Jazzhaus bereite ich mich mental auf blinkende Lamettafüchsle, fußballförmige Christbaumkugeln und reichlich Glühwein vor. Das Fehlen einer großen Schlange am Eingang verwundert mich. Kurze Körpertäuschung und mit einem Slalomlauf um die vereinzelt draußen stehenden Raucher begebe ich mich die letzten Treppenstufen hinab. Passend zum Gründungsjahr des Sport-Club Freiburg geht es um 19:04 Uhr offiziell los.

Meine Uhr zeigt, dass ich vier Minuten zu spät dran bin. Schnell rein, nicht dass ich was verpasse. In rot-weiße Regenjacken gekleidete Stempler halten das Tor sauber, wie Richard Golz in seinen besten Zeiten. Heute kommen nur Mitglieder der Freiburger Fanclubs rein. Keine Ausnahmen. Den verwaschenen Stempel zu entziffern versuchend, stolper' ich durch die Tür.

Inneneinrichtung & Deko

Keine blinkenden Lamettafüchsle und keine fußballförmigen Christbaumkugeln. Nicht mal ein Tannenbaum ist zu entdecken. Weihnachtsatmosphäre: Fehlanzeige. Wenigsten strahlen die zahlreich aufgehängten SC-Banner in weihnachtlichem Rot. Dort wo bei 80er-Partys Musikvideos von Modern Talking und Madonna an die Wand projeziert werden, ist heute das Sport-Club Wappen zu sehen. Während ich mich noch wundere, wo sich denn die angekündigten 400 Fans befinden, entdecke ich, dass der angrenzende Keller vom "Weinschlösschen" heute geöffnet ist. Bier- und Stehtische sind alle belegt. Hier haben die sich also versteckt. Verständlich, gibt es hier auch das Buffet und das komplette SC-Team zu sehen. 





Wer war da?

Das gesamte Team, Makus Sorg und der Rest vom Trainerstab, Präsident Fritz Keller, der Fanbeauftragte, der offizielle SC-DJ Marko und auch sonst gefühlt jeder, der in irgendeiner Art und Weise für den Sportclub arbeitet. Von Seiten der Fanclubs kamen etwa 400 tapfere Unterstützer. Jung und alt, klein und groß, dick und dünn. Manche tragen ihre Liebe zum Verein mit Schaals, Trikots und Regencapes zur Schau, andere sind zivil da. Was die Älteren unter ihnen verbindet, ist das obligatorische Bier in der Hand.

In kleinen Grüppchen versammelt werden lautstark Krisendiskussionen geführt. Wortfetzen wie "... soll der Cisse doch gehen" und "Sorg muss weg!" sind zu hören. Auch ein schwarz angemalter Cisse-Fan kann die Stimmung nicht wirklich erheitern. Die Niederlage in Köln scheint fast jedem weiterhin auf's Gemüt zu schlagen.

Catering und Getränke

Am Eingang erhält jeder mit Eintrittskarte drei Getränkebons. Ob sich wohl einige Fans nur davon haben locken lassen? Ein dunkles Gefühl beschleicht mich: Bin ich wirklich auf einer Weihnachtsfeier? Es gibt keinen Glühwein! Na gut, Bier ist auch nicht verkehrt. Für die Beisser, die in letzter Zeit doch das ein oder andere Knirschen ertragen mussten, gibt es gratis Kartoffelgratin mit Schäufele und Salat. Dazu eine leckere, aber strengriechende Knoblauchsoße. Während die Spieler fleissig Autogramme geben, habe ich ein bisschen Mitleid mit deren Geruchsorganen.



Klangwaren-TÜV und Partyatmosphäre


Partyatmosphäre?
Mhhhhhh. SC-DJ Marko bemüht sich, mit diversen Stadionhits so etwas wie Stimmung in die Veranstaltung zu bringen - recht klappen will das allerdings nicht. Kurz vor dem Einlaufen der Spieler auf die Bühne verabschiedet sich der Laptop und die Musik setzt aus. Hektik beim DJ. In letzter Sekunde klappt es dann doch noch: "SC Freiburg vor, immer wieder vor!"

Die Bühne füllt sich mit dem gesamten Team, richtig Stimmung kommt dennoch nicht auf. Auch der Moderator merkt schnell, dass er heute mit Fragen zum vergangenen Spiel in einer offenen Wunde bohrt und nimmt stattdessen Weihnachten in den Fokus. Was für Geschenke es denn für die Kinder gebe, wird Julian Schuster gefragt. "Das weiß nur das Christkind!"

Athletiktrainer Simon Ickert erlaubt den Spielern zwar beim Festtagsessen ordentlich zuzuschlagen, warnt aber dennoch: "Wer zu viel isst, wird in der Vorbereitung leiden müssen." Die Spieler freuen sich auf die besinnliche Zeit im Kreise der Familie. Wer weiß: Vielleicht kann man ja beim kommenden Spiel gegen Dortmund noch 3 Punkte als Präsent einsacken. Nach 20 Minuten verteilt sich das komplette Team bewaffnet mit Eddings und Autogrammkarten im Raum. Fotos werden geschossen und die Schürzen der Caterer signiert.

"Marko, los!"
schallt es durchs Jazzhaus und der DJ drückt den Playbutton. Zumindest musikalisch gibt es Stadionatmosphäre. Auch wenn ich fünf Getränkemarken darauf gewettet hätte: "You'll never walk alone" wird an dem Abend nicht gespielt.
Auf dem Klo um 19:58 Uhr

Angenehme Ruhe herrscht als ich das Klo betrete. Kein Stadionrock, keine lautstarken Trainerdiskussionen. Plötzlich werde ich von einem halben Dutzend SC-Spielern umringt, die kurz vor ihrem Auftritt noch mal die Blase leeren müssen. Meine prominenten Pissoirnachbarn: Papis Demba Cisse und Yacine Abdessadki. Da ist es dann bei mir erstmal vorbei mit Pipi machen.

Aufregerle

Das wohl größte Aufregerle liegt schon ein paar Tage zurück: Die bittere Schlappe in Köln hat den Fans und allen Beteiligten ordentlich die Stimmung verhagelt. Wo man auch hinhört, überall wird über das 0:4 in Köln lamentiert.

Aufheiterle


Galgenhumor.
Fritz Keller's Versuch, die Pleite am vergangenen Samstag zu erklären, war dafür exemplarisch: "1904 wurde der SC gegründet, um 19:04 ging's los und 0:4 haben wir verloren, passt doch ganz gut."  



Fazit

Eigentlich ist es ja eine Supersache, mit Fans und Team eine Weihnachtsfeier zu veranstalten. Doch wer sich bei der Weihnachtsfeier der (ehemaligen?) Breisgau-Brasilianer Samba und Rio'sche Karnevalstimmung erhofft hat, wurde leider enttäuscht. Die Stimmung war vergleichbar mit der aktuellen Tabellensituation und der Location: Im Keller. Es hätte wohl dankbarere Zeitpunkte für eine solche Feier gegeben, aber Weihnachten kann man nun mal nicht einfach verschieben.

Bleibt zu hoffen, dass dem Sport-Club am Samstag die große Überraschung gelingt und die Borussen aus Dortmund ohne Punkt nach Hause geschickt werden. Wenigstens die Stimmung unter den südbadischen Weihnachtsbäumen wäre dann vielleicht wieder erstligareif.

 

Mehr dazu:

  fudder: SC Freiburg verliert 0:4 in Köln: Ganz unten angekommen Web: SC Freiburg