Nightlife-Guru: Verstehen Sie Spaß? in der Rothausarena

Nightlife-Guru

Wenn sich schon Humorgranaten wie Markus Maria Profitlich, Stefan Mross und Kaya Yanar bei Kalauergigant Guido Cantz anmelden, darf unser Nightlife-Guru natürlich nicht fehlen, schon gar nicht, wenn das Ganze live in der Rothausarena über die Bühne geht. Hier kommt ein etwas ernüchternder Bericht vom Samstagabend.



Die Jungs an der Tür

Entspannte Lage. Wer Andrang und Einlassschlangen vor der Tür erwartet, wird positiv überrascht. Hier könnte gerade auch das Treffen des Kleintierzuchtvereins Mooswald stattfinden, den Unterschied würde keiner bemerken. Ohne Taschenkontrolle wird nur schnell das Ticket entwertet und schon sind wir drin in der großen und lieblos dekorierten Eingangshalle.

Catering und Getränke

Da es während der Live-Sendung Essen und Trinken untersagt ist, nutzen wir die wenige Zeit vor Showtime und plündern den Hallen-Gastrostand, der sich reger Beliebtheit erfreut. Neben den üblichen Getränken (Bier 3 €, Schorle 2,50 €, Sekt 4 €) werden neben Butterbrezeln auch Partybrötchen angeboten. Laut Standbesitzer anscheinend DAS Highlight schlechthin und für 2,50 € fast ein Schnäppchen. Die Zutaten des Partybrötchens sind wahlweise Salami, Schinken oder Käse und ein Salatblatt. Knaller! Kein Wunder, dass die Dinger eine halbe Stunde vor Beginn fast schon vergriffen waren.



Inneneinrichtung & Deko

Die Eingangshalle der Rothaus Arena ist großräumig und hat eine breite Fensterfront. Sonst hat sie nichts. Nirgendwo findet man Hinweise auf die an diesem Abend stattfindende Livesendung. Da versprüht selbst eine Bahnhofshalle mehr Charme. Zumindest bietet der Saal, in dem die Sendung produziert wird, etwas mehr. Wenn auch nicht viel mehr.

Irgendwie erwarte ich Sitzreihen und Tribünen, soweit das Auge reicht („Wetten, dass..?“ mal als Maßstab genommen), aber hier wird dann doch sehr deutlich, dass „Verstehen Sie Spaß?“ höchstens die Nummer Zwei der Samstagabend-Fernsehunterhaltung ist. Der Saal und die Anzahl der Besucher sind überschaubar. Alles in allem zähle ich vier Sitzblöcke mit etwa 20 Stuhlreihen, wobei der ganz linke komplett unbesetzt bleibt und wir sogar direkt vor Beginn noch einige Plätze aufrutschen müssen, damit ja keine Lücken zu erkennen sind.

Die Bühne mit netter Couch, die ich mir aber auch nie in mein Wohnzimmer stellen würde, sieht ganz gut aus. Hübsch blinkende Lichter, eine kleine Showtreppe, über die in Las Vegas jeder nur müde lächeln würde und zwei große Leinwände an den Seiten sind dann auch schon alles.



Wer war am Start?

Die Promidichte ist überschaubar. Immerhin haben es OB Salomon nebst Gattin, Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach und der Finanzminister Baden-Württembergs, Willi Stächele, der aus mir unerklärlichen Gründen vom Publikum frenetisch gefeiert wird, in die Arena geschafft. Auch für Joachim Löw ist ein Platz reserviert. Er bleibt aber trotz Cantz’ Aufforderung via TV, doch bitte noch zu kommen, den ganzen Abend unbesetzt. Als ob Löw nach der WM nichts Besseres zu tun hätte. Die Sendeleitung hätte vorher vielleicht mal bei Theo Zwanziger nachfragen sollen, was denn ein Bundestrainer momentan so für Antrittssummen aufruft.

Das Publikum ist anspruchslos, schmerzfrei, absolut begeisterungsfähig und feiert jeden Promi, als ob es kein Morgen gäbe. Vom Nachwuchs-Bushido über Frauen in kanarienvogel-farbenen Kleidern, quasi das Hawaii-Hemd für die Dame von nebenan und vielen Eltern mit Kindern, die sich kaputt lachen, wenn Markus Maria Profitlich aus Versehen „Kacke“ sagt, ist hier eine ganze Menge vertreten. Nur die Altersgruppe 20–35 sucht man hier vergeblich. Der Rest bewegt sich so im Alter um die 50, pflegt penibel die Halbglatze, fühlt und kleidet sich eigentlich noch wie 30. Denken sie zumindest… Ach ja, Stefan Effenberg war auch da, ach ne, war ja Guido Cantz, der Effe in Wirklichkeit noch viel ähnlicher sieht als im Fernsehen.

Party-Atmo und Klang-TÜV

Schon 20 Minuten vor der Show wird alles dafür getan, das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen. Nach einem kurzen Briefing über Dinge, die man während der Sendung darf (immer lächeln, viel klatschen, voll gut drauf sein) und nicht darf (essen, trinken, auf die Bühne rennen, zum Klo gehen, Handys anhaben, fotografieren), kommt der Einheizer.

Mit einem recht gelungenen Stand-Up, das den eigentlichen Hauptact Guido Cantz ziemlich in den Schatten stellt und mich ab Beginn der Sendung den Wunsch verspüren lässt, die beiden einfach schnell auszutauschen, sorgt er zu Recht für viele Lacher. Aber richtig ab geht’s dann um 20:15 Uhr. Die Show beginnt, Cantz dreht auf, die Menge tobt und zack gibt’s den ersten Einspieler. Ui, jetzt der erste Promi: Ruth Moschner! „Wer?“ frage ich mich, ist aber eigentlich auch egal, sieht ganz gut aus und das Kleid ist atemberaubend.

Ein Highlight reiht sich ans nächste. Kaya Yanar kommt und verleiht der Sendung zumindest etwas Glanz, sitzt aber später die meiste Zeit extrem gelangweilt auf der Couch. Tom Buhrow ist ein sehr guter und sympathischer Nachrichtensprecher, aber sicherlich kein Showmaster oder Entertainer (Guido Cantz übrigens auch nicht) und Markus Maria Profitlich versucht zu verkrampft und ohne Erfolg, lustig zu sein, hat dafür aber einen guten Einspielfilm.



Aber das ist alles nichts gegen den König des Schlagers - Stefan Mross. Was sich so schon gruselig anhört, wird noch gruseliger, wenn man ihn live erlebt. Aalglatt, schmierig und vollkommen unentspannt sitzt er zwar mittendrin, aber irgendwie nie richtig dabei und scheint absolut Null Komma Null Spaß zu verstehen. Der Menge ist es egal, kaum wird er angesagt und betritt die Bühne, dreht die Meute total durch und feiert jedes Wort. Für mich der absolute Tiefpunkt der Sendung.

Das musikalische Niveau passt sich astrein dem Niveau von „Verstehen Sie Spass?“ an. Die Musik ist im Studio höllenlaut und warum muss eigentlich jeder, also wirklich jeder, kaum ist ein Beat zu hören, mitklatschen? Und zwar immer, bei jeder sich bietenden Gelegenheit! Ist das in anderen Ländern auch so oder braucht nur der Deutsche diese Proll-Bierzelt-Atmosphäre?

Foreigner spielen ihre größten Hits und alle Klischees werden erfüllt. Pünktlich zu „I want to know what love is“ entzünden sich vereinzelt die Feuerzeuge und wer 40 Jahre und älter ist, singt natürlich mit. Die weiteren Acts sind Stefan Mross himself und irgendwelche Franzosen, die beim Eurovision Song Contest in Oslo mit ihrem Song baden gingen, es aber irgendwie schafften, diesen als offiziellen WM-Song zu vermarkten. Wenigstens zeigt der Bandleader auf der Bühne mehr Laufbereitschaft als Nicolas Anelka während der Fußball-WM.

Auf dem Klo nach der Show

Alles sauber und geräumig. Die Leute sind nüchtern und immer noch vollkommen euphorisch wegen der Sendung. In bester Stimmung erzählt man sich am Pissoir Guidos beste Sprüche, wie zum Beispiel diesen hier: „Jetzt nach der WM sollten die Franzosen nicht mehr „Les Bleus“ sondern „Les Blöd“ genannt werden“. Und so jagt ein Schenkelklopfer den nächsten.



Aufheiterle

Definitiv Kaya Yanar, weil er ein guter Comedian ist und dazu auch nicht jeden Quatsch mitmacht. Es war mehr als offensichtlich, dass Guido Cantz ein ganz großer Fan von Stefan Mross ist, so wie er im Halbdunkeln neben seinen Gästen mitwippend, klatschend, Fuß stampfend und singend zu Mross’ Performance abging, während Yanar eher missmutig und peinlich berührt zu Boden schaute und nur noch den Schluss der Sendung abwartete.

Aufregerle

Die Luft in der Halle. Wie Cantz zu Beginn der Show schon treffend bemerkte: „Die Deutsche Bahn und die Rothaus Arena scheinen ihre Klimaanlagen beim gleichen Hersteller gekauft zu haben.“ Während jedes Musik-Acts und Einspielers stürzte sich eine Armada von Visagistinnen auf den Moderator und die Gäste, um Schweißperlen abzutupfen und Lipgloss nachzuziehen.

Man kann sich gut vorstellen, wie sehr einen als Zuschauer 160 Minuten Sendung plus das ganze Vorgeplänkel in der Hitze komplett mürbe machen können. Und dann immer dieses ganze Geklatsche. Furchtbar anstrengend.



Fazit

Der Glamourfaktor war gleich Null, die Sendung solide mit einigen Ausreißern nach unten und ein paar wenigen nach oben. Vor dem Fernseher wäre ich vermutlich eingeschlafen. So war es mal recht interessant, auch ein paar Blicke hinter die Kulissen einer großen TV-Produktion werfen zu können. Das gehörte zwar nicht auf meine Liste der „100 Dinge, die ich in meinem Leben noch erledigen will“, war aber trotzdem mal eine nette Abwechslung. Wobei der Eintrittspreis von € 29,- dafür meines Erachtens zu hoch ist.

[Fotos: Guru, dpa, Rita Eggstein]

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