Nightlife-Guru: VAG-Singleparty "Haltestelle Herzklopfen"

Nightlife-Guru

Romantik und Straßenbahn? Durchaus. Am Freitag hat die VAG eine Singleparty in ihrem Erlebniswagen veranstaltet. Unter dem Motto "Haltestelle Herzklopfen" fanden sich einige nach Liebe dürstenden Damen und Herren ein, um auf den Schienen Freiburgs und anschließend im Waldsee zu flirten.



Die Jungs an der Tür

Der Erlebniswagen steht vor der Sparkasse an der KaJo. Da man sich für das rauschende Fest übers Internet anmelden musste ("Nur noch wenige Plätze vorhanden!"), erwarten meine Gefährtin und ich eigentlich eine dementsprechende Schlange vorm Vehikel. Aber nichts dergleichen. Zehn Minuten vor Abfahrt wurde von einem freundlichen Herren in VAG-Jacke nur schnell der Name kontrolliert und dann viel Spaß gewünscht. Eintritt frei. Im Wagen herrscht wenig Betrieb, Musik ist keine zu hören.

Flirthilfen

  Eine weitere VAG-Mitarbeiterin streckt uns lächelnd zwei Kästen mit blinkenden Ansteckern in Herzform entgegen. Darauf geklebt sind Zahlen. „Ungerade für Jungs, gerade für die Mädchen.“ Wir greifen in die Kiste und ziehen jeweils die 14 und die 39. Kein gutes Omen für eine Singleparty, eigentlich auch generell nicht.

Doch die VAG hat noch ein weiteres Ass im Ärmel, um die schüchternen Damen und Herren heute Abend schneller zueinander finden zu lassen. Einstiegshilfe Fragenkarte. Auf den uns ausgehändigten Karten stehen drei Fragen, jeweils einer Nummer zugeordnet.

Offensichtlich soll man sich also seinen Zufallspartner aussuchen und mit Fragen wie „Wenn Katholiken auf ne Demo gehen, sind sie dann Protestanten?“ das Eis brechen. Und wenn’s bei der ersten Dame nicht klappt, hat man ja noch zwei weitere absurde Fragen auf Lager.



Inneneinrichtung und Deko

Die Inneneinrichtung einer Freiburger Straßenbahn sollte den meisten Lesern wohlbekannt sein. Und außer einem mysteriösen roten Vorhang, den man vor die Fahrerkabine gespannt hat, kann man den Erlebniswagen kaum von einer normalen Straßenbahn unterscheiden. In einer Ecke wurde eilig ein Klapptisch als improvisierte Bar aufgebaut. Immerhin hat der Erlebniswagen eine Anlage, allerdings wird nur der Uni-Radiosender gespielt. Kein Lionel Richie zu grellem Neonlicht, ich bin aufrichtig enttäuscht.

Der Aufbau eines normalen Straßenbahnwagens erschwert zu Anfang noch das Kennenlernen, sofort sammeln sich die in Gruppen kommenden Gäste in den Vierern, vornehmlich mit sich selbst beschäftigt. Nach zehn Minuten geht die Fahrt los. Erstes Ziel Vauban: „Dort gibt es eine Pinkelpause.“



Wer war da?

Bei Fahrtantritt wird gejohlt. Eine Gruppe, bestehend aus circa fünf 20-jährigen Gentlemen, versucht ihre Aufregung gar nicht erst zu verstecken. Langsam füllt sich die Bar. Wenn man den Weg von seinem Vierer bis zur Bar zurücklegt, mustern einen neugierige Augenpaare von links und rechts. Es ist wie ein Schaulauf. Die anwesenden Damen sind meist ebenso in Kleingruppen gekommen und sitzen, mit blinkenden Herzen ausgestattet, erwartungsvoll in ihren Vierern.

Bekleidungstechnisch bleibt alles im gewohnten H&M-Rahmen, nur zwei sehr hübsch gekleidete Studentinnen stechen heraus und wissen das anscheinend auch genau. Ein sehr entspannter Security-Mann, zu erkennen an der obligatorischen Glatze, schäkert mit den aufgeregten Jungspunden. Der Barmann verteilt fleißig das sehr billige Bier. Der Abend wird bestimmt nicht so übel, wie erwartet.

Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV

Oder vielleicht doch. Die aufgeregten Jünglinge scheinen nun voll auf Testosteron. Wie zum Hahnenkampf versammelt man sich im Türbereich, Namen werden im Chor gerufen. Möge der unvermeidliche Klimmzugcontest beginnen! Doch irgendwie traut sich keiner. Durch Zaudern beim sich lächerlich Machen imponiert man den Damen allerdings nicht, da ist vollste zur Schau getragene Männlichkeit gefragt. Also entschließe ich mich, zum Leidwesen meiner Begleitung, ein wenig Stimmung in die Bude zu bringen und fange an, mich an der Stange hoch zu ziehen.

Es wird geklatscht und gejohlt. Meiner Aufforderung, mir doch bitte nachzueifern, will trotzdem keiner nachkommen. Mist, alles umsonst. Wären bestimmt schöne Bilder geworden. Die Damen kichern, ich bin bloßgestellt. Schnell kommen wir aber mit der sympathischen Gruppe ins Gespräch, es wird noch über Liegestütze verhandelt. Aber auch hier kann sich trotz ständigem, barbarisch anmutendem Namenbrüllen keiner durchringen.



Ein muskulöser Bursche, beim Kreiswehrersatzamt tätig, beginnt ein Gespräch mit meiner Begleitung. Ich hatte das Schlimmste befürchtet, als dann aber Sätze wie: „Ohje, ich möchte euch wirklich nicht langweilen.“ Oder „Wenn ich euch hier auf die Nerven gehe, sagt das bitte!“ fallen, muss ich schmunzeln. Nach mehrfachen Versicherungen, dass uns seine Anwesenheit ganz und gar nicht unangenehm ist, schlendert er zur Bar. Haltestelle höfliche Zurückhaltung.

Zur Musik muss ich mich nicht äußern. Das Uni-Radio spielt, was ein Uni-Radio eben spielt. Spätestens bei der dritten Wiederholung von D.A.N.C.E. hätte man sich etwas Abwechslung gewünscht. Beziehungsweise einen Plattenteller oder wenigstens einen CD-Spieler.

Catering und Getränkekarte

Das Angebot ist spärlich, erfüllt aber seinen Zweck. Zu humanen Preisen ausgegebenes Bier, Wasser und Cola. Rudimentärer Partyspaß. Wer richtig was hermachen will, bestellt sich einen Mai Tai oder Sex on the Beach aus der Dose für drei Euro. Schon fertig gemixt und deswegen an Traurigkeit kaum zu überbieten. Aber hübsch im Plastikbecher mit Eis serviert. So lässt es sich leben, an einem lauen Sommerabend in der Straßenbahn.



Auf dem Klo um halb 12

Es gibt kein Klo. Die angekündigte Pinkelpause in der Vauban wird allerdings umgesetzt. Dummerweise hält man an einer riesigen Wiese, also können nur meine männlichen Kollegen und ich davon profitieren.

Fazit

Die VAG hat es gut gemeint. Das Konzept scheint sogar bei manchen Mitfahrenden auf Erfolg gestoßen zu sein. Ich konnte durchaus interessante Unterhaltungen beobachten und ich wette, am Waldsee wurde noch das Tanzbein geschwungen. Meine Begleitung und ich entscheiden uns allerdings, den Partywagen am Bertoldsbrunnen zu verlassen und den Abend woanders ausklingen zu lassen. Keine Klimmzüge mehr für heute.

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