Nightlife-Guru & Foto-Galerie: Invasion Kulturfestival

Nightlife-Guru & Carolin Buchheim

Am Freitag hat die Invasion begonnen. Bis zum kommenden Samstag gibt's zwischen Auditorium und Pretty Wall Gallery an der Haslacher Straße eine einzigartige Mischung aus Kunst, Konzerten und Tanzmusik diverser musikalischer Genre. Natürlich haben wir am ersten Festivalwochenende auch unseren Nightlife-Guru vorbei geschickt. Wie's ihm gefallen hat:





(Die Jungs) An der Tür

Über dem leuchtendblauen Schriftzug der Breisgaumilch steht der fast volle Mond, als ich mir durch eine kleine Menschenmenge meinen Weg unter das Dach der blau, violett und grün beleuchteten ehemaligen Avia Tankstelle an der Haslacher Straße bahne.

Vor dem Eingangsbereich verbringen Menschen ihre Zeit mit einer der beliebtesten Freiburger Nightlife-Beschäftigungen: dem Jammern über Eintrittspreise. Heute Abend kostet es angemessene 8 Euro. "Ich bezahl doch nicht 8 Tacken, wenn Hans Wurst gleich schon fertig ist!" höre ich jemanden sagen. "Selbst schuld", denke ich mir und gehe zu den weißen Kassen-Zeltpavillions vor. Dort sitzen freundliche Menschen und lochen mein Wochenticket.

"Eilt sehr"
steht auf dem Stempel, den ich dafür auf mein Handgelenk bekomme. Und so eile ich mit meiner Begleitung auf das Gelände.



Inneneinrichtung & Deko


"Ist das schöööööön!"


Das Mädchen, das vor mir an der Kasse stand, und bleibt mit ihrer Begleiterin mitten auf dem Platz vor dem Auditorium stehen. Als schön hat diesen Platz sicher schon lange niemand bezeichnet; ich schätze zuletzt vor einem Jahr, bei der ersten Invasion.

Die Veranstalter haben sich auch in diesem Jahr wieder viel Mühe gegeben, und das Gelände zwischen Auditorium und Harrys Autowerkstatt mit reichlich Lichtinstallationen und Street Art-igen Kunstkram komplett verwandelt. Im Innenhof steht eine große Bühne, auf der Hans Wurst sich gerade aktiv betätigt, die Sushicutters projezieren Zeug an den Büroturm der Jazz und Rock Schulen, und an allen Ecken turnen Invasions-Monsterchen. Es ist kalt heute Abend. Und so scharen sich Wärmesuchende um einen Feuerkorb.

Ich höre mir die letzten Klänge von Hanswursts Auftritt an, begrüße anwesende Freunde und gehe  nach nebenan, in die neue Pretty Wall Gallery. Dort gibt's es unterschiedliche Sachen zum Angucken: Psychedelisches von Index, Großformate von Krell, Fetisch-Fotos von Lukas Zpira und Visavajara-Show-Fotos von Duri Mayer. Über der Bühne schon heute ein Gestell, an dem die Herren aus dem Piercingladen in der Gartenstraße sich am Freitag an ihrer Haut aufhängen werden.

Invasion, Du Clash der Subkulturen unserer beschaulichen kleinen Stadt!

Nur die doch im Übermaß vorhandenen Plakate für eine lokalpatriotisch gestylte Limo stören das überempfindliche Auge bei dieser laut Selbstdefinition doch total "nicht-kommerziellen" Veranstaltung ein kleinwenig. Aber ich will nicht allzu kleinlich sein, anderswo stehen bei ähnlichen Veranstaltungen überdimensionale Redbull-Aufblas-Dosen rum. Wenn schon Werbung, dann lieber im Pseudo-Strumbel-Style.



Wer war da?


"Wo kommen eigentlich all' die hübschen Menschen her?"
fragt mich meine Begleitung beim Gang über das Gelände. Ich schaue mich um. Und tatsächlich: so viele Menschen, deren Anblick dem Auge nicht weh tut, findet man in Freiburg selten auf einem Haufen. Oder ist es nur die entspannte, ungewöhnliche Atmosphäre, die mich so menschenfreundlich stimmt?

Dankenswerterweise ist das Publikum alles, aber nicht Großstadt-Gleichförmig. Auf der Invasion tanzt das Reggae-Kind mit den Dreads in der Mütze neben der hippiesken Enddreißigerin im bestickten Hängerchen, dazwischen stehen paar gestylte Jackson-Pollock-House-Party-Mädchen mit Cocktails in der Hand und werden von Kamikaze-Jungs mit Hüten und Karo-Hemden freundlich gemustert. Außerdem anwesend sind das gesamte Freiburger Feier-Etablissement, inklusive so ziemlich aller Menschen, die jemals in Freiburg in der Öffentlichkeit einem Plattenteller bedient haben, die Betreiber der wenigen eher szenigen Geschäfte und Gastronomiebetriebe der Stadt und sämtliche Party-Dauergäste.

Es ist schwer, das Durchschnittsalter zu bennenen. Anfang bis Mitte 30, wohl, aber man sieht - an diesem Abend schmeichelhaft-künstlerisch beleuchtet - höchstens aus wie Mitte 20, und fühlt sich ohnehin wohl wie Anfang 20; morgen früh wahrscheinlich wie Mitte-Ende 40.

Nur mehr Leute könnten es sein. Auf dem großen Gelände gibt es viel zu gucken, vielleicht zu viel, und so verläuft sich die Menge ein wenig, und überhaupt wird es erst gegen halb zwei Uhr einigermaßen angenehm voll.

Partyatmosphäre & Klangwaren-TÜV

Das Angebot auf der Invasion ist vielseitig. Nach dem Hans Wurst-Gig bleiben die leider nicht allzu zahlreichen Gäste zunächst im Innenhof stehen, während Flowin' Vibes im Auditorium sanft wobbernden Dubstep auflegt.

fudder's Maciste kämpft später ein klein wenig mit dem Übergang zu nicht zu sanften, minimalen Technosounds. Der verehrte Kollege meistert die Aufgabe dann aber resolut und bewegt einen guten Schwung Menschen auf der Tanzfläche. Maciste macht es mit eingetreuten chartigen Samples auch dieser Art von Musik nicht unbedingt zugeneigten Invasionsbesuchern leicht, den Weg auf die Tanzfläche zu finden. Dort sind heute viele unterschiedliche Tanzstile zu beobachten. Schön!



In der Pretty Wall Gallery wird derweil - falls ich die Protagonisten denn richtig erkannt habe - von Mitgliedern von 'Nacht und Nebel' Technoides zwischen Progressive und Techhouse aufgelegt. War die Pretty Wall eigentlich als Dancefloor eingeplant? Wenn nicht: egal. Da will man auf jeden Fall heute Abend sein.

Catering & Getränkekarte


"Nicht-kommerziell"
ist ein Adjektiv, das die Veranstalter der Invasion in der Vorberichterstattung gerne benutzt haben. Netterweise zeigt sich die Liebe zu diesem Adjektiv auch in der durch und durch okayen Preisgestaltung des Verpflegungsangebots: 2,50 Euro für Bier, Cola und Apfelschorle, 2 Euro für Wasser; Cocktails und Longdrinks kosten zwischen 5 und 6 Euro. Außerdem im Angebot: die lokalpatriotische Limo (die übrigens nach Kirsche schmeckt) mit Wodka, Sekt oder Gin.

Das Essensangebot ist heute Abend vorbildlich. "Lecker Essen" steht auf dem Schild des Imbiss auf dem Auditoriumgelände, und das ist nicht gelogen. Es gibt Bratwurst und Merguez mit Brot für 2,50 Euro sowie Burger mit Kartoffelsalat und Käseschupfnudeln für je 4 Euro. Mich zieht es jedoch - wie am Vorabend -  zum improvisierten Invasion-Freiluft-Restaurant bei der Pretty Wall Gallery. Dort kochen extrem freundliche Menschen heute Abend zwei Gerichte: ein raffiniertes Filet-Pfännchen (absolut angemessene 6,50 Euro), das selbst ich als Nicht-Tier-Esser als wohlriechend empfinde (gestern gab es ebenso appetitliches Hühnchen), sowie Rosmarinkartoffeln mit leichter Zitronennote (4,50 Euro). Dazu gibt's Salat und frisch geröstetes Brot, und alles schmeckt schlicht und einfach fantastisch. Frisch, gut gewürzt, lecker.

Ich überlege kurz, ob ich nicht doch noch eine Karriere als Wirt anstreben soll, nur damit ich diese talentieren jungen Menschen einstellen kann. Vielleicht lasse ich sie für's erste einfach mal bei meiner nächsten Feierlichkeit kochen, schließlich braucht jede Party so gutes Essen. Man muss ja irgendwie Grundlagen schaffen!



Auf dem Klo um halb zwei

"Ich husch' mal eben an Euch vorbei, ok?" sagt das Mädchen in Leggings und Tunika zu den beiden Männern, die die Urinale in der Sanitäranlage der Pretty Wall-Gallery benutzen. "Klar!" antwortet einer, ohne den Blick von der Wand zu nehmen. Auf der Invasion pinkelt man Unisex.

Aufheiterle

Direkt hinter dem Eingang passiert man die Video-Installation Einstufung vonMensch-Maschine, die jedem vorbeilaufenden Besucher ein Adjektiv zuordnet. Wer nicht 'beleidigt' oder 'ärmlich' sein will, läuft einfach noch mal vorbei. Oder noch mal. Und noch mal. Und noch mal. Denn nach einigen Gläsern lokalpatriotischer Limo-mit-Wodka hat diese Tätigkeit für manche Invasionsbesucher offenbar minutenlangen Unterhaltungswert.



Aufregerle

Da lebt man also in der wärmsten Region Deutschlands, es ist mitten im Hochsommer, seit Wochen gibt es eine Hitzewelle, und dann steht man bei einer sympathischen Veranstaltung nachts um eins draußen, und sehnt sich nach einem klimaunfreundlichen Heizpilz, weil alle Plätze um den Feuerkorb herum schon belegt sind. Finde den Fehler.

Fazit

Ich weiß, wo ich in der kommenden Woche noch öfter sein werde.



Mehr dazu:

 
   

Foto-Galerie: Caro Buchheim

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