Nightlife-Guru & Foto-Galerie: Beats In Der Allee mit Daniel Bortz und Julius Steinhoff in Waldkirch

Nightlife-Guru & Timo Erlenwein

Bassdrums und Donner, Gewitterblitze und tropischer Starkregen: Das kleine Open Air-Festival "Beats In Der Allee" in Waldkirch entwickelte sich am Samstag zum Tropenrave. Das hat den Nightlife-Guru nicht vom Tanzen abgehalten, denn ein echter Raver geht nicht unter. Wie's war:



 

Die Jungs an der Tür...

...durchsuchen Hosentaschen, Jackentaschen, Bodybags, Rucksäcke und Turnbeutel nach Essbarem, Trinkbarem oder anderweitig Genieß- und Konsumierbarem. Mein Freund muss seine Wasserflasche abgeben. "Schade, den Inhalt wollten wir den Kids teuer verkaufen", sage ich. "Die sind doch schon gut dabei", antwortet der Wachmann und winkt uns durch.

 

Außeneinrichtung und Deko

 
Der Festivalort, die Waldkircher Schlettstadtallee, braucht eigentlich keine Deko. Er bietet eine natürlich schöne Umgebung für eine Party unter freiem Himmel. Der Blick hoch zur Kastelburg, hohe Kastanienbäume, durch dichtes Blätterdach einbrechende Sonnenstrahlen - schön.

Apropos Sonnenstrahlen: Je später der Tag, desto mehr müssen sie sich durch dichte Wasserwolken hindurchkämpfen. Sie türmen sich über der Kastelburg und überm Kandel auf, ziehen in dunklen Schwaden durch das Elztal. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch. So muss es sich anfühlen, wenn ein Rave im feuchten Höhenwald Kolumbiens stattfindet.

Einen farbenfrohen Blickfang bilden sieben, acht Schirmknäuel. Sie hängen an Schnüren, die das Deko-Team zwischen die Bäume gespannt hat. Ein Menetekel, für das, was an diesem Samstagnachmittag kommen sollte?



 

Wer war da?

 
Partykatzen und -kater mit Röhrenjeans, Feinripp-Unterhemd, bunt bedruckten T-Shirts, Flanellhemden, dichtem Vollbart oder Teenager-Flaum, Snapback Hats oder Wollmützen; Anfangdreißiger mit leichter Bauchwölbung - jaja, die Tücken eines Sitzberufs holt alle ein -; Endvierziger, die gerade von einer Fahrradtour oder einer Wanderung zu kommen scheinen. "Beats In Der Allee" ist ein Amalgam aus Szene, Clubgängerinnen und -gängern, Winzerhock und Ortschaftsratssitzung.

Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV

"Saturday is party day." Julius Steinhoff, gebürtiger Freiburger, langjähriger Wahl-Hamburger und Mitgründer des House-Labels Smallville, steht an den Plattenspielern und spielt den Cosmo Vitellis "Party Day" im Akufen-Remix. Kraftwerk'sche Coolness trifft Elektropop trifft Cut Up Disco trifft Micro-House. Der Song beschwört die Tänzerinnen und Tänzer. Bleibt auf der Tanzfläche, auch wenn es regnet, will er ihnen sagen. Denn Samstag ist Partytag.
Wenige Takte später lösen sich die ersten dicken Regentropfen aus den Wolken. Sie platschen den vierzig, fünfzig Menschen, die sich vor der Bühne versammelt haben, auf den Kopf. Der Münchner Sascha Sibler und Daniel Bortz aus Augsburg übernehmen die Regie an den Decks. Die Bassdrums ihrer Stücke bollern mit dem Donner über Kastelburg und Kandel um die Wette. Wind kommt auf. Lichtblitze oder Gewitterblitze erhellen den Blätterdom in der Schlettstadtallee. Jetzt erinnert der Niederschlag an tropischen Starkregen. Fehlt nur noch ein Sven Väth, der sich bis auf die Unterhose auszieht und sein Publikum zum Stagediving auffordert, und der Tropenrave wäre perfekt.



"Petrus ist kein Waldkircher", sagt ein Mann, der mit mir Schutz vor dem Regen unter einem Zeltdach sucht. "Klar, dass es so regnen muss, wenn der Bortz so'n melancholischen Neo-Trance auflegt", sagt ein anderer und zündet eine Zigarette an. Der Augsburger Bortz und sein Münchner DJ-Kollege Sibler halten der Wetterdramaturgie hypnotisch stotternde Bassdrums und ausladende Synthesizer-Flächen entgegen; ein schattig-verhangener, lichtscheuer Sound, Musik aus dem Umfeld von Label wie Life & Death, Kompakt und Innervisions.

Catering und Getränke

 
Crêpes, Grillwürste, Cocktails und Süßgetränke auf Crushed Ice, Sekt auf Eis, Wein und Bier.

 

Aufregerle

 
Von wegen. Die Jungs von Fetepetete sind ein eingespieltes Team, denen nichts entgleitet, außer das Wetter, und dafür können sie nichts.

 

Aufheiterle

 
Mitarbeiter des Festivals verteilen Regenponchos mit Kapuze, die ein Waldkircher Sportgeschäft kurzfristig bereitgestellt hat. Minuten später ist die Tanzfläche wieder weitgehend voll. "Wir sehen aus wie weiß-transparente Dementoren", sagt ein Mädel und lacht. "Wo bleibt Harry Potter und sein Sonnenzauber?", sagt ihre Freundin. Sie lachen und entschweben in die Regen-Wolken-Suppe.

 

Fazit

Ein echter Raver geht nicht unter.

Mehr dazu:

     

Foto-Galerie: Timo Erlenwein

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.