Nightlife-Guru: UDM Show Live @ Das Schiff, Basel

Nightlife-Guru

Auf dem 'Schiff' im Basler Rheinhafen Kleinhüningen gab es - als Tanz in den Mai - die fünfte Geburtstagsparty der UDM Radio Show. Unser Nightlife-Guru war bei dieser Rheinfahrt mit von der Partie.

 

(Die Jungs) An der Tür

Wer sich in Basel an Bord des Schiffes begeben möchte, hat sich regelmäßig zwei Security-Checks zu unterziehen. Denn hier genießt die Sicherheit der Gäste oberste Priorität. So überprüft ein Sicherheitsmitarbeiter akribisch den Inhalt meiner Tasche, noch bevor ich überhaupt den Schiffssteg betreten habe.



Am Eingang selbst bittet mich eine feingliedrige Frau um die Vorlage meines Personalausweises. Sie und ihre männlichen Kollegen wählen sorgfältig aus, wer zur heutigen Clubnacht passt und an Bord darf und wer an Land bleiben muss. Der Fahrtpreis durch die heutige Nacht beträgt 25 Schweizer Franken beziehungsweise 20 Euro, exklusive Kaffeegedeck und Schifferplatte. Ich bin gespannt, wer da mit mir auf Reisen gehen wird.

Inneneinrichtung & Deko

Das Schiff liegt seit Mai 2005 im Basler Rheinhafen Kleinhüningen an der Westquaistrasse 19 fest vor Anker. Neben Restaurationsbetrieb und wechselnden Kunstausstellungen hält es insbesondere den Nachtaktiven im Dreiländereck ein reichhaltiges Programm für die Zeit nach Sonnenuntergang bereit.



Das Hauptdeck empfängt die Besucher mit fest installierten, einladenden Sitzgruppen, einer von jeder Seite zugänglichen Bar sowie einer kleinen Tanzfläche. Von hier geht der Blick hinaus auf den Rhein, die französische Uferseite mit dem Dorf Hunigue auf der einen und auf die Hafenindustrieanlagen auf der anderen Seite, die insbesondere zur blauen Stunde eine eindrucksvolle Kulisse bieten.



Ins Unterdeck hinab führt eine fies steile Treppe. Für manche Vodka-Leiche wird sie am Ende einer durchfeierten Nacht vielmehr „Gateway To Hell“ denn „Stairway To Heaven“. Wie’s sich für einen Schiffsbauch gehört, ist das Unterdeck dunkel und spärlich ausgeleuchtet. Weder blenden Strobo-Gewitter noch durchziehen nervige Kunstnebelschwaden den Raum. Die Marschroute ist also klar formuliert: hier soll gerockt und nicht gekuschelt werden.

Wer war da?

Innert kürzester Zeit hat sich das Schiff einen Ruf als ausgezeichnete Clubinstitution weit über die Kantonsgrenzen beider Basel hinaus erarbeitet. Dementsprechend bunt ist der Blumenstrauß an Schweizer Mundarten. Deutsche und französische Sprachfetzen verraten Gäste aus den angrenzenden Ländern. Hierher, so wird schnell deutlich, kommt, wer seine Feieraktivitäten nach dem musikalischen Programm und den jeweiligen DJs, nicht jedoch nach Abschiessfaktor und Abschleppquote ausrichtet. Hoch ist der Anteil italienischsprachiger Jungs, die bei aller schweißtreibenden Feierei viel Wert auf ihr Aussehen legen. Fare bella figura eben.

Partyatmosphäre & Klangwaren-TÜV


„This is a journey into sound…“
Nur zu bekannt sind die Worte aus „Paid In Full“, dem Überhit der Eastcoast-Rapper Eric B & Rakim aus dem Jahre 1987. Sean Spencer a.k.a. DJ Spen, Headliner und Kapitän der heutigen UDM Show Live, steht am Mischpult und schraubt eifrig an den Reglern.



Sekunden später lässt er eine Woge aus druckvollen Bässen und analogen Stakkatobeats über die Crowd im Bauch des Schiffes hereinbrechen. Auf den Höhepunkt seines Sets zusteuernd, ist DJ Spen in den Untiefen des Sounds seiner Heimatstadt Baltimore, dem BMore oder Baltimore Club, angekommen.

Der Crowd gefällt’s. Sie springt von Woge zu Woge. So dreckig-verschwitzt wie die Musik sind auch viele Tanzende. Wer’s kuschelig weich und sauber mag, sollte spätestens jetzt aufs Hauptdeck wechseln. Hier lümmeln die Gäste stilvoll in den Sitzmöbeln.



Eine Armada an Promotion-Mädels buhlt um die Aufmerksamkeit für ihr Produkt, ein schwedischer Vodka, doch ohne Erfolg. Eine Handvoll Basler Local-DJs wechselt sich an den CDJs ab und beschallt den Raum mit souligem House von Labels wie King Street, Large oder Salted. Doch kaum jemand tanzt dazu.

Tief im Soul wurzelt auch der Sound, mit dem die beiden Basler Co-Kapitäne DJ Le Roi und Mark Stone, seines Zeichens Mitbegründer der UDM Radio Show, die das Schiff heute Nacht in Bewegung setzen. Ist die Tanzfläche zu Anfang noch leer, füllen Remixe von Leela James, Jill Scott oder Roy Ayers den Raum auf eine eigentümlich euphorisierende Weise. Die Musik ist absolut ansteckend.



Als ob ein Hebel umgelegt wurde, drängen die Nachtschwärmer auf die Tanzfläche und bewegen sich, wie geladene Teilchen in einem Magnetfeld. Jedes Mal, wenn DJ Le Roi, Mark Stone oder DJ Spen einen Klassiker spielen, skandieren insbesondere die Italiener den Refrain dazu in ekstatischer Entzückung.



Catering & Getränkekarte

Die lange Nacht und das pulsierende Leben an Bord des Schiffes machen durstig. Abhilfe dagegen schaffen zwei Bars, jeweils eine auf dem Haupt- und Unterdeck.



Das emsig umherschwirrende Personal ist für fast jeden Wunsch offen und serviert auch Drinks, die nicht ausdrücklich auf der Karte stehen. Preislich halten sich die Getränke durchaus im Bereich des angemessenen. Softdrinks und Wasser kosten 4,50 Schweizer Franken, Bier 6 oder 7, Longdrinks auf Vodka- oder Ginbasis jeweils 13. Die Schweiz kann auch teurer.

Auf dem Klo um halb vier

Aus glasigen Augen starrt ein junger Mann ins Leere. Zerfeiert lehnt er im Türrahmen und weiß nicht mehr, ob er den Raum betreten oder verlassen wollte. Doch die Security ist schnell zur Stelle und geleitet ihn nach draußen. Für ihn ist die Reise definitiv zu Ende.

Aufregerle

„Du siehst aus, als ob Du auf jemanden wartest. Ich spüre das.“ Ein kontaktgeiles Mädchen drängt sich mit diesen Worten nicht nur mir hartnäckig auf. Kaum wende ich mich von ihr ab, visiert sie ihr nächstes Opfer an. So nervt sie heute Nacht sowohl die Männer- als auch die Frauenwelt.

Aufheiterle

Es ist weit nach vier Uhr. Ausgelassen tanzt ein junger Mann durch den Bauch des Schiffes. Dabei balanciert er seinen Drink auf dem Kopf. Von allen Seiten haschen Hände nach seinem Haupt. Doch ohne Erfolg. Geschmeidig dreht und wendet er sich, schlängelt sich durch die Crowd und schwingt die Hüften rhythmisch zur Musik. Nicht ein einziges Mal gerät der Becher ins Wanken, geschweige denn, dass er zu Boden fällt.



Bahnhofsgeschichten

Basel, Badischer Bahnhof. Bereits geht die Sonne auf. Drei Männer, leicht schwitzend und mit deutlich gerötetem Gesicht, sitzen am Bahnsteig und trällern mehrstimmig das „Donaulied“ in die Morgenfrische. Ein paar 1.-Mai-Wanderer blicken beschämt zu Boden, die Kerle singen lauter, der Nightlifeguru lacht.

Fazit

Die Rheinfahrt auf dem Schiff verlangt nach einer Wiederholung.



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