Nightlife-Guru: UB1

Nightlife-Guru

Vorbei die Zeiten, in denen pünktlich zur Tagesschau der Aufruf durch die Bibliothek der Freiburger Universität schallte, man möge das Gebäude zeitnah verlassen: Die in die einstige Stadthalle umgezogene UB1 hat seit diesem Semester non stop geöffnet und wird mit einem 390 Euro-Lightsystem angestrahlt. Unser Nightlife-Guru hat die Interims-UB auf ihre Partytauglichkeit überprüft.




An der Tür

Ganz schön modern, diese UB1: Statt eines gewohnten Kampfsport-Allroundtalents in Security-Jacke sorgt hier zunächst ein "Uni-Card"-Kartenlesegerät für Zucht und Ordnung. So heißt es auch für mich zunächst: "Du kommst hier nicht rein!" Dieser Umstand liegt aber weniger an meinen Schuhen als an technischen Problemen. Die Tür öffnet mir schließlich eine Hilfskraft, nicht ohne vorher nach der Uni-Card zu fragen.



Einrichtung & Deko

Ein niedlicher Schlüsselautomat, bunte Plastikkörbe und rot lackierte Schließfächer: In ihrem Eingangsbereich versprüht die UB1 den Charme des Pragmatischen gepaart mit einem Gespür für Ästhetik.



Die restliche UB verteilt sich auf mehrere Floors: Links vom Eingangsbereich befindet sich eine Area, in der Besucher sich an zahlreichen Rechnern durchs Netz klicken können. Wichtiger ist allerdings der eigentliche Main-Floor, der vor allem mit Büchern, aber auch mit einigen Sitzgelegenheiten dekoriert ist.

Von hier aus kann man zur im Keller gelegenen Bar oder der oberhalb gelegenen Chill-Out-Zone weiterziehen.



Alle Floors bevorzugen ein rustikales Ambiente mit Holzmobiliar, das an Schulmöbel der 70er Jahre erinnert. Während die dunkelbraunen Holzbänke und die gleichfarbige Verkleidung im Bar-Bereich von der bunten Warenvielfalt der Getränke- und Lebensmittelautomaten kontrastiert werden, ist es in der Chill-Out-Zone die Komposition der Sitzgelegenheiten, die die helleren Seiten des Lebens aufzeigt: Am perfekt arrangierten Vierertisch herrscht die reinste Flirt-Atmosphäre.

Wem das zu viel des Socializens ist, kann sich aber auch einfach an einem der mit Sichtschutz ausgestatteten Einzeltische vom partytypischen Small-Talk erholen.



Wer war da?

Kaum jemand lässt sich blicken, als ich den Main-Floor betrete: Die wenigen Gesichter, die ich sehe, gehören zumeist Männern und sind mit Mützen bedeckt. Die Damen huschen nur gelegentlich am Ende des Ganges vorbei. Campino würde vielleicht an seine "Blickgespräche, bei denen man alles verspricht" denken - doch da hat die UB1 eine größere Dynamik zu bieten, als die Diskotheken, in die die Toten Hosen so gehen.

Dass dennoch mehr als die drei, vier sichtbaren Wesen ihre Nacht in der UB verbringen, lässt sich aufgrund des Geklappers von Laptop-Tastaturen, Papiergeraschel und gelegentlichem Flüstern erahnen.



Klangwaren-TÜV und Party-Atmosphäre

Es läuft nur ein Song - und zwar durchgehend: 4'33 von John Cage. Auch wenn gelegentlich Alltagsgeräusche oder Elektrosounds wie Kopierer-Alarm oder das Surren der Deckenbeleuchtung gesampelt werden, ist das Ganze auf Dauer doch ziemlich langweilig - dabei liegen sogar Kataloge mit der Aufschrift "Musiktonträger" im UB-Inforegal aus.

Andererseits passt der Sound insgesamt gut zum entspannten Ambiente der UB1, das auch außerhalb der eigentlichen Chill-Out-Zone vorherrscht.

Insgesamt kann von "Party-Atmosphäre" keine Rede sein, die UB1 ist eher etwas für vor, nach oder zwischen der Party.



Auf dem Klo um halb drei

...könnte man so ziemlich alles machen, was in coolen Clubs auf Toiletten angeblich immer so gemacht wird. Ohne Zeugen! Zumindest in der Herrenabteilung ist nichts los - lediglich auf dem Boden verstreute Papiertücher zeugen davon, dass vor mir schon ein Mensch diese Einrichtung betreten hat.



Catering

Das Angebot an Getränken und Snacks, die man im Bar-Bereich, der Cafeteria so findet, erinnert an die Automaten an deutschen Bahnhöfen: Kaffee, Cola, Saft und Wasser, dazu Schokoriegel und in mit Tau benetzter Folie verpackte Käsesandwichs. Nicht besonders preiswert, nicht spektakulär, aber sicherlich genau das, was man zum Durchstehen einer harten Partynacht braucht.



Fazit

Es gibt sicher bessere Orte, eine Party zu feiern, als in der UB1. Eintöniger Sound, unspektakuläre Drinks, wenig Besucher.

Wer aber sowieso gerade auf dem Heimweg vom Swamp oder Walfisch ist, kann sich in der UB gut noch kurz ein wenig entspannen.

Mehr dazu: